Die Bahn, sie kommt – nur mit welchem Tempo

Wissen Sie, worin die Bahn richtig gut ist? Derart gut, dass weder eine Signalstörung, eine Änderung des betrieblichen Prozesses, ein fehlender Wagon, ein vorausfahrender Güterzug, ein Zug, der die Strecke blockiert, eine Bombenentschärfung oder Personen, die sich unbefugt auf den Gleisen aufhalten, ihr etwas anhaben können (Die Bahn ist so kreativ im Beschreiben der Probleme, dass es schier unmöglich ist, sich alle Erklärungen zu merken. Vielleicht gibt es einen Bahnreisenden, der die Aussagen der Bahnbediensteten akribisch protokolliert.) Selbst das Wetter, vor dem sie uns schützen soll, zwingt sie nicht in die Knie. Es geht um die (klimaneutrale?) Klimaanlage, die die hiesige S-Bahn zu einem Eispalast macht, den niemand verlassen würde, wenn er nicht müsste. Aufgrund der polaren Kälte, die dort stets herrscht, hätte ich keine Bedenken, der Bahn zu bescheinigen, dass die Kühlung ihrer Wagen zu 130 Prozent klappt. Leider muss sie sich aber mit 100 Prozent zufrieden geben. (Angesichts tiefster Temperaturen in den Wagons ist es mir ein Rätsel, wie die Bahn während der heißen Tage ihren Fahrgästen anbieten kann, ihre Fahrt auf später verschieben zu dürfen.) Bei der Bahn wäre man vermutlich schon zufrieden, wenn andere Geräte ähnlich sicher funktionieren würden (bspw. die Tür, die sich schon mal weigern kann, einen rauszulassen.) Bzgl. der Pünktlichkeit ist man sicherlich noch ein Stück weiter von den 100 Prozent entfernt (die Türen sind da bestimmt noch ein Tick besser). Aber immerhin fahren die S-Bahnen weitaus zuverlässiger als die IC, von denen gerade mal 70 Prozent pünktlich ankommen sollen (dabei muss die S-Bahn immer dem Fernverkehr weichen). Doch bald soll alles besser werden. In ein paar Jahren will die Bahn in jedem Jahr 100 € pro Kopf in die Infrastruktur stecken. Das ist weniger als ein Viertel dessen, das der Schweizer bereit ist, für den Schienenverkehr zu zahlen. Daraus zu schlussfolgern, der Schweizer müsse das vierfache zahlen, weil das Land im Schnitt um das vierfache höher liegt, wäre ein wenig zu früh. Vermutlich liegt es eher an der „Geiz-ist-geil“-Mentalität, denn schließlich hat man 20 Jahre auf Teufel komm heraus gespart. Diese Einstellung lässt sich nicht so schnell abändern. Dank des exzessiven Sparens wird es vermutlich nun richtig teuer – während die Schweizer in Zeiten, in denen die Unternehmen für jeden Auftrag dankbar waren, investiert haben, legt die Bahn los, wenn alle anfangen, zu bauen (Sanierung Straßen, Brücken, Wohnungsbau, womöglich investiert die Industrie jetzt auch noch verstärkt). Schon jetzt hat die DB Probleme mit dem Bautempo. Während die Chinesen für einen neuen Bahnhof einen Monat brauchen, benötigt die Bahn mehrere Jahre für einen Umbau. Mit Sicherheit wird das nicht besser werden. Für den Fall, dass alles schief laufen sollte, bleibt der Bahn noch, ihre klimatisierten Züge in Büros, die man über Bahnsteige, die nicht mehr genutzt werden, erreichen kann, umzuwandeln. Ich bin mir sicher, dass viele das Angebot nutzen werden.

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