Pokrovsk – eine Zäsur wie Stalingrad?

„Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste, was es gibt auf der Welt. Ein Freund bleibt immer Freund, und wenn die ganze Welt zusammenfällt“ – angesichts der unzähligen Politiker, die Trump vor den Kopf gestoßen hat, hat er heute gezeigt, dass er auch anders kann, was sehr überrascht, haben doch alle erwartet, dass er seinem Freund Orban heute verbieten würde, weiterhin von den Russen Öl zu beziehen. Danach sieht es nun nicht mehr aus. Zudem darf Orban mit seiner Antwort, Wunder können geschehen, auf die Nachfrage, ob er sagen wollte, dass die Ukraine den Krieg nicht nicht gewinnen könne, sich von der harschen Kritik Mearsheimers, der dem Westen vorwirft, die Realität völlig ignoriert zu haben, ausgenommen fühlen. Für ihn stellt Pokrovsk eine Zäsur dar – der Fall der Stadt ist das Stalingrad des Westens, der nicht wahrhaben wollte, dass sie verloren sei. Kamikazeaktionen wie das Einfliegen angeblicher Elitesoldaten sind als gerechtfertigt eingestuft worden. Ein Blick auf die Karte (hier die neueste) hätte genügt, um zu sehen, dass es sich um eine reine Propagandashow handelte. Mearsheimer trägt seine Argumente mit viel Verve vor. Mit einer Ausnahme liegt er richtig – die Russen waren schon 2022 auf der Höhe des Geschehens. Um möglichst viele Soldaten aus den Gebieten, die man behalten wollte, zu ziehen, blieb ihnen gar nichts anderes übrig, als so zu tun, als wolle man die ganze Ukraine erobern. Die schnelle Aufgabe zeigte, dass man gar nicht vorhatte, den Norden und Osten zu halten. Der Westen hat das als Schwäche betrachtet, geglaubt, Putin sei schwer angeschlagen. Selbst der brillant ausgeführte Rückzug aus Kherson wurde als Zeichen der Hilflosigkeit gewertet. Mearsheimer weiß natürlich, dass sich nach Pokrovsk nicht viel ändern wird. Wir leben in einer Zeit, in der die Einheitsmeinung, die besagt, dass Russland die Freiheit Europas bedrohen würde, zur wichtigsten Waffen des Westens geworden ist. Würde an dieser gekratzt werden, könnte sie schnell stumpf werden. Es bedarf nicht unbedingt Mearsheimers, festzustellen, dass mit dieser Ansicht nicht viel Staat zu machen ist. Die Absicht Rheinmetalls, ausgerechnet im „Krisengebiet“ Baltikum Munitionsfabriken zu errichten, sollte reichen, der Meinung zu sein, dass es mit der Bedrohung nicht weit her sein kann. Mit Sicherheit wird die dort hergestellte Munition Pokrovsk nicht mehr erreichen, was auch an den Verdienstmöglichkeiten in der russischen Armee liegen dürfte. Es gibt jede Menge Vergünstigungen, speziell für jene, die Kinder haben (bspw. Studienplätze). Das passt ganz und gar nicht zu einem Bericht des Spiegels, in dem es heißt, russische Kommandeure würden ihre eigenen Leuten, wenn sie nicht kämpften, umbringen, so wie zu Zeiten Stalins.

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