Fahrspaß, Duschtouristen und die FDP

Wenn hierzulande der Fahrspaß aufhört, fängt er anderswo erst so richtig an, doch auch wenn die FDP, deren Klientel wegen der Hochzeit ihre Parteivorsitzenden den Eindruck vermittelt, sie könne nur auf Sylt Urlaub machen, da ihr der Rest der Welt fremd zu sein scheint, sich noch dagegen wie ein Kind, das partout keinen Spinat essen will, sträubt, ist der Blog guter Hoffnung, dass in diesen Gefilden der gemeine Bürger auch im September verbilligt Bahn und Bus nutzen darf – in Spanien kann man ab dem 01.09. vier Monate lang bis zu 300 km (am Tag?) umsonst mit der Bahn fahren. In der Annahme, dass Zaragoza in der Mitte liegt sowie die Schaffner in Spanien genauso kulant wie ihre Kollegen in Italien sind, lässt sich die Strecke Madrid-Barcelona in zwei Tagen zurücklegen. Vielleicht braucht man in Zaragoza auch nur auf den nächsten Zug zu warten (die fahren auf der Schnellstrecke bestimmt stündlich), um weiterfahren zu können. Porschefahrer würden das natürlich nicht als Fahrspaß bezeichnen – das Einzige, was sie stoppen kann, ist die Verladerampe in Niebüll, von wo es mit der Bahn nach Sylt geht. Ohne dem 9 € Ticket hätten viele noch angenommen, man müsse in einem schnellen Auto unterwegs sein muss, um erleben zu können, dass das Fahren Spaß machen kann. Das ist nun anders, was die FDP nicht einsehen will – wenn alles teurer wird, wollen die Menschen wenigstens billig, ja eigentlich fast umsonst, unterwegs sein. In besseren Zeiten, bspw. als die Liberalen noch fürchteten, dass anstrengungsloser Wohlstand zu spätrömischer Dekadenz einlade, hätte es genügt, der FDP den Wink zu geben, dass die „Mövenpicks“ von Fahrkarten, die fast nichts kosten, profitieren würden. Ob die das heute noch genauso sehen, darf bezweifelt werden. Dem einen oder anderen „Mövenpick“ dürfte schwanen, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis seine Gäste ihn in den Bankrott geduscht haben werden. Der „Duschtourist“ bzw. der „Duschtourismus“ – ein Albtraum für jeden Hotelier und Vermieter von Ferienwohnungen, wobei letztere noch hoffen können, dass angesichts der hohen Energiepreise die Eltern ihre Kinder bereits dazu angehalten haben, zusammen mit dem Hund zu duschen. Usedom im Winter nur für Tagestouristen, die mit drei Thermoskannen anreisen, weil auf der Insel alles zu ist? Da bleibt wohl nur, nach Spanien zu fahren. Es würde helfen, wenn auch Macron auf die Idee käme, seine Landsleute sowie alle EG-Europäer über den Winter kostenlos fahren zu lassen. Ein Fahrspaß pur, selbst wenn man für die Strecke bis zur Grenze zahlen müsste. Der Blog würde auch versprechen, nicht als „Duschtourist“ (nur 1 Minute – versprochen), sondern Bildungsreisender, der sich mit der viel gelobten spanischen Architektur vertraut machen möchte, zu kommen.

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