Salisbury – keine Ende in Sicht

Höchster Kirchenturm, älteste Kirchenuhr, eine Ausgabe der Magna Carta, die man noch lesen kann – schon um nicht Ehre des deutschen Bildungsbürgers, der Salisbury bis gestern überhaupt nicht gekannt hat, zu besudeln, müssen die beiden Russen, die mit dem Interview, das sie gestern gaben, Salisbury zu einem touristischen Kleinod erklärten, das von nun an kein Inselbesucher mehr ignorieren kann, das Gift in der Stadt verteilt haben. Dass der deutsche Bildungsbürger ausgerechnet von der britischer Presse, die nicht dafür bekannt ist, die Sehenswürdigkeiten des Landes kleinzureden, Trost erfahren hat, hätte er sich nicht träumen lassen. Einen ehemaligen Botschafter hat die Reaktion seiner Landsleute derart überrascht, dass er deren Aussagen überprüft hat. Sein Ergebnis – beide haben ein Alibi, wenn auch ein „strange“, somit angesichts der vielfältigen Bedeutung des Wortes nach der Lektüre der Leser selbst entscheiden muss, für welches „Strange“ er sich entscheidet. Ob den Russen ein „Alibi“ von jemanden, den der Mainstream ignoriert reicht, hilft, ist höchst zweifelhaft, zum der Fall nicht das einzige „Salisbury“ darstellt. (Das Echo auf seinen Artikel spricht Bände.) „Salisbury“ droht selbst von dort, wo niemand es erwartet, so bspw. aus Konstantinopel. Als ich las, woher das Unheil, droht, habe ich mich gefragt, was Putin wohl nun ohne die Unterstützung Byzanz‘ anfingen wird. Es hat nur wenige Augenblicke gedauert, bis ich gemerkt habe, dass Erdogan dort regiert. Jedoch sitzt in Istanbul noch das Oberhaupt der Orthodoxen (das ist ungefähr so, als ob der Vatikan sich in Wittenberg einquartieren würde). Und der hat etwas gewagt, was er eigentlich gar nicht darf, nämlich den Ukrainern, die zu Moskau gehören, einen Exarchen zu schicken. Da es ihm nicht erlaubt ist, sich in die Angelegenheiten der Landeskirchen einmischen, hat die russische orthodoxe Kirche erklärt, nicht mehr mit Konstantinopel zusammenarbeiten zu wollen. Nun droht die Spaltung. Und ob ohne Unterstützung der russischen Kirche, die zu den wenigen gehört, die Zuwächse zu verzeichnen hat, sich der Patriarchat in Istanbul wird halten können, scheint mir angesichts Erdogans Politik, dem ein Islam light, der nichts neben sich duldet, vorschwebt, ziemlich ungewiss zu sein. Es braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass die russischen Kirchenoberen darauf drängen werden, Donezk und Lugansk zu annektieren, sollte die Ukraine einen eigenen Patriarchen, der sich aller „russischen“ Kirchen bemächtigt hat, installieren. Der Unterstützung der Kommunisten können sie sich schon einmal sicher sein. Dass die Russen auch im Weltraum ein „Salisbury“ erleben, mag ein wenig deren Ansehen gefährden, jedoch stimmt es zuversichtlich, dass sie nicht glauben, die Amerikaner hätten die winzigen Löcher, die den Kosmonauten und Astronauten das Leben schwer machten, in die Außenhaut der Sojus, die den deutschen Teilnehmer an der Mission nach Hause bringen soll, geritzt.

PS: Warum muss „Aspekte“ vom russischen Größenwahn sprechen, wenn die „Moscow Times, ein Blatt, das mit Putin nichts am Hut hat, nur Positives zu berichten weiß! Aber muss jetzt jeder Konzertsaal der Elbphilharmonie ähneln? Wenigstens, so scheint mir, sitzen die Moskau die Leute bequemer.

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Liebich und das Dr. Strangelove-Phänomen

