Amerika wählt – Merkel christianisiert

Sind 26,22 $, die Summe, die Obama und Romney pro Person im Wahlkampf unter der Annahme ausgeben, dass die 18 bis 20-Jährigen nicht zur Wahl gehen (den Bevölkerungsanteil der Minderjährigen konnte ich nicht finden), genug? Wären Sie zufrieden, wenn Sie am Ende der hiesigen Auseinandersetzung – im nächsten Jahr steht ja wieder eine an – lesen würden, ein Wahlberechtigter sei den Parteien 20,43 € wert gewesen?

Viel ist das nicht. Als Großstädter habe ich wenigstens noch die Chance, die Spitzenkandidaten live zu sehen, und da ein Bewerber nicht an dem Ort (neudeutsch Location), den sein Konkurrent drei Tage vorher nutzte, auftreten kann – der Widersacher könnte zur gleichen Zeit in der Stadt, in der er vor drei Tagen sprach, einen Auftritt haben, was äußerst fatal wäre, denn niemand würde mehr den Veranstaltungsort einzig und allein mit ihm in Verbindung bringen (an das das Gesagte können sich die meisten eh nicht mehr erinnern) –, bietet sich mir zudem noch die Möglichkeit, nebenbei immer wieder nach Verborgenem (bspw. Verzierungen und Stuckarbeiten) zu suchen. Stammzuhörern, das sind jene, die keine Veranstaltung verpassen, bleibt, zu überprüfen, ob sich etwas verändert hat, was auch Spaß machen kann. Sie alle profitieren von der Regel, die besagt, nie dort zu sprechen, wo jemand schon einmal redete bzw. das noch tun wird.

Jene, die auf dem Land wohnen und das Pech haben, sich für Politik zu interessieren, sind arm dran – ihnen bliebt nur, sich die Diskussionsrunden im Fernsehen anzuschauen. Sicherlich werden die Bundestagskandidaten im Dorf vorbeischauen, worüber sich der örtliche Kneipier am meisten freuen wird. Und sie müssen darauf hoffen, dass in den Flyern etwas Vernünftiges steht (kaum der Fall). Ganz übel trifft es Menschen, die in einem Weiler hausen – die hoffen, es möge niemand vorbeikommen, denn dann bliebe ihnen womöglich nichts anderes übrig, als den Kandidaten mit ins Haus zu nehmen. Bewerbern, die Einsiedler besuchen, kann ich daher nur empfehlen, bei schönem Wetter vorbeizuschauen.

In Amerika muss alles anders sein – warum sonst hetzten am Wochenende die beiden Kandidaten von einer Stadt zur anderen, wenn von deren Wahlkampfkundgebungen nicht live im Fernsehen berichtet worden wäre? Romny trat überraschend in Pennsylvania auf. Daraufhin schickten die Demokraten Clinton ins Land. Alles der Glotze wegen. In Deutschland wird, so weit ich informiert bin, kaum live berichtet. Nur Phoenix sendet, wobei ich mich nur an die Abschlussveranstaltungen der Parteien, die immer freitags stattfinden, erinnern kann. Wer gewinnt die Wahl? Ich glaube, Obama wird das Rennen machen, dank „Sandy“, dessen verheerender Kraft selbst Republikaner, allen voran Bloomberg, New Yorks Oberbürgermeister, veranlasste, zu erklären, er werde den amtierenden Präsident wegen dessen Klimapolitik wählen. Der OB ist wegen seines mangelnden Mitgefühls mit den Sturmopfern sowie der schleppenden Hilfsmaßnahmen (Staten Island) schwer in die Kritik geraten. Obama hat Glück, das heute gewählt wird – noch macht niemand ihn für die ausbleibende Unterstützung verantwortlich. In drei oder vier Tagen könnte die Situation schon ganz anders aussehen. Aber dann ist er vermutlich weitere 4 Jahre im Amt.

Tritt Merkel in die Fußstapfen Bismarcks? Der mochte Katholen, speziell die papsttreuen, überhaupt nicht. Sie waren ihm suspekt, weil sie nicht auf den Staat, sondern den Papst hörten (sie sind eben Kosmopoliten). Der Eiserne Kanzler machte sie zu Reichsfeinden. Ganz so weit ist Merkel noch nicht. Gestern hat sie Evangelen und Katholiken aufgefordert, gemeinsam den Thesenanschlag zu feiern. Weiß sie nicht, dass die meisten Katholiken beabsichtigen, die Luther-Festivitäten, die immerhin fünf Jahre dauern, aus der Ferne unter der Devise „Hat’s den Papst gestört, dass Luther kam?“ (stammt von Harald Schmidt) zu verfolgen? Und was soll ihre Bemerkung, die christliche Glaubensgemeinschaft werde weltweit am stärksten verfolgt? Wenn sie wenigstens noch hinzugefügt hätte, dass Christen, die jenen, die zu leiden haben, fremd sind, dafür maßgeblich verantwortlich sind – Stichwort Irak, wo Christen seit dem Sturz Saddams keine Zukunft mehr haben. In Syrien wird es bald genauso sein. Statt den Christen zu helfen, hofieren die Christen lieber die Saudis, die Leute, die Jagd auf Christen machen, unterstützen.

PS: Der Blog sieht seine Auffassung, dass eine evangelische Reconquista gestartet werden soll, durch Merkels Bemerkung, das Jahr der Reformation habe auch eine missionarische Komponente, bestätigt.

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