Nur die Täter sind interessant

Ansbach ist einfach zu viel, denn wenn ich mir nach dem Amoklauf in München sicher sein konnte, in einem ähnlichen Fall würde es nach meiner Ermordung in den Medien heißen, die Polizei habe einen hervorragenden Job gemacht, und die Menschen haben sich nicht unterkriegen lassen, mutig seien sie am darauffolgenden Tag wieder in ihre geliebte Straßenbahn eingestiegen (mit einer U-Bahn kann ich leider nicht dienen), wofür Merkel sich gleich zu Beginn ihrer obligatorischen Ansprache bei ihnen bedankt habe, fällt es mir angesichts der Kritik, die Seehofer an der Flüchtlingspolitik Merkels äußert, ziemlich schwer, dem Tod einigermaßen gutgelaunt entgegensehen zu können, ja will ich ihn nicht einmal mehr als Schicksal hinnehmen. Angesichts der Mängel, die der CSU-Chef anführt, scheint mir, es wäre das Beste, wenn der Staat jedem, der über 18 ist, eine Waffe spendiert, so dass er sich selbst schützen kann. Dann bräuchten die Politiker nicht mehr jene, die überlebt haben, ohne je in Gefahr gewesen zu sein, dafür zu loben, wie heroisch sie sich verhalten hätten – wer nun stirbt, ist einfach zu spät dran gewesen. Oder er hat nicht richtig gezielt. Gerade einmal drei hätten die Chance gehabt, sich gegen den Amokläufer wehren zu können, wenn sie dies gedurft hätten. Das weiß ich nur, weil ich den Guardian lese bzw. der Artikel gleich oben gestanden hat. Die hiesigen Medien werden auch über die Opfer berichtet haben. Aber wo sind deren Fotos? Ist es nicht bis jetzt üblich gewesen, diese zu veröffentlichen? Und sind nicht immer deren Familien zu Wort gekommen? Dafür haben sich die Journalisten ausgiebig mit dem Täter beschäftigt, jedoch ohne Erkenntnisgewinn hinsichtlich der Tat, jedoch mit wichtigen Tipps über das Darknet, die auch für jene, die es nicht nutzen wollen, recht interessant sind. Bspw. weiß ich nun, was ich davon zu halten habe, wenn jemand sich als Postler, der die Unterlagen meines Zugangs zu meiner Packstation, denn ich natürlich nie bestellt habe, abholen möchte, ausgibt.

Wider Erwarten klappt es doch noch – die Russen dürfen nach Rio, auch wenn mit einer stark geschrumpften Mannschaft, was angesichts der Zustände, die im Olympischen Dorf herrschen, kein Nachteil sein muss, da die übriggebliebenen Athleten nun bessere Chancen haben, ein intaktes Zimmer zu finden. Niemeyer hätte 5 Jahre älter werden müssen, um Brasilien dieses Fiasko zu ersparen. Fast 105 Jahre (nur um wenige Tag hat er die verfehlt) waren noch zu kurz. Die Architektur des Dorfes ist eine Katastrophe – langweiliger geht es wirklich nicht. Angesichts der öden Wohnsilos frage ich mich, warum die Spiele so teuer sind. Mir scheint, für Olympia zu bauen heißt, Geld zu drucken. Mal sehen, wie die Anlagen aussehen werden. Gespannt bin ich auf die Eröffnungsveranstaltung – in Sotschi haben sie ein Schiff durch die Arena bugsiert. Vielleicht stellen sie in Rio nach, wie Kinsky sein Boot über einen Berg im Amazonas gehoben hat.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.