„Alternativ“ – nichts ist mehr, wie es mal war

Oder hätten Sie gedacht, dass „alternativ“ vor einem Substantiv nicht unbedingt heißen muss, etwas völlig Neues vor sich zu haben, etwas, das sich vom Original meilenweit unterscheidet. In der Politik steht „alternativ“ für völlig gegensätzliche Weltbilder – so gibt es den Weltwirtschaftsgipfel und den Alternativgipfel. Auf ersterem verbringen unsere Politiker einmal im Jahr ein schönes Wochenende in einem der besten Hotels der Welt, während die Teilnehmer des anderen Treffens mit Zelten vorlieb nehmen müssen. Krasser können die Gegensätze kaum sein, was man über das Parlament, das sich bilden soll, wenn Boris es für einen Monat schließt, nicht sagen kann – alternativ mit den gleichen Leuten bzw. jenen, die verhindern wollen, dass das Königreich die EU ohne Abkommen verlässt. Nach einer Räterepublik, die einzige Form des Regierens, die das Land vor dem Untergang retten kann, hört sich das nicht an. (Die britische Variante wäre wohl eine mit Farage an der Spitze.) Ob Mister „Oorder“ dabei ist, weiß im Moment so recht niemand, ja es ist unklar, ob die Politiker überhaupt Sitzungen abhalten werden. Alternativ bedeutet wohl nicht, dass man getrennt von jenen, die bereit sind, sich Johnson zu beugen, tagen wird. Vielmehr soll das als Symbol verstanden werden, dass sich die Parlamentarier nicht damit zufrieden geben, als Stimmvieh missbraucht zu werden. Da man sich nicht auf Corbyn als Übergangspremier einigen konnte, führt man jetzt eine Art Partisanenkrieg gegen Boris – mit möglichst vielen Initiativen soll sein Plan, unter allen Umständen am 01.11. draußen zu sein, torpediert werden. Bspw. könnte auch er aufgefordert werden, Artikel 50 zu ziehen. Aber gewinnen Partisanen einen Krieg? Höchst selten kommt das vor. Selbst Tito hat die Rote Armee gebraucht, um an die Macht zu gelangen. Und dann ist die große Frage, ob die Bevölkerung nicht der ganzen Sache überdrüssig wird, schließlich repräsentiert Boris keine fremde Macht (noch muss man sagen, denn das könnte nach der Unterzeichnung eines Handelsabkommens mit Trump ganz anders aussehen). Er steht für Klarheit und ein Ziel, nach dessen Erreichen alles nur noch schlechter wird. Aber das ist für viele attraktiver als die Blockadehaltung der Opposition, die einfach nicht in der Lage ist, den Menschen eine Alternative aufzuzeigen. Remain muss sich für einen Gegenkandidaten, der Boris aus dem Amt drängt, entscheiden. Die Zeit spielt für Boris.

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