Putin will unbedingt in die Betrachtung („12 Years a Slave“)

Schlitzohriger und schlauer geht es nimmer – nur die Russen wissen nicht, dass die Soldaten, vermutlich Fallschirmjäger, die zur Zeit auf der Krim patrouillieren, Russen sind. Um ein für allemal zu klären, ob tatsächlich welche im Land sind, müsste die neue ukrainische Regierung Truppen auf die Insel verlegen. Ich vermute, die Russen wären dann schnell verschwunden. Gegen Panzer hätten sie keine Chance. Wer glaubt, mit diesen leichtbewaffneten Soldaten ließe sich ein Gebiet, das so groß wie Belgien ist, annektieren, der irrt. Sie sind nur gekommen, weil der Kreml glaubt, Kiew würde sich um die Sicherheit der ethnischen Russen nicht kümmern. Der Eindruck, dass der neuen Regierung der Erhalt der ukrainischen Sprache wichtiger als die Sicherheit ihrer Staatsbürger sein könnte, ist ja nicht von der Hand zu weisen. Dabei wäre es ihre Aufgabe, Russen und Tataren auseinanderzuhalten. Ein paar Stunden hatte Putin ihnen Zeit gegeben, Maßnahmen, die verhindern, dass beide Bevölkerungsgruppe nicht wieder aneinandergeraten, durchzuführen. Selbst die darauffolgende Besetzung des Regionalparlaments durch Bewaffnete hat niemanden in Kiew veranlasst, Personal zu schicken. Nun haben die Russen die Sache selbst in die Hand genommen. (Wer nun denkt, der Westen habe keine erstklassigen Politberater in die Ukraine geschickt hat, liegt falsch – die meisten Regierungen und Medien glauben, es würde sich um eine Annektion im herkömmlichen Sinne handeln. Das ist es aber nicht. Ich bin mir sicher, dass auch auf der Krim am 25. Mai gewählt wird.) Das ist ein Thriller, in dem es, so hoffe ich, keinen Toten geben wird. Bis jetzt ist ja alles gut gegangen.

Nicht ganz so spannend wie auf der Krim ist der Film „12 years a slave“, der als Hauptfavorit für den Oskar „Bester Film“ gilt. Das ist vom Regisseur McQueen beabsichtigt – indem er über eine längere Zeit Landschaften (unter anderem von den Everglades), sich nach Szenen, die ihn aufwühlen und mitnehmen, zeigt, erlaubt er dem Zuschauer, sich vom anstrengenden Thema – es geht um jemanden, der, weil er von Sklavenhändler in Washington gekidnappt wurde, 12 Jahre lang als Sklave auf einer Plantage arbeiten musste – zu erholen. Bei mir hat es nur bedingt gewirkt – in dieser Zeit schweifte ich mit meinen Gedanken öfter ab. So kam mir in den Sinn, dass Malicks Film „Der schmale Grat“ (1998) ähnlich strukturiert ist. Die Musik hat stellenweise auch gleich geklungen. Irgendwie fielen mir dann noch die berüchtigten preußischen Soldatenwerber des “Soldatenkönigs“ ein. Die rekrutierten ganze Landstriche leer. (Die Werber der Royal Navy gingen ebenfalls ziemlich brutal vor. Es war schwer, ihnen zu entgehen.) Vermutlich hat es am Sitzplatz gelegen, dass mich der Film nicht in seinen Bann gezogen hat. Zum erstenmal in meinem Leben saß ich in der zweiten Reihe. Gut, dass das Kino klein ist. Nichtsdestoweniger war es anfangs ungewohnt. Später hat McQueen in den „Übergängen“ Menschen, die Baumwolle pflücken, singen lassen. Das habe ich als wesentlich angenehmer als die Musik, die sonst zu hören war, empfunden. Nichtsdestoweniger würde ich es als nicht unfair und falsch empfinden, wenn der Film am Sonntag tatsächlich prämiert würde. Handwerklich ist der Film sehr gut gemacht. Unerklärlicher Weise muss ich mich an die üblen und zwielichtigen Gestalten, die zuhauf auftauchen, so gewöhnt haben, dass für mich Bad Pitt, der einen aufrichtigen und fortschrittlichen Zimmermann spielt, der eigentliche Sonderling ist. Vermutlich liegt es an dessen Art, zu sprechen. Ganz eigenartig.

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