Der Papst rettet die Eltern und Merkel die Welt

Sage noch einer, der Papst würde nur weltfremd daherreden – darum aufgemerkt, ihr Mütter dieser Welt, wenn die fünfte „Bitte“-Aufforderung, das zu tun, was man verlangt, ignoriert wird, ist es höchste Zeit, sich an den Rat des Pontifexes, dem Kind einen Klaps auf den Popo zu geben, zu erinnern. Vermutlich wäre es dann gut, ihn zweimal mit dem Hinweis, dass es gleich etwas auf den Po setzt, zu bitten, dem nachzukommen. Danach bleibt nichts weiter übrig, als angeekelt und voller Scham zu einer Tat zu schreiten, zu der die meisten unserer Großeltern schon beim geringsten Anzeichen des Widerwillens fähig waren. Wie die Zeiten sich doch ändern. Vermutlich bilden sich in nächster Zeit Selbsthilfegruppen, in denen Eltern, die ursprünglich gedacht haben, der Ratschlag aus dem Vatikan könnte viele ihrer Probleme lösen, sich zusammentun, um nach Wegen zu suchen, die ihnen erlauben, Herr ihrer Paria- und Schuldgefühle zu werden.

Neben dieser hat es noch eine zweite gute Nachricht in dieser Woche gegeben – endlich habe ich einen Grund, mich über die Presse zu mokieren. Die FAZ hat, trotz 62 Lesern, denen der Text gefallen hat, einen Betrag von mir kurzerhand gelöscht. Sonderlich traurig bin ich, da ich nun weniger für zu schreiben brauche.
Die Ukrainer bringen sich doch immer wieder selbst in Schwierigkeiten – statt den Brückenkopf aufzugeben, haben sie sich in Debaltseve verbarrikadiert. Jeder Offizier hätte ihnen geraten, die Front zu verkürzen. Dass die Separatisten diese Fehler auszunutzen, ist ganz normal. Nun sollen wieder 6000 Mann eingekesselt sein. Nun müssen Merkel und Hollande Poroschenko, der mit dem Problem zu kämpfen hat, dass immer mehr Wehrpflichtige den Krieg in Russland aussitzen wollen, vor dem Untergang retten. Wer kämpft, kann froh sei, wenn es ihn nicht in die erste Reihe verschlägt, da im Falle des Rückzugs eine Art „Feldgendarmarie“ dafür sorgt, dass er sich schleunigst wieder ins Gefecht stürzt.
Erklären kann ich mir die Aktion nicht. Vermutlich hat sich jemand über die „Feldgendarmarie“ aufgeregt. Sei es, wie es sei.

Als ich gegen 20:45 Uhr bei Spiegelonline und der Zeit reinschaute, hatte ich das Gefühl, Merkel müsse im Schnee Moskaus verlorengegangen sein – die Webseiten hatten sie einfach verschluckt. Als ich dann bei der FAZ und SZ sah, dass sie es wirklich bis in den Kreml geschafft hat, war ich halbwegs beruhigt. Lt. Zeit sei die Reise als Zeichen, dass Europa sich von Amerika zu emanzipieren versuche, zu deuten. Leider, so fürchte ich, kommt sie zu spät – da die Ukrainer Debaltseve nicht freiwillig räumen (eine Niederlage „ermöglicht“ ihnen, endlich an die heiß ersehnten amerikanischen Waffen zu kommen), hängt alles davon ab, ob Putin die Separatisten davon überzeugen kann, sich mit der Situation, wie sie jetzt ist, zufriedenzugeben. Das werden sie nicht wollen. Der Brückenkopf muss weg, koste es, was es wolle. Mit ihm kann Neurussland nicht existieren. Bin gespannt, was Merkel angesichts dieser vertrackten Lage erreichen kann.

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