„Terror“ – ein Prozess im Vakuum

Nun weiß es die halbe Welt – Deutschland ist ein Paradies für alle jene, die beabsichtigen, sich einer Passagiermaschine zu bemächtigen, um diese samt der Passagiere auf ein Ziel, von dem der/die Entführer glauben, dessen Zerstörung würde dem Land großen Schaden zufügen, zu lenken. Im Film „Terror“, der gestern lief, hat sich der Regisseur ein vollbesetztes Fußballstadion, nämlich das der Bayern, ausgeguckt. Wer glaubt, das wäre nicht zu toppen, irrt – eine chemische Anlage, wo bei einer Explosion giftige Gase in die Umwelt gelangen würde, ist unter Umständen die viel bessere Wahl. Und erst ein Kernkraftwerk, selbst wenn es lange vom Netz gegangen ist. Wer die spätestens nach der Abstimmung, bei der mehr als 80 % der Anrufer dafür plädierten, einen Piloten, der ein Flugzeug, das sich dem Stadion näherte, abschoss, verlogene Diskussion bei Plasberg geistig halbwegs intakt überstanden hat, wird zum Ergebnis gekommen sein, dass es Leute wie den Flugzeugführer bedarf, um die Demokratie halbwegs am Leben zu erhalten. Glaubt wirklich jemand, eine Regierung, die sich an das Grundgesetz hält, bleibt im Amt, wenn ein Flugzeug auf einen Kernreaktor stürzt? In einem solchen Fall ist jeder verantwortlicher Politik froh, wenn der Pilot das Heft des Handelns übernimmt und den Jet abschießt. So weit geht von Schirachs Plot jedoch nicht. Es beschränkt sich auf die Gerichtsverhandlung, in der sich Juristen darüber streiten, ob man das Leben von Menschen opfern darf, um andere zu retten. Ein recht abstrakter und sehr informative Prozess ist das gewesen. Ich bin mir nur nicht sicher, ob in der Realität, die nie eintreten darf, alles so gesittet wie im Film ablaufen würde, ja ich bezweifele, ob die Justiz überhaupt in der Lage wäre, den Prozess durchzuführen. In einer gewissen Hinsicht ist der Film also wirklichkeitsfremd (und das nicht ausschließlich wegen der hohen Zahl derer, die den Piloten nicht im Gefängnis sehen wollte), der sich spätestens mit dem Ergebnis der Abstimmung überholt hat, was nicht heißt, dass es sich nun nicht mehr lohnt, ihn zu sehen. Mir persönlich wäre ein Film a la „Zeugin der Anklage“ lieber gewesen (Sie merken, dass sich mein Wissen über Gerichtsfilme in Grenzen hält). Aber wenn man schon wegen eines Gerichtsbeschlusses von höchster Stelle wenig tun kann, muss man nicht unbedingt darüber diskutieren, und das noch zur besten Sendezeit. Angesichts der Rechtslage lädt Deutschland die Terroristen regelrecht ein, sich hiesige Ziele auszusuchen. Und wenn Spiegelonline titelt „Die Allianz bombt, der Isis entkommt“, kann es nicht mehr lange dauern, bis die meisten Passagiere die Maschinen mit dem Gefühl besteigen, es müsse ein Attentäter an Bord sein. Die Aussicht, von jemanden, der auf eigene Faust handelt, abgeschossen zu werden, macht die Stimmung auch nicht besser. Dabei kann ich mir vorstellen, dass in einer Situation, die keinen Zweifel mehr über einen Absturz zulässt, sich bei einem Treffer die Chance der Passagiere, zu überleben, erhöhen könnte. Das müssten die Piloten aber trainieren, was sie im Augenblick aber nicht dürfen.

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