Detektiv gesucht (für Interpol)

Wenn ein Russe Interpol führen soll, ist es an der Zeit, dass uns ein Krimiautor mit einem Detektiv, der für diese Behörde arbeitet, beglückt, womit bestenfalls gleich mit einem Male zwei weiße Flecken der Kriminalliteratur verschwinden würden – endlich gibt es einen Detektiv, der bei Interpol ist und zudem noch, was im ersten Augenblick höchst weltfremd erscheint, jedoch angesichts der herrschenden Meinung, in Russland würden die Nachfolger des KGBs darüber entscheiden, wer bestraft wird, logischer gar nicht sein kann, aus Russland kommt. Jenen, die einigermaßen informiert sind, brauche ich nicht mitzuteilen, was wahrscheinlicher ist – natürlich ein russischer Detektiv, der im Film oder Kriminalroman für Interpol arbeitet. Wegen angeblich zu vieler unbegründeter Gesuche, Russen, die sich im Ausland aufhalten, festzunehmen (in aller erster Linie geht es um Browder, einen Hedgefondbetreiber, dem Steuerhinterziehung vorgeworfen), wird der russischer Kandidat mit der Begründung abgelehnt, er würde die Arbeit Interpols diskreditieren. Dass Chodorkowski im Guardian den Russen mit Heydrich, der während des Krieges Chef der Organisation war, auf eine Stufe stellt, geht dann aber doch entschieden zu weit, zumal wenn der ehemalige Chef, der in seinem Heimatland festgenommen wurde, aus einem Land kommt, dass ein ganzes Volk in Umerziehungslager – ein Relikt aus den Zeiten Maos – steckt. Da liegt es auf der Hand, dass die Chinesen, die mit Uiguren machen können, was sie wollen, auch einen Detektiv brauchen, der in ihrem Land mal richtig aufräumt (Es gibt berühmten chinesischen Aufklärer, der leider aber auf Hawaii geboren wurde.) Hätten die Deutschen nicht Schimanski, gehörten sie auch zu den Ländern, die keine Detektiv-Tradition aufzuweisen haben. So wie die Saudis, die ein ganz neues Kapitel in der Kriminalistik aufgeschlagen haben – erstmals ist der Auftraggeber eines Mordes und der Detektiv, der den Fall aufklären soll, ein und dieselbe Person. (Nichts spräche gegen diese Konstellation, wenn der Detektiv des zweigeteilten Ichs dieser Person zum Entschluss kommen würde, sich selbst zum Tode zu verurteilen. Das scheint aber nicht der Fall zu sein.) Das es Spaß machen muss, Detektiv zu sein, erfahre ich immer dann, wenn ich auf der Suche nach einem Thema für die Kolumne bin. Diese Woche bin ich durch meine Recherche zum Ergebnis gekommen, dass sich der Brexit (bzw. dessen Folgen) leichter als die Klimaerwärmung verhindern lässt – während vorige Woche im Barentsobserver zu lesen war, dass der Frühling im hohen Norden Einzug gehalten hat, ist heute zu erfahren, dass Lappland in diesem Winter ein neuen Charterflugrekord aufstellen wird (man rechnet mit 667 Flugzeugen). Bei einem so großen Zuspruch kann der Blog den Betreibern der Eishotels nur stete 20 Grad minus wünschen. Angesichts des vielen Kerosins, das über Lappland in den nächsten Wochen verbrannt wird, sind diese Temperaturen keine Selbstverständlichkeit mehr. Da passt es ins Bild, dass der Mann, der dafür sorgen soll, dass u. a. auch weniger Flugzeug fliegen, wegen notorischer Vielfliegerei zurücktreten muss.

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