Die Russen zögerten völlig zu Recht

Seit heute wissen wir, warum sich die Russen so merkwürdig in Syrien verhalten – einerseits kämpfen sie mit Assad und den Iranern, andererseits halten sie sich vornehm zurück, wenn die Israelis ihre Verbündeten angreifen. Nach dem Verlust eines Aufklärers durch ein erzwungenes „friendly fire“ gaben die Russen, indem sie Syrien moderneres Equipment lieferten, ihre Zurückhaltung ein wenig auf. Bis zum letzten Wochenende sah auch alles danach aus, als ob wenigstens an einer Front Ruhe einkehren würde. Dann lieferten sich die drei ein Raketengefecht, an dessen Ende sowohl Israelis als auch Syrier zufrieden sein konnten – mit ihrem neuen Abwehrsystem kann Israel praktisch eine Käseglocke, an der alle Raketen grandios zerschellen, über sein Territorium stülpen. Assad ist froh, dass beim Angriff von 40 Raketen gerade einmal 10 ihr Ziel erreicht haben. Das ist zwar nicht der absolute Schutz, den die israelischen Bürger genießen, jedoch allemal besser als vor der Aufrüstung durch die Russen, als nämlich die israelische Luftwaffe schalten und walten konnte, wie sie wollte. Nun ist es erheblich teurer und gefährlicher, die Assads Luftabwehr auszuschalten. Und selbst die Iraner, deren Raketen abgefangen wurden, können sich freuen – dank des Erfolgs ihres Systems wird es für die israelische Propaganda noch schwerer, Angriffe auf Stellungen der Iraner bzw. ihnen nahestehenden Verbände zu rechtfertigen. Sie sind praktisch Opfer des eigenen Erfolgs geworden. Von Iran geht jedenfalls keine Bedrohung für die Existenz des Landes aus. Die großen Verlierer sind die Russen, denen nichts weiter übrig bleibt, als die Verluste, die Assad aufzuweisen hat, wieder auszugleichen. Es sieht so aus, dass der moderne Luftkrieg zu einer Materialschaft, die nur der gewinnt, der am längsten Feuern kann, gewinnt. Fällt ein System aus bzw. geht diesem die Munition aus, wird es zur Zielscheibe des Gegners. Das ist so wie in „Krieg der Sterne“ – bei einem Schwarm-Angriff gibt es kein Entrinnen. Goldene Zeiten für Raketenproduzenten – sie können ihren Kunden neben der Rakete, die gegen Landziele eingesetzt wird, gleich noch eine liefern, die erstere vernichtet, so dass für beide Arten immer Nachschub erforderlich ist.

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