Corbyn – freut er sich wiklich auf May?

Armer Corbyn, aber wer nicht führen will, der muss sich eben vorführen lassen – statt entschlossen von den Abgeordneten zu fordern, für die Entwürfe, die einen weicheren Brexit oder gar ein Referendum vorsehen, zu stimmen, hat der Labour Chef den Abgeordneten ziemlich freie Hand gelassen, wofür ihn May mit ihrer Einladung, gemeinsam mit ihm nach Wegen zu suchen, wie man aus dem Dilemma herauskommt, postwendend bestraft hat. Eine geschlagene Premierministerin trifft einen geschlagenen Oppositionsführer. Der einzige Unterschied zwischen den beiden besteht nur in der Anzahl der verlorenen Abstimmungen – May verlor 3, Corbyn nur zwei. Nun soll er mit ihr einen Kompromiss finden, der selbst wenn dieser einem der Vorschläge, über die gestern abgestimmt wurde, entsprechen würde, bei weitem für Labour nicht den Prestigeschub, den ein eigener Erfolg nach sich gezogen hätte, brächte. Da angesichts der störrischen Haltung Mays wirklich Zugeständnisse ihrerseits so gut wie ausgeschlossen sind, läuft alles darauf hinaus, dass Corbyn zu etwas genötigt wird, was seiner Partei lange Zeit schaden könnte. Mitgegangen, mitgefangen. Gestern nach den Niederlagen hat Corbyn noch gesagt, wenn May drei Abstimmungen haben durfte, können seine Partei es auch noch einmal versuchen, Vermutlich hätte man es auch geschafft, den Antrag so zu formulieren, dass Bercow diesen wie einen neuen hätte einstufen müssen. Vermutlich hätte Labour diesen dann sogar gewonnen. Nun muss Corbyn verhandeln. Und es sieht ganz danach aus, als ob er Hoffnung hat, etwas Vernünftiges erreichen zu können. Das versteht wohl niemand.

Wie lange bleibt Europa noch im Auge des Hurrikans? Während ringsherum es aus den unterschiedlichsten Gründen heftigst stürmt, bleibt es hierzulande friedlich. Die erschreckendste Meldung kommt diesmal von Colonel Cassad – wer hätte es in den 90ern für möglich gehalten, dass gleich zu Beginn des neuen Jahrhunderts ein neuer Superlative aufgestellt wird. Nie hat es mehr Opfer von Selbstmordattentätern als jetzt gegeben. Fast in jedem Jahr wurde der alte Rekord aus dem Jahr 1944, als die Japaner den Kamikaze-Krieg ausriefen, überboten. Wenn ich es nicht anders wüsste, würde ich glaube, ISIS muss sich in den letzten Jahren vollständig in die Luft gesprengt haben. Dem ist natürlich nicht so. Die Meldungen von der Klimafront werden anderswo auch immer bedrohlicher (Kanada wärmt sich zweimal so schnell wie der Durchschnitt auf). Auf Hiobsbotschaften aus hiesigen Gefilden müssen wir uns wohl noch bis zum Sommer, wenn die Dürre wiederkommt, gedulden. Es gibt aber auch gute Nachrichten – ein Komiker könnte es schaffen, Präsident der Ukraine zu werden. Da früher am Hofe der Narr als der schlauesten unter den Gefolgsleuten galt, muss es nicht unbedingt schlecht sein, wenn ein Comedian, der für einen Oligarchen, der nicht ganz unumstritten ist, arbeitet, die Macht übernimmt. Der Narr weiß, dass man mit Schmeichelei viel erreichen kann. Manchmal klappt es trotz größter Anstrengungen nicht, das Erwünschte zu erreichen, was Trumps Elogen auf Kim zeigen. Vermutlich lag es daran, dass alle glaubten, er würde es Ernst meinen. Ein guter Narr lässt aber seinen König spüren, dass er sich über ihn lustig macht. Wenn auch nur ein wenig.

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