Hat Liebich das Dr. Strangelove-Phänomen entdeckt, ohne dass die Bombe fallen muss? Der konnte, als der Pilot samt der Bombe auf die sowjetische Raketenstation fiel, nicht nur laufen, sondern, was noch viel wichtiger ist, endlich wieder einen schneidigen Hitlergruß vollführen. Zwar gab diesen in den letzten Tagen öfter zu sehen, jedoch kann Halle bezüglich der Anzahl mit Chemnitz und Köthen mithalten (und das ohne ein hiesiges „Ereignis“, an dem sich die Gemüter hätten erregen können), was nur an der Choreographie des Umzugs, den Liebich gestern organisiert hat, liegen kann – wegen dieser konnten einige Teilnehmer scheinbar gar nicht anders, als den Arm zu heben. Es war fast wie bei SA, deren Einpeitscher natürlich das System und die Politiker viel härter angegriffen hätten, als Liebich es in einem Ton, der wirklich SA-Schärfe hatte, getan hat. 14 Führer-Bekundungen will die Polizei ausgemacht haben. Die Nazis hätten das nicht hinbekommen. Dass bei Liebich, von dem man aufgrund des Videos meinen könnte, er habe das Zeug dafür, Halles berühmtester Nazi zu werden (da kaum jemand Heydrich mit Halle in Verbindung bringt, ist das eigentlich nicht sonderlich schwer) – über sich selbst sagt er, keiner zu sein –, viele Menschen sich trauen, den Hitlergruß zu zeigen, muss auch an dessen Begabung liegen, nie für etwas zur Rechenschaft gezogen zu werden, weil alles, was er bisher gemacht hat, irgendwie als Persiflage durchgegangen ist. So geschmacklos diese auch sind, die Leute beeindruckt der Klamauk, den er anstellt. Vielleicht sollte man Liebich mal zeigen, wie eine gute Show geht – wie wäre es, nächste Woche auf die Treppe, wo die Leute vorbeizulaufen pflegen, eine paar Leute, die den Hitlergruß zeigen (ein Hitler-Double wäre toll), zu positionieren. Das sollte den Leuten klarmachen, wem sie da hinterherlaufen. (Bemerkungen wie mit Euch hätten wir die Siegesfeier nicht in Warschau, sondern in dem polnischen Dorf, das der Grenze am nächsten liege, abgehalten, würden der Veranstaltung noch mehr Charme geben.) Vermutlich würde dies die Polizei aber nicht als Kunst (was erlaubt wäre), sondern als Provokation erachten. Es ist so gut wie sicher, dass wieder viele kommen werden – ein Mitschnitt einer Zeugin lässt Zweifel an den Informationen, die die Polizei bzgl. des Tathergangs herausgegeben hat, aufkommen. Erstaunlicherweise hat die hiesige Zeitung, sehr zum Unwesen der Landesregierung, nicht nur darüber berichtet, sondern auch den Mitschnitt abgedruckt. Man darf gespannt sein, was sich daraus entwickelt.

PS: Die Fans der Marke Lada Niva müssen nun stark sein – der neue Jeep ist das schönste Auto des Jahres. Wer den alten Niva geküsst hat, kann ich nicht sagen. Die Verwandlung ist jedoch vollkommen.

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Idlib – ist es der Ruf einmal ruiniert, lebt…?

In Idlib verkaufen die Dschihadisten ihre Immobilien – kann wenigstes die letzte große Stadt, die sich in der Hand der Islamisten befindet, zurückerobert werden, ohne sie in Schutt und Asche zu legen? Putin und Co. scheinen trotz Aleppo, Mossul und Raqqa daran zu glauben, ihnen könne in Idlib das Unmögliche gelingen. Hinterlassen sie dort nur verbrannte Erde, droht dort das Chaos. Anders als früher, als die Freischärler immer noch die Chancen hatten, dem Gegner zu entkommen (entweder durch Flucht oder in Bussen, mit denen sie unter der Aufsicht der Russen oder Amerikaner u. a. in die eben besagte Region kutschiert wurden), haben sie diesmal keinen Rückzugsort, der ihnen erlauben könnte, sich neu zu organisieren. Jetzt geht es um deren blanke Existenz. Eine Gruppe, deren Führer sich von ihrem Hab und Gut trennen, scheint das schon begriffen zu haben – Erdogan hofft, bis zu 15.000 Kämpfer in seine Streitmacht integrieren zu können. (Dass deren Führer mal beim IS war, zeigt, wie eng die Türken früher mit dieser Organisation zusammengearbeitet haben müssen.) Aber selbst ohne die wären die Dschihadisten zahlenmäßig Assads-Leuten immer noch haushoch überlegen. Warum er dennoch angreift, liegt wohl hauptsächlich an seinem früheren Erzfeind Erdogan – dessen Geheimdienste sollen den Russen und Iranern mit Informationen über die Stellungen der Islamisten überhäuft haben. Vermutlich ist das auch der Grund, warum Putin zur Eile dringt – jetzt dort anzugreifen, wo man sich sicher fühlt, weil man glaubt, niemand wisse darum, kann zermürbender nicht sein. Die Russen gehen jedenfalls das Risiko ein, am Ende als Kriegsverbrecher dazustehen, denn anders der IS, der den Menschen mit seinen Regeln, die es strengstens zu beachten galt, scheinen die in Idlib liegenden Gruppierungen sich nicht in den Alltag der Leute einzumischen, so dass Putin als Störenfried, der alles platt macht, angesehen wird. Und wenn dann noch in Crosstalk ein Syrier vehement den Eindruck zu vermitteln versucht, dass nicht alle der Gruppierungen islamistisch seien, wird schnell klar, was die Putin erwartet, wenn die Stadt nur noch aus Trümmern bestehen solle. Aber vielleicht kommt alles ganz anders, als von vielen befürchtet. Vielleicht tritt Putin in ein oder zwei Wochen vor die Presse, um diverse Regierungschefs zu bitten, Landsleuten, die für al-Nusra gekämpft haben, die Rückkehr zu ermöglichen. Das wäre dann der ultimative Erfolg für ihn. (Es ist so gut wie ausgeschlossen, dass er sich dann auch selbst bittet bzw. den Tschetschenen, die sicherlich zuhauf in Idlib vertreten sind, Amnestie gewährt.)

