Warum hört nur niemand auf mich?

Eigenlob stinkt, und wenn vor Jahren es einem noch unangenehm gewesen ist, sich über das Maß zu loben, kommt man heute einfach nicht herum, auf sich Lobeshymnen, die selbst Nero als höchst peinlich empfunden hätte, zu singen. Da sich diesem Trend sich nicht einmal dieser Blog entziehen kann, bleibt mir nichts anderes übrig, als zu behaupten, wenn einem Artikel, den ich vor fast genau 3 Jahren geschrieben habe, damals die ihm gebührende Aufmerksamkeit geschenkt worden wäre, Varoufakis‘ Idee, seinen Landsleuten zu ermöglichen, die Schulden praktisch bis zum Untergang der Welt, wie wir sie kennen, behalten zu dürfen, heute niemanden mehr interessieren würde. Der einzige Unterschied ist, dass ich, sollte ich es richtig ein Erinnerung haben (auch wenn ich auf diesen zurückgreife, werde ich nicht von meiner Gewohnheit, alte Artikel nicht zu lesen, ablassen), die Diskette, auf der steht, wer was wem schuldet, vergraben wollte, vergraben wollte, während der neue Finanzminister die Kredite weiter in den Büchern stehen haben möchte. (Der neuesten Stand ist, dass er die Rückzahlung bzw. Zinszahlungen vom Wirtschaftswachstum abhängig machen will.) Europa mit Ausnahme Deutschlands sei von seinem Vorschlag, der Begriffe wie „Haircut“ und „Schuldenschnitt“, die die Finanzwelt schaudern lassen, vermeidet, begeistert, meint der Guardian. Die Aktienkurse ziehen jedenfalls wieder an. Merkel und Co. sind im Augenblick außen vor. Im ersten Moment klingt das ziemlich beunruhigend. Wenn ich aber daran denke, welchen Deutschen sich Varoufakis sich zum Vorbild genommen haben könnte, wird mir ganz warm ums Herz – ich glaube, er wünscht, dass die Menschen ihn auch anhand seiner Kleidung erkennen sollen. Unser Spezialist auf diesem Gebiet hat immer einen gelben Pullunder getragen. Wenn in der Tagesschau etwas Gelbes zu sehen war, konnte nur er darin stecken. Der Grieche versucht, dessen Bekanntheitsgrad mit der Farbe blau zu erreichen. Ganz nebenbei zeigt er uns, wie wichtig es ist, regelmäßig Sport zu treiben. Wer immer läuft, schwitzt so selten, dass er sein Hemd ein Jahr nicht zu wechseln braucht (wie der Kragen aussieht, kann ich nicht beantworten). Für mich stellt sich nur noch die Frage, ob die Griechen letzte Woche Theaterdonner fabriziert haben oder ihnen aufgrund der Reaktionen, die sie mit ihrer Ankündigung, nicht mehr mit der Troika zusammenarbeiten zu wollen, ausgelöst haben, bewusst wurde, dass sie Zugeständnisse machen müssen.

Wer aufgrund eines Trailer, der den Eindruck vermittelt, „John Wick“ würde es mit der gesamten russischen Mafia in NY aufnehmen (was im übrigen stimmt), in den gleichnamigen Film geht, um herauszufinden, warum niemand die Russen mag, wird enttäuscht sein, wenn ihm die Erkenntnis, dass die Russen wegen eines Hundes, der kaltblütig erschlagen wird, keinen Krieg anzetteln würden, nicht etwas zu dürftig vorkommt. Den Russen sind nur ihre Kinder heilig. Und da jenes des Bosses mit dem Meister aneckt, nimmt das Schicksal seinen unvermeidlichen Lauf. Wenig später stellt sich dann heraus, dass „John Wick“ mehr als ein Meister ist – er ist der „Nurejew“ unter den Auftragskillern. So schön wie er tötet keiner. Elegant und geschmeidig bringt er seine Gegner zur Strecke. Er schreckt auch nicht davor zurück, mal jemanden auf den Fuß zu treten, um ihn aus dem Rhythmus zu bringen. Das macht ihn nur noch sympathischer. Dass seine Kontrahenten fast immer im rechten Moment, sozusagen immer pünktlich, erscheinen, mindert dessen Leistung nicht im geringsten. Ich bin wahrlich immer noch beeindruckt.

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2 Antworten zu Warum hört nur niemand auf mich?

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