Auch die Mama kann sich mal irren,

was Mutti natürlich nicht passiert, der Mama Bavaria aber schon, denn in ihrer Zeit auf dem Nockerberg ist sie mit dem Söder so hart ins Gericht gegangen, dass unvermeidlich der Eindruck entstehen musste, der Markus kann nur das Schwarze Schaf der CSU, ja ganz Bayerns sein. Die Mama hat ihn für einen begnadeten Intriganten gehalten, der an jedem Hof, egal in welchem Jahrhundert, eine große Karriere hingelegt hätte. Vermutlich würden viele die Einschätzung der Mama, der Markus sei einer, dem jedes Mittel recht ist, nach oben zu kommen (ein bayerischer Machiavelli), noch teilen, wenn dem Land nicht etwas widerfahren wäre, bei dessen Bewältigung er sich hervortun kann, was seinen beiden Kanzlerkandidaten-Vorgängern verwehrt geblieben ist – als Strauß 1980 gegen Schmidt antrat, war er als notorischer, skandalumwitterter Rechter verschrien. Die Reise in die DDR hätte er vor der Wahl machen müssen, um eine Chance zu haben. An Gorbatschow, dessen Politik er unterstütze, was ihm den Ruf eines Ost-Versteher einbrachte, war zu der Zeit noch nicht zu denken. Und Stoiber hatte das Pech, dass Schröder sich in den vom Hochwasser betroffenen Gebieten hat publikumswirksam sehen lassen, während er in Bayern blieb. Das wird Söder nicht passieren. Irgendwie schafft er es immer, bei den Corona-Pressekonferenzen, die immer nach den Treffen der Ministerpräsidenten im Bundeskanzleramt stattfinden, neben Merkel zu sitzen. Und nicht nur das. Er doziert sogar länger als die Kanzlerin. Anschließend ist es richtig wohltuend, dem Hamburger Bürgermeister zuzuhören – hanseatisch kurz gibt er seine Eindrücke wieder. Dabei spricht er so, wie der Blog schreibt. Aber mit Schachtelsätzen kann man heute keinen Wahlkampf mehr gewinnen. Vermutlich darf er immer neben Merkel sitzen, weil sein Land am stärksten von der Epidemie betroffen ist (aber wozu wählt man dann einen Bundesratsvorsitzenden, der im Augenblick Woidke heißt und Brandenburg regiert)? Geschenkt, da Woidke eh niemand sehen will. Aber es ist nicht so, dass der Söder sich aufdrängt. Das war früher vielleicht mal der Fall. Heute wollen ihn die Leute sehen und vor allem hören. Er scheint die Sprache der Menschen draußen im Lande zu sprechen. So wie Kohl, dem das Land diese Formulierung verdankt. Wie Kohl weiß er, wann er nachzugeben hat. Und er wird es auch schaffen, im Falle eines Rückfalls oder einer zweiten Welle, die aufgrund der Lockerungen schlimmer als erwartet ausfällt, noch ganz oben zu stehen. Schließlich kann er damit argumentieren, hätte man auf ihn im Mai gehört, wären alles wesentlich glimpflicher verlaufen. Söders Chancen, der erste CSUer im Bundeskanzleramt zu werden, stehen nicht schlecht. Einer, dem man es am wenigsten zugetraut hätte. Mama Bavaria schon gar nicht. Die hing am ihrem Horsti, der auch bald Geschichte sein wird. Oder glaubt jemand, dass Seehofer Minister in einem Kabinett Söder sein wird?

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