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„Aufstehen“ – hoffentlich länger als die Räterepubliken

Bevor „Aufstehen“, was zu befürchten ist, nicht Opfer seines eigenen Erfolgs wird, der so kurzlebig wie die Räterepubliken, die nach dem 1. Weltkrieg ausgerufen wurden, ausfallen könnte, darf die „Bewegung“, die immerhin schon über 100.000 Kämpfer umfasst, stolz darauf sein, behaupten zu können, dass sie ihn doch haben, den Humor, der ihnen von den Konservativen abgesprochen wird, und das sogar in einem Buch. Das alleine reicht „Aufstehen“ natürlich nicht, aber vorerst hat die „Bewegung“ außer einem Führer, den sich, von den Rechten mal abgesehen, alle wünschen, sowie der Anmeldeseite, wo man ankreuzen kann, welche Themen einen am Herzen liegen, nicht viel zu bieten. Das, so hoffe ich, wird sich aber bald ändern, den lt. Aussage Volmers soll es Onlinediskussionsrunden geben, in der jeder Vorschläge, wie die Politik aussehen soll, machen kann. Seine Hoffnung ist, dass die Abgeordneten der Parteien, die „Aufstehen“ erreichen will, dadurch Anregungen, wie sie die Politik besser gestalten können, erhalten. In diesem Sinne wäre „Aufstehen“ eine große Lobbyorganisation, die im Gegensatz zu den hunderten, die in Berlin für die Zwecke ihrer Klienten bei den Parteien werben, ultra-transparent sein würde. Durchsichtiger ginge es dann wirklich nicht mehr. Die Frage ist nur, ob sich die Mitglieder der „Bewegung“ damit zufriedengeben, ein „Oberparteiprogramm“, mit dem SPD, Grüne und Linke leben können, zu schreiben. Wer Thesen und Pläne zu Papier bringt bzw. sie in Netz stellt, der möchte, dass diese auch umgesetzt werden, so dass sich die Arbeit wahrscheinlich nicht nur auf das Produzieren von Text beschränkt, sondern dieser auch an den Mann gebracht werden muss, sprich „Aufstehen“ in die Parteien gehen muss, um dort deren Mitglieder von seinen Ideen zu überzeugen. Da keiner der heute anwesenden Protagonisten eine Vorstellung zu haben scheint, wie es nach der Einigung auf einen Plan weitergehen soll, ist dann wohl „Learning by Doing“ angesagt – man wird viel probieren müssen. Am Ende könnte nur noch eine Partei stehen – ein Albtraum für Nahles und Co.
Werde ich doch noch ein Oppelner? Mein vollmundiges Gedöns, im Falle der Zahlung von Reparationen an die Polen nach Oppeln „zurückkehren“ zu wollen, könnte mir zum Verhängnis werden, denn Polens Außenminister hat verkündet, man prüfe wirklich, ob Deutschland zu zahlen hat. Die Summe ist immens hatte. Es geht um 730 Milliarden Euro. Wenn man bedenkt, dass in Nachkriegspolen „nur“ Warschau und Danzig (wobei Danzig gar nicht zu Polen in seinen Grenzen von 1939 gehörte) schwer zerstört waren, ist diese Summe entschieden zu hoch. Gehen die Polen nicht runter, wird es doch nichts mit meinem Umzug.

