Der Aufstand der Jugendlichen

Ist das der Beginn des Aufstands der Jugendlichen? Nach Maßstäben, die ein bayerischer Kabarettist gesetzt hat, der einem Nachbarsjungen androhte, ihn zu verdreschen, wenn er sich nicht endlich an seinem Fahrrad vergreife, wie bspw. die Luft herunterzulassen oder es auf einen Baum zu hängen (alles Späße, die in seiner Jugend üblich waren), ist Skepsis angebracht – freitags immer ein oder zwei Unterrichtsstunden sausen zu lassen, um auf dem Marktplatz für das Klima zu kämpfen, zeigt, wie erwachsen die heutigen Jugendlichen schon sind. Wo bleibt deren Spontanität? Und wenn ich noch lese, dass sie hauptsächlich gegen die Braunkohleverstromung sind (jedenfalls in Halle), werde ich den Verdacht nicht los, ihre ums Klima besorgten Mütter könnten sie in ihren riesigen Chelsea-Traktoren zur Demo gefahren haben. Als ich heute versucht habe, herauszufinden, wie die gestrige Aktion gelaufen ist, wurde mir klar, dass sich in den Ferien die jüngsten Umweltaktivisten auch vom vielen Demonstrieren erholt haben. Bevor sie nächste Woche wieder ans Werk gehen, sollten sie sich überlegen, ob sie schon alle Mittel ausgeschöpft haben, ihre Eltern zu besseren Menschen zu machen. Da sie schon aus dem Alter, in dem Aktionen wie die oben aufgeführten toleriert bzw. milde bestraft werden, heraus sind, stehen sie vor einer Herkulesaufgabe – ihnen bleibt nur, ihre Eltern mit Argumenten und rhetorischen Kniffen auf den Pfad der Erleuchtung zu führen. Vielleicht strafen sie mich Lügen – vielleicht sind die Jugendlichen, die die Dinge nüchtern sehen und dementsprechend ihren Protest ausrichten, die neuen 68ger, die für einen radikalen Wechsel in der Umweltpolitik sorgen. Aber zurück zu unseren bayerischen Kabarettisten, dessen Auftritt einige Zeit her ist. Vermutlich würde er von seinem Nachbarsjungen heute ganz andere Dinge fordern. Sachen, die dem Klima helfen. Aber wie sieht kindgerechter Widerstand gegen die globale Erwärmung aus? Ein Bayer würde auf eine Ludwig-Thoma-Geschichte verweisen. Viele der darin vorkommenden Streiche sind heute zwar nur noch schwer möglich, jedoch geben dessen Bücher und deren Verfilmungen den Kindern eine Vorstellung, in welchem Rahmen ihr Schabernack sich halten sollte. Die Amerikaner, denen es immer wieder gelingt, neue Facetten des Kinderprotests zu erfinden, sind auch eine gute Hilfe, zu lernen, wie man protestiert. (Auf einen Kevin, der in seiner Nachbarschaft Umweltsünder drangsaliert, müssen wir wohl noch einige Zeit warten.)

PS: Wer bewahrt die Kinder im Kusbass davor, im schwarzen Schnee spielen zu müssen? Die Bilder sind besorgniserregend. Das schreit nach Ablösung des dort zuständigen Oligarchen. Spaß beiseite – es sieht ganz danach aus, als ob Russland neben der Armut (19 Millionen) (weiterhin) auch Umweltprobleme hätte.

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