Krug – bessere Rollen hätten es schon sein können

Biermann überlebt sie alle – nach Thate ist mit Krug ein weiterer Star, der sich wegen dessen Ausbürgerung genötigt sah, die DDR zu verlassen, gestorben – höchste Zeit für das öffentlich-rechtliche Fernsehen, dessen Auftritt in Köln, der die Oberen veranlasste, ihn gar nicht mehr einreisen zu lassen, zu zeigen, denn selbst meine Generation hat Schwierigkeiten, zu begreifen, wie es möglich sein kann, dass ein Mann so hohe Wellen schlagen kann. Und manch einer wird sich fragen, warum trotz Emanzipation kaum Frauen den Schritt in den Westen gewagt haben (Nina Hagen zählt nicht). Wenn der Name Biermann in den Nachrufen fällt, deutet das darauf hin, dass sich das Leben des Verstorbenen fundamental ändern wird (neudeutsch nennt man das Bruch). Die Person reist aus der DDR aus. Dass sie drüben andere Rollen als in der DDR zu spielen pflegt, geht oft völlig unter. Meistens verkörperte die Person immer einen bestimmten Typ. Krug ist dafür das beste Beispiel – im Westen mimte er nur sich selbst, während er in der DDR verschiedene Charaktere verkörperte. Dass die Verfasser ausgerechnet „Spur der Steine“, ein Film, den kaum einer kennt, weil er zum einen nach 3 Tagen aus Kinos flog, zum anderen weil niemand Lust hatte, sich diesen nach der Wende, wo er zum ersten Mal unzensiert gezeigt werden konnte, anzusehen, als so wichtig erachten, dass sie andere Filme, die er in der DDR drehte, außer Acht lassen, ist schon sehr erstaunlich. Selbst für Autoren, die hier gelebt bzw. ihn bewusst erlebt haben, gibt es nur diesen Film. Dabei war er doch der Belmondo der DDR. Wenn ich mich recht entsinne, spielte er in mehreren Abenteuerfilme die Hauptrolle. Als Kind habe ich immer gerne „Stülpner, Karl“ gesehen (natürlich mit Perücke, wie Connery in Bond). Das lief immer sonntags. Ich fand das genauso gut wie die Serie mit einem Bären, der bei einer Familie, die sich in der Wildnis eine Existenz aufgebaut haben, lebte. (Da konnten die hiesigen Serien noch mit den Amis konkurrieren.) Nachdem er in den Westen ging, sah ihn der DDR-Bürger zwar öfters, jedoch immer in den gleichen Rollen. Nicht dass er mir ihn diesen nicht gefallen hätte. Ganz im Gegenteil, Stöver ist immer noch mein Lieblingskommissar. Mit der Vielfalt der Rollen war es aber vorbei, was ich sehr bedaure. Er hätte ein deutscher Mautthau werden können. Leider lag es nicht unbedingt an ihm, sondern am den Drehbuchautoren.

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