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„Anschluss“ – die einen wollen ihn, andere nicht

Bomben für den „Anschluss“, also bis sich keiner mehr findet, der die abtrünnigen Republiken im Osten der Ukraine führen kann oder will, so dass Russland nichts anderes übrigbleibt, als das Kommando zu übernehmen? Nichts genaues weiß man nicht, auch wenn lt. Colonel Cassad die „Silowiki“ bereits die Täter, die für das Attentat, bei dem der Führer der „Republik Donezk“ , Sachartschenkos, getötet wurde, verantwortlich sein sollen, in einem Auto gefasst haben. Wegen der Festnahmen ist für ihn bereits klar, dass die Ukrainer hinter dem Anschlag stehen. Da weitere Anschläge folgen werden, muss sich der Kreml eine Strategie ausdenken, wie er den „Anschluss“, der vermutlich weitere Sanktionen nach sich ziehen würde, verhindern kann, ohne seinen Einfluss in der Region zu verlieren. Nach den Schwierigkeiten, die die Westdeutschen im Augenblick mit ihrem „Anschluss“ haben, würden sie sich im Kreml sehnen – nicht Kohls uneingelöstes Versprechen der blühenden Landschaften (das Blühen beschränkt sich leider nur auf wenige Oasen, die vor der großen Dürre noch als Leuchttürme gegolten haben) bringt viele Ostdeutsche auf, sondern „Merkels Flüchtlinge“, speziell wenn diese sich schwerer Straftaten schuldig gemacht haben sollen. Wenn dem so ist bzw. das der Fall sein könnte, scheinen die Rechten zu wissen, dass dies der beste Zeitpunkt ist, die Leute zu animieren, gegen die Migranten ins Feld zu ziehen. Das Schlimme ist, dass sie damit in Chemnitz Erfolg haben, da angesichts des Strafregisters, das einer der Verdächtigen angesammelt haben soll, sie sich in ihrer abschätzigen Meinung über Asylbewerber nicht nur bestätigt fühlen dürfen, sondern auch behaupten können, ohne ihren Protest wären die Informationen über die beiden sicherlich nicht an die Öffentlichkeit gekommen, da sich niemand für diese interessiert hätte. Müssen die Justizbehörden, da die Zahl derer, die unterscheiden, ob ein Deutscher oder ein Asylbewerber eine Straftat begeht, sehr hoch zu sein scheint, nicht schneller reagieren, um Aufmärsche wie jenen in Chemnitz zu verhindern? Eine Pressekonferenz, auf der die Polizei die Bürger informiert, was sich am Sonnabend abgespielt hat, hat es meines Wissens am Sonntag nicht gegeben. Am Montag war dann oft das beschönigende Wort „Selbstjustiz“ zu hören und zu lesen. Diesmal hat man, nicht wie sonst, wenn über die Ausländerfeindlichkeit im Osten berichtet wird, klugerweise darauf verzichtet hat, Leute, die bei ausländischen Tatverdächtigen auf die Straße gehen, während sie bei einem deutschen die Tat nur zur Kenntnis nehmen, als rassistisch zu bezeichnen bzw. sie der Abneigung Fremder zu bezichtigen. Da viele das Gefühl zu haben scheinen, die Behörden würden in Fällen wie dem von Chemnitz versuchen, Dingen, die ihnen unangenehm sind, zu verheimlichen, bleibt den Behörden, soweit es ihnen möglich ist, in Zukunft nichts weiter übrig, als die Bevölkerung kontinuierlich über die Ermittlungen zu informieren. Dass der Spiegel seinen Rechercheapparat auch diesmal nicht vergeblich angeworfen hat, spricht nicht für die Beamten, sondern bestätigt eher die Anhänger der Verschleierungstheorie. Ob sich der Spiegel aber mit einem Cover, aus dessen Design nur geschlussfolgert werden kann, Sachsen müsse schon halb nazistisch sein, einen Gefallen erwiesen hat, wage ich zu bezweifeln. Das werden die Sachsen, denen wir den „Anschluss“ verdanken, nicht auf sich sitzen lassen. Es würde mich nicht wundern, sollte es den Hamburger so wie der Sun, die in Liverpool wegen ihre Berichterstattung über die Hillborough-Katastrophe nicht gelesen wird, ergehen. Das wäre ganz im Sinne des Mannes, der für den „Anschluss“ gesorgt hat.

