Der Brexit-Dienstag bleibt (es war aber knapp)

Lange sah es danach aus, als ob ich mich vom Bexit-Dienstag, dem unterhaltsamstem Tag der Woche, verabschieden müsste – die Tories lehnten alles, was danach roch, die Mitgliedschaft in der EU zu verlängern, gnadenlos ab, bis am Schluss zwei Anträge durchkamen, die das Parlaments-Spektakel nicht nur am Leben erhalten, sondern die Tories als total unfähig, mit Brüssel einen Kompromiss zu erzielen, entlarven, denn ausgerechnet den Wegfall des Backstops, den die Europäer als unantastbar ansehen, haben sie zur Bedingung für die Zustimmung des Ausstiegsvertrags gemacht. Dümmer geht es nun wirklich nicht. Um diesen und den Beschluss, unter keinen Umständen ohne Vertrag aus der EU auszuscheiden, umzusetzen, muss May nun das tun, was ihre verrückte Partei ablehnte, als sie Coopers Antrag, Artikel 50, der besagt, länger in der EU zu bleiben, kurz vorher niederstimmte – ihr bleibt nichts anderes übrig, als zu verlängern. Der Brexit-Dienstag bleibt, so scheint es, mir also erhalten. Und mit ihm der Herr, der ständig „Ooorder“ ruft und nicht müde wird, an seine Kollegen zu appellieren, Redner und Fragesteller doch aussprechen zu lassen. Ein Schelm, wer denkt, dass er, wie jeder Lehrer auch, längst in der Psychiatrie sein müsste, wenn er sich über deren Disziplin- und Respektlosigkeit maßlos ärgern würde. Das gehört einfach zur Schau, ist Teil des Zirkus, der es versteht, gut zu unterhalten, was auch an den vielen Ritualen, auf deren Einhaltung die Briten großen Wert zu legen scheinen, liegt. Dem Gehabe nach zu urteilen haben sie vieles von Nelsons stolzer Navy abgekupfert. Das Vorlesen der Ergebnisse, die Weitergabe dieser an den Speaker (Herr „Ooorder“), da Yeah-Rufe – das ist alles aus dem Seemännischen übernommen worden. Vermutlich hat sich damals niemand vorstellen können, dass je Leute im Parlament sitzen könnten, die seeuntüchtig sind – Hafenkapitäne, die im sicheren Hafen Unterhaus bestens zurechtkommen, jedoch in der Themse-Mündung schon in Seenot geraten. Schon deswegen bleibt mir mein Brexit-Dienstag erhalten. Und ehrlich gesagt macht es mir Spaß, nun zu verfolgen, wie sich Mays Tories weiter verrennen.

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