Die rote Walze sollte man nicht zu früh abschreiben

Hat kurz vor Schluss die rote Dampfwalze sie doch noch erwischt, und das nicht ganz zu unrecht, denn nach dem Ausgleich, den Özil in der 52. Minute erzielte, hat das weiße Ballett einfach aufgehört, zu tanzen. Im Theater wären bei einem so eklatanten Nachlassen schon nach wenigen Minuten die ersten Buhrufe zu vernehmen gewesen (wenn das Bolschoi „Schwanensee“ angekündigt, erwartet man keine Halb-Slapstick, sondern etwas etwas Seriöses), beim Fußball aber entscheiden die Tore. Bestraft wurde Real aber dennoch, und zwar 2 Minuten vor Ende der Partie, als sich Lahm schön auf der rechten Seite durchsetze und seine Eingabe irgendwie von Gomez‘ Fuß im Kasten Casillas landete. Künstlerpech für Real. Aufgrund des destruktiven Spiels, das die Königlichen ab dem Einstand boten, war zu diesem Zeitpunkt längst vergessen, wie sie in Rückstand gerieten – durch einen irregulären Treffer der Bayern, denn beim Schuss Riberys stand Gustavo im passiven Abseits (daraus wurde wegen Sichtbehinderung des Torwarts aktives Abseits). Real steckte dies aber gut weg und war in der 1. sowie zu Beginn der 2. Halbzeit die bessere Mannschaft. Özil und Co. spielten einfach den ansehnlicheren Fußball – sie waren einfach kompakter, abgeklärter und technisch versierter als die Bajuwaren. Ich hatte den Eindruck, sie würden schon ewig zusammenspielen. Da im schnelllebigen Profigeschäft das so gut wie ausgeschlossen ist, müssen sie den ganzen Tag nur das Spielen üben. Das heißt nicht, dass die Bayern schlecht waren. Nur war deren Spielaufbau nicht sehr durchdacht. Ribery und Robben versuchten immer wieder, mit Solovorstößen („Achtung – Panzer!“) für Gefahr zu sorgen. Da beide das auf Dauer nicht durchhalten konnten, rannten die Roten immer in Wellen an. Viel kam dabei nicht heraus. Real hatte die besseren Chancen, jedoch ging mit diesen recht leichtfertig um. In der 7. Minute entschärfte Neuer einen Schuss Benzemas. Ronaldo, der heute blass blieb, darum auch raus gemusst hätte, hatte 2, die er recht kläglich vergab. Vermutlich wird Mourinho, der in der 2. Halbzeit sein Wechselkontingent ausschöpfte, sich jetzt darüber ärgern, ihn nicht ausgewechselt zu haben, denn statt sich die Bälle zu holen, als seiner Mannschaft nichts mehr gelang, stand Ronaldo nur vorne herum. Zum Verteidigen hat er auch keinen Bock gehabt. Mit den langen Bällen, die die Reals Stars in der Hoffnung nach vorne schlugen, einer ihrer Stürmer würde ihn schon kriegen, haben sie die Münchener wieder ins Spiel gebracht (kaum einer kam an). Die nahmen das Geschenk dankend an. Nächste Woche wird sich zeigen, ob Real bereuen muss, so großzügig gewesen zu sein.

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