Statt Flugverbotszone offene Städte

So richtig weiß niemand, was der Kreml vorhat, aber wenn es das Ziel der russischen Armee ist, Kräfte des Gegners zu binden, dann könnte Taktik, mit Ausnahme vom Westen aus allen Himmelsrichtungen anzugreifen, sich doch noch als erfolgreich herausstellen – die Front im Osten fängt mangels Verstärkungen an, zu bröckeln. Bald könnte es dort den nächsten Kessel neben jenen um Mariupol geben. Oder gar mehrere. Da die Ukrainer im Glauben kämpfen, sie würden nicht mehr zurückkommen (anders ist deren Verhalten, bspw. die Brücken zu sprengen, nicht zu erklären), wird im Donbass noch lange gekämpft werden. Eine Flugverbotszone, die Selenskyi so vehement fordert, würde den Kampf verlängern bzw. den Frontverlauf einfrieren lassen. Da er weiß, dass die NATO ablehnt, dient das ständige Wiederholen der Forderung, den Luftraum für die Russen zu sperren, wohl in erster Linie dazu, am Mythos basteln, die Ukraine sei vom Westen verraten worden (eine „Dolchstoßlegende“ für die Nationalisten). Wenn es aus diesem Schlamassel keinen vernünftigen Ausweg gibt, dann kann man hier wieder damit haussieren gehen, nichts für die Ukraine getan zu haben. Melnyk weiß ja, wie das geht. Angesichts der Kehrtwendungen der hiesigen Politik kann nicht ausgeschlossen werden, dass man sich durchringt, eine Flugverbotszone per UN-Beschluss durchzusetzen. Das hätten sich die Russen dann aber selbst zuzuschreiben. Mariupol wird zeigen, ob sie in der Lage sind, eine Stadt einzunehmen, in die sich rechtsextreme Nationalisten (Asow) nur zum Zweck, beim Sterben die Stadt in Schutt und Asche liegen zu sehen, haben umzingeln lassen. Es reicht nicht, den Einwohnern anzubieten, die Stadt heute verlassen zu können. Wichtig ist, möglichst wenige Gebäude zu treffen. Statt die Russen zu beschuldigen, die Ukraine zerstören zu wollen, wären europäische Politiker gut beraten, sich für offene Städte einzusetzen. Angesichts der Lage wäre das genau die richtige Forderung, die Borrell hätte stellen müssen. Aber es scheint so, als ob man in Brüssel noch gar nicht mitbekommen hat, dass dort Krieg herrscht. Dort ist man noch auf der Suche nach neuen Sanktionsmöglichkeiten.

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1 Antwort zu Statt Flugverbotszone offene Städte

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