Die Höhe, auf der der Sturm tost, und Grass

Es wird Zeit, dass sich dieser Blog wieder daran macht, über Kultur aufzuklären, jedoch schließt das nicht aus, dass der Autor auch mal an ein Werk gerät, über das er noch weniger als seine Leser weiß – bei der Überschrift „Windrad soll im Moor, das zu „Wuthering Heigths“ inspirierte, errichtet werden“ habe ich ausschließlich an Kate Bushs gleichnamigen Song gedacht. Wie gut, dass der Verfassers des Artikels mit der anschließenden Erklärung, eine Landschaft könne ihren Charakter verlieren, dafür sorgte, dass sich mein Gehirn weigerte, zu glauben, Bush muss in erster Linie diesen Ort bekannt gemacht haben. Aus ihrem Video lässt sich nur schwer erahnen, was so besonders an dieser Gegend sein soll, was wiederum für das Lied spricht – dank ihrer hervorragenden Stimme bedarf es keiner spektakulären Bilder. Sie kann sich sogar die recht eigenwillige Choreographie leisten, die, wenn man den gleichnamigen Roman kennt, durchaus angebracht erscheint. Dankens-werterweise stellt der Guardian seiner treuen Gemeinde einen Text, der, so tippe ich, dem Stil Brontës entspricht, zum Lesen zur Verfügung. So haben auch die, die keine Ahnung haben bzw. die Autorin Emily Brontë nur vom Namen her kennen (was keinen großen Unterschied macht, auch wenn ich zu letzteren gehöre), die Chance, sich einen Eindruck vom Buch zu verschaffen. Nur der Inhalt und die Wortwahl, an der sich eingefleischte Fans stoßen könnten, wurden geändert. Natürlich ist es besser, das Buch zu lesen, jedoch für Leute, denen die Story zu schwülstig und zu traurig ist, reichen 800 Wörter völlig aus. Bedauerlich ist, dass die Verfilmung von 1939 nicht als Ganzes auf Youtube zu sehen ist. Als gelegentlicher Amateurvideobearbeiter, der nicht über die Software, die der Guardian hat, verfügt, werde ich, wenn ich mal viel Zeit haben sollte, versuchen, ob ich es schaffe, Olivier genauso wie deren Bildredaktion hinzukriegen. Nicht einmal eine Sekunde guckt er so (ungefähr 14:01 min, aufgrund des Tuchs kann es nur diese Szene sein). Ich frage mich, warum die Redaktion sich ausgerechnet für dieses Bild entschieden hat (der Text spielt draußen, zudem gibt es im Film keine derartige Nahaufnahme). Vermutlich wollten die Bildbearbeiter zeigen, wie wichtig sie sind (ich glaube nicht, dass während der Dreharbeiten ein Foto für Werbezwecke gemacht wurde). Soll es wirklich möglich sein, so nahe sich ranzuzoomen? Wider Erwarten war auch Illners letzter Talk (Donnerstag) recht erhellend. Das lag zum größten Teil an ihren Gästen, die sich, allen voran Scholl-Latour, beharrlich weigerten, Fragen, in denen es mehr um Grass als um den Nahost-Konflikt ging, zu beantworten. Und Frau Ausgstein hat mit ihrem resoluten Auftreten dafür gesorgt, dass das Gedicht nicht überinterpretiert wurde, was der Diskussion gut tat. So viel Rationalität war nach einer Woche Grass-Hysterie wirklich nicht zu erwarten. Höhepunkt des Irrsinns war der Vorschlag des israelischen Innenministers, sich mit Grass, der ja nicht mehr nach Israel reisen darf, an einem neutralen Ort treffen zu wollen, um dort ihm seinen Standpunkt erklären zu können. Würde die unbewohnte Rheininsel, auf der Marie Antoinette den Franzosen „übergeben“ wurde, noch existieren – wegen der Flussbegradigungen kann dies wohl ausgeschlossen werden – hätten sich die beiden dort treffen können (dieser Vorschlag wäre noch absurder und kaum noch zu toppen). In diesem Naturparadies musste sie sich mit 15 der aus heutiger Sicht albernen Prozedur unterziehen, ihre habsburgische Garderobe gegen französische einzutauschen. Die Etikette wollte, der Welt zu zeigen, dass sie von nun ab keine Beziehungen mehr zum Wiener Hof habe. Wer aber nun denkt, Grass‘ Gedicht hätte sich erledigt, irrt – am Sonntag geht es weiter. Dann widmet sich Jauch dem Thema. Er kann froh sein, wenn auf ähnlich hohem Niveau wie bei Illner diskutiert wird.

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