Ein revolutionäres Osterfest

Wo haben Sie Ihre Auferstehung gefeiert? Angesichts der wenigen Menschen, denen ich auf meinen Ostermärschen vor den Toren der Stadt begegnete, sowie der Meldung, nie habe es so wenige Staus an einem Osterwochenende gegeben, muss es viele nicht in die Natur gezogen haben – jene, die schon Anfang September sich der Grippeschutzimpfung unterzogen, hatten wegen des Ablaufs der 6-monatigen Schutzgarantie Angst, ausgerechnet am Ende der Grippesaison noch eine zu bekommen (es war ja auch recht ungemütlich), andere schreckten die hohen Spritpreise davon ab, für ihr Befreiung aus der Enge der Stadt eine lange Autofahrt, die nur halb so lang wie üblich gedauert hätte, in Kauf zu nehmen. Es wäre daher nicht verwunderlich, würden sich in zwei Wochen nur noch wenige Menschen ans Osterfest erinnern – ausgenommen sind die (Stamm)Leser des Blogs, denen nach der Lektüre dieser Kolumne dieses immer in fester Erinnerung bleiben wird. Stolz können sie in 20 Jahren behaupten, schon einen Tag danach gewusst zu haben, dass von Deutschland und gestern eine neue Epoche der Weltgeschichte, die nur wenige bewusst erlebt haben, ausgehen würde. Sollten die kalten und regnerischen Feiertage die Pharmaindustrie veranlassen, im September einen Impfstoff, der 8 Monate lang garantiert wirkt, zu entwickeln, wäre das natürlich sehr begrüßenswert, als epochemachend würde man dies aber nicht werten. Es sei denn, im nächsten Jahr (ebenfalls bei schlechtem Wetter und hohen Spritpreisen) würden alle jene, die ihr Auto stehengelassen haben, wieder auf große Fahrt gehen. Der WHO und den Pharmalobbyisten würde es sicherlich nicht schwerfallen, einen Zusammenhang herzustellen. Der Sprit ist es, stupid (in Englisch klingt es vornehmer)! Und der ist ausgerechnet dann, wenn der Rest Europas sparen muss bzw. soll, teuer wie nie. Was wird erst passieren, wenn in allen Ländern die Wirtschaft um 3 Prozent wächst? Vermutlich würde der Liter 2,389 € kosten. Und da die Ökonomen glauben, irgendwann werden Länder, deren Wirtschaft im Augenblick schrumpft, wieder boomen, ist davon auszugehen, dass die Preise weiter anziehen dürften. Das wäre eine simple Feststellung, wenn mir nicht aufgefallen wäre, dass die Geschehnisse im 2. Jahrzehnt (in den Jahren 10 bis 19) eines Jahrhundert für das Wohl und Weh der Menschen von entscheidender Bedeutung sind. Für Autofahrer hält diese These schon einmal nicht viel Gutes bereit – vermutlich wird es zu Osten auf deutschen Autobahnen nie mehr so eng wie noch zum Fest im Jahr 2011, was versnobte Engländer zum Anlass nehmen könnten, bereits Karfreitag ihre jährlichen Rennen nach Italien zu starten. Nur eine Aufhebung des LKW-Fahrverbots könnte sie stoppen. Sollte an dieser Theorie etwas dran sein, wäre es besser, gleich ins Jahr 2020 zu springen – abgesehen von Thomas Morus‘ Buch „Utopia“
sowie, was mich einige Überwindung kostet, einzugestehen, aber Sachsen-Anhalt braucht nun mal die Luther-Touristen, dessen Thesenanschlags ein Jahr später ging immer recht kriegerisch in diesem so wichtigen Jahrzehnt. Das Attentat auf den Thronfolger in Sarajevo, die Leipziger Völkerschlacht, der zweiter Fenstersturz zu Prag, die Schlacht von Tannenberg fanden alle in diesem ominösen Jahrzehnt statt. Deren Folgen sind allgemein bekannt. Ist in einem mal nichts besonderes passiert, ging es in den folgenden 30 bis 40 Jahren recht friedlich zu. Ausnahmen, der Alte Fritz beispielsweise, bestätigen die Regel. Genaueres weiß ich in 30 Jahren. Immerhin bleibt mir, mich bis dahin mit der Feststellung, dass meine Hirngespinste wesentlich realistischer und vernünftiger als jene von Alfred Tetzlaff (Ein Herz und eine Seele) sind. Der durfte am Sonntag beim WDR wieder behaupten, dass Ulbricht ein Agent Gehlens gewesen sei. Einfach köstlich. Wie lange wird das Schwofverbot am Karfreitag noch halten? Das Verbot ließ sich nur mit größer Mühe durchsetzen. Die jungen Menschen werden erst Ruhe geben, wenn es ihnen erlaubt ist, am Tag der Kreuzigung Jesu richtig abfeiern zu dürfen. Komischerweise ist mir das egal. In Österreich gilt er nicht mehr als Feiertag, während England die Premier League spielt. Sollte an diesem Tag alles erlaubt sein, würde aus dem beschaulichen und ruhigen Karfreitag der Partytag der Nation werden. Das bliebe er auch für eine geraume Zeit. Eines aber ändert sich nie – die guten Filme werden weiterhin nach 12:00 Uhr ausgestrahlt. Das ist Gesetz.
Dank des „Observers“ ist „I’m His Girl“ von Friends mein Video der Woche.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.