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Als ob eine Dürre nicht genug wäre

Als ob eine Dürre nicht schon genug wäre, ist nun eine neue wahrgenommen worden, die vermutlich niemanden aufgefallen wäre, hätten in dieser Periode nicht viele Räder eine kleine Verschnaufpause einlegen können (während die Arbeiter sich mit Herweghs Satz, „Alle Räder stehen still, Wenn dein starker Arm es will“, schwertun, hat die Natur keine Skrupel, diese anzuhalten) – in den Dürren, die wir bisher kennen, fällt kein Niederschlag (in ein paar Jahren werden wir diese Zeit als Regen-Dürre bezeichnen), Hinzugekommen ist die Wind-Dürre, die dafür sorgt, dass in der Regen-Dürre bzw. während einer Hitzewelle Windräder keine Energie mehr produzieren können. Trotz fast identischer Wetterlagen ist sie bisher nur auf der Insel, wo die Briten schon mal 9 Tage hintereinander auf Windenergie verzichten mussten, aufgetreten. Ob der Kontinent, also wir, von ihr verschont geblieben sind, weil sich niemand dafür interessiert, wann und wie lange die Anlagen einspeisen, kann ich nicht sagen. Es ist aber höchst unwahrscheinlich, dass die heißen Tagen hier für Wind gesorgt haben, während am Rande eines Ozeans eine Flaute, wie sie Kapitän Ahab und seine Besatzung auf hoher See erleben mussten, als sie Moby Dick jagten, herrschte. Wichtig ist, dass nicht noch eine dritte Art der Dürre, von der wir heute noch gar nichts wissen, hinzukommt. Aber auch so sieht es schon aus, als ob der Klimawandel die zehn Plagen, von denen in der Bibel die Rede ist, locker überbieten wird, denn dank wissenschaftlicher Untersuchungen kommen neue Schadensfelder, für die die üblichen Verdächtigen der Erwärmung verantwortlich sind, hinzu. So sind Abgase nicht nur schlecht für das Klima und die Gesundheit, sondern sie machen sogar dumm bzw. drücken unsere IQs. Wohl dem, der einen hohen hat, so dass es ihm nichts ausmacht, ein paar Punkte zu verlieren. Vermutlich ist es zu früh, zu behaupten, die industrielle Revolution hat die Menschheit um mehrere Mozarts gebracht. Ich kann aber von mir sagen, dass die Dampfmaschine und der Dieselmotor mir mindestens vier Fremdsprachen vorenthalten haben. (Da ich mir nicht sicher bin, ob der technische Fortschritt mir auch den Weg zum Mandarin verbaute, habe ich diese Sprache nicht mit einbezogen.) Ich bin gespannt, was noch so alles ans Tageslicht gebracht wird. Leider lassen unsere Politiker jedwede Neugier hinsichtlich der Auswirkungen der Erwärmung vermissen – statt schmelzender Gletscher und wegen der Dürre vertrockneter Flüsse präsentieren sie uns eine Welt, die naturbelassener nicht sein kann. So stolziert Putin durch unberührte sibirische Natur, die sogar russische Bambis zu bieten hat. Die Mühe zweier russischen Studenten, die ihm Frühjahr klar gemacht haben, was sich im Norden seines Landes abspielt (so recht hat er das nicht glauben können), war vergeblich – statt nach Spitzbergen hat es ihn in die sibirischen Berge gezogen. Es sieht so aus, als ob die Politiker Orte, die vom Wandel betroffen sind, meiden. Putin ist das kein Einzelfall. Ironie der Geschichte – um noch mehr Kohle exportieren zu können, investieren die Russen kräftig in neue Häfen. Vermutlich hat der Kreml schon lange gewusst, dass man bei Hitzewellen wegen der Wind-Dürre kräftig heizen muss.

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Der Sachse als Bösewicht par excellence

Ein Sachse auf Platz zwei, der, wenn er nicht synchronisiert worden wäre, sich locker in den Olymp, auf dem der beste aus den Bondfilmen thront (säße ein Sachse auf dieser Miniaturausgabe, ginge es dort genauso turbulent wie auf dem Original zu), gespielt hätte – unerreichbar für die nachfolgenden Schurken, müsste, wie sich diese Woche herausgestellt hat, der Diaspora-Sachse Gert Fröbe nur fürchten, von einem seiner Landsleute in die Tiefe gestürzt zu werden, auch wenn der Mann, der der interessierten Öffentlichkeit gezeigt hat, wie forsch und rabiat die Sachsen auftreten können, nicht über die Gabe, die gute Übeltäter auszeichnet, verfügt – es fällt schwer, für den seit dieser Woche bekanntesten Buchprüfer der Republik Sympathie zu hegen. Das hätte Fröbe viel besser hinbekommen, so dass nach dessen Vorstellung die meisten zur Überzeugung gelangt wären, der Kameramann hätte, entgegen der Rechtsauffassung, ihn nicht aufnehmen dürfen, selbst wenn er alles dafür getan hat, ins Bild zu kommen. Die Szenen des Frontal-Berichts lassen vermuten, die