Trainer bald so teuer wie Ronaldo?

Als Schalker traue ich mich nicht, mir vorzustellen, wo mein Verein jetzt stünde, wenn Tönnies und Co. für den Trainer, unter dem die rasante Misere begann, eine Ablöse von 5 Millionen € gezahlt hätten – vermutlich auf dem Platz, den sie jetzt einnehmen, jedoch immer noch mit dem Coach, der im vorletzten Sommer den Klub verhexte. Wer so klamm wie die Gelsenkirchener ist, der muss sich entscheiden, ob er, wenn es schlecht läuft, noch Hoffnung bei den Fans verbreiten möchte oder gleich in den Untergang marschieren will. Da keiner seiner Nachfolger es besser hinbekommen hat, haben wir jetzt wenigstens die Gewissheit, wer die Mannschaft eigentlich trainiert hat – die Zuschauer, die mit sicherer Hand die Mannschaft in der Liga gehalten hätten, wenn es ihnen gestattet worden wäre. Während Schalke zurück zu den Wurzeln muss, können sich die Bayern den Luxus erlauben, keinen Unterschied mehr zwischen einem Trainer und einem Spieler zu machen. Ihren neuen Übungsleiter Nagelsmann haben sie mit einer nicht unbeträchtlichen Ablösesumme, die zwar noch weit unter der, die für Weltstars gezahlt wird, liegt, im Gegensatz zu einem herkömmlichen Vertrag aber einen weitaus besseren Kündigungsschutz zur Folge hat, nach München gelotst. Nagelsmann ist praktisch erst einmal unkündbar. Ein Trainer als Beamter auf Zeit. So wie die Profis auch. Das muss nicht unbedingt schlecht sein. Ganz im Gegenteil. Er hat nun mehr Zeit, seine Pläne umzusetzen. Der große Nachteil an diesem Beamtendasein ist, dass bei mäßigen Leistungen seines Teams Medien und Fans dessen Ablöse ständig hinterfragen werden. Und da im Augenblick niemand so recht weiß, ob nach Corona ist vor Corona gilt, könnte es durchaus sein, dass die Oberen der Bayern ein Eigentor geschossen haben. Im Herbst werden wir sehen, ob der Ball tatsächlich im Tor gelandet ist. Die Ablehnung der Superleague zeigt, dass die Fans nicht alles mitmachen. Jetzt nicht zu denen zu gehören, die im Geld schwimmen, während viele sich abmühen, an die Zeit vor der Pandemie anzuknüpfen, könnte für Schalke ein Vorteil sein. Glück im Unglück nennt man das wohl. Aber vielleicht kommt es ganz anders und alles wird schlagartig so wie früher. Als hätten wir ein paar Monate in einer anderen Welt verbracht. Zu wünschen wäre es.

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