Die ewige Frage – konnte der Führer malen?

Schadet es dem Ruf des Führers, Inbegriff des Bösen zu sein, wenn man ihm zugesteht, dass er malen konnte? Wenn sich diese Frage stellt, muss wieder ein Bild, das er gemalt haben soll, aufgetaucht sein, und ausgerechnet in Nürnberg, wo er die Deutschen verdonnerte, ihm zu huldigen (was alle auch in voller Inbrunst taten), soll es heute versteigert werden. 45.000 € erhofft sich der Auktionator – im Vergleich zum Schaden, den der Führer angerichtet hat, ein Wassertropfen, der noch vor seiner Ladung auf dem heißen Stein verdunstet ist. Einen Hitler in der Sammlung zu haben ist eben nicht jedermanns Sache, wobei natürlich auch eine Rolle spielt, dass dessen Bilder kaum jemand kennt. Während die Gäste eines Sammlers, der vor dem Abendessen seine Erwerbungen präsentiert, vor einem von Gogh sofort sagen, „Oh, das ist ein van Gogh!“, muss dessen stolzer Besitzer vor einem Führer bzw. Hitler die Leute immer auffordern, zu raten, von wem denn dieses Gemälde sein könnte, was zwar zehnmal interessanter ist, als sich eine deutsche „Fernsehraterunde“ anzuschauen, aber auf die Dauer auch langweilig wird. Dass diese Kolumne nun einen Link zu einer Webseite, auf der die Werke des Führers zu finden sind, setzt, geschieht keineswegs in der Absicht, den Sammlern das Fragen zu ersparen, sondern um herauszufinden, wie es um die Fähigkeiten des Führers bestellt war. Da trifft sich es gut, dass einer seiner großen Widersacher auch Maler war. Churchill und Hitler – wer war der Bessere von den beiden? Diese Kolumne glaubt zu wissen, dass Churchill mehr Phantasie als der Führer hatte, also Hitler mehr den Geschmack des Menschen, der meint, ein Gemälde müsse die Realität abbilden, traf, während der Brite es mit dieser nicht so genau nahm, sondern diese interpretierte. Da Churchills Werke sich fast ausschließlich Szenen von der Côte d’Azur zeigen, stellt sich die Frage, ob aus dem Hitler ein Führer geworden wäre, wenn die Kunstschule, die ihn in Wien ablehnte, ihm geraten hätte, er solle es nach einem Jahr im Süden Frankreichs noch einmal versuchen. (Um nicht den Eindruck zu erwecken, der Führer sei Opfer der Umstände geworden, muss gesagt werden, dass es auch berühmte Maler gibt, die nicht am Mittelmeer waren.) Aber was wäre das Gemälde wert, wenn niemand wüsste, wer es gemalt hat? Vermutlich müsste sich der Auktionator mit einem Preis, den ein Straßenmaler in Paris nimmt, zufrieden geben. Oder gar weniger. Da der Führer es beim Malen sehr genau nahm, lässt sich mit Sicherheit sagen, dass es schon damals, also nach der Jahrhundertwende, lange Trockenperioden gegeben haben muss – der spärliche Graswuchs am Ufer des Sees lässt das jedenfalls vermuten. Holmes – übernehmen Sie!

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