Das 9-Euro-Ticket – bald keine „Greifer“ mehr?

Das 9-Euro-Ticket kommt, und die einzige Frage, die sich der Blog stellt, ist, ob die hiesige städtische Verkehrsgesellschaft auch im Juni, wenn wir alle fast kostenlos in einem Tempo, das der Umwelt am wenigsten schadet, übers Land reisen dürfen, ihre Greifer, deren Eifer vermuten lässt, dass sich ihr Lohn nach der Anzahl jener richtet, die sie des Schwarzfahrens überführen, auf ihre Fahrgäste loslässt. Aus Sorge, dass die Kontrolleure in den kommenden drei Monate nicht über die Runden kommen könnte, wäre es keine schlechte Idee, das 9-Euro-Ticket nicht zu kaufen. Schwarzfahren aus Nächstenliebe. Vermutlich müssten die sogar raus, wenn die Monatskarte nur einen Euro kosten würde. Gerne lässt sich der Blog überraschen. Vielleicht erlebt er ja ein Wunder wie bei Trenitalia, als er mangels Wechselgeld des Schaffners – er hatte nur 5-Euroschein – für die Fahrt von Taormina nach Catania nichts zu zahlen brauchte. 4,70 € für mehr als 50 km. Wäre der Nahverkehr hierzulande genauso günstig wie in Italien, hätten wir auf das 9-Euro-Ticket verzichten müssen. Aber nun ist es da, und den einzigen Vorwurf, den der Blog der Politik machen kann, ist, dass wegen des Zeitraums, der gewählt worden ist, sich nichts an der Verkehrspolitik ändern wird – selbst wenn es gang und gäbe werden sollte, in den Urlaubsgebieten eine Nacht im Bahnhof verbringen zu müssen, weil man in den letzten Zug nicht mehr hineingepasst hat, werden unsere Politiker nicht davon abrücken, viel Geld in teure Prestigeprojekte wie Stuttgart 21 zu stecken. Es braucht nicht viel Phantasie, sich vorzustellen, wie im Herbst argumentiert wird – wegen der Einmaligkeit und der Jahreszeit (wer reist schon im Winter an die Ostsee) sei es falsch, nun in die Breite zu investieren. Am Vorschlag der „Die Linke“, das Ticket bis zum Jahresende zu verlängern, würde nicht nur den Menschen helfen, sondern den Verkehrspolitikern ermöglichen, herauszufinden, wo Investitionen Sinn machen. Das scheint nicht gewollt zu sein. Die Ampel verkauft ihr 9-Euro-Ticket als „Einmalprojekt“, das es nur wegen Putin, dem wir ja die hohen Energiekosten verdanken, gibt. Das zeigt, wie wenig ambitioniert diese Regierung ist, denn das Ticket wird nicht eingeführt, um aufgrund der Erkenntnisse, die man gewinnt, die Infrastrukturpolitik zu verändern. Der Ehrgeiz der Grünen scheint sich darauf zu beschränken, Russland so hart wie nur möglich bestrafen zu wollen sowie russisches Erdgas schnellstmöglich durch Fracking-Gas zu ersetzen.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

1 Antwort zu Das 9-Euro-Ticket – bald keine „Greifer“ mehr?

  1. Pingback: Fahrspaß, Duschtouristen und die FDP - Franz, der BloggerFranz, der Blogger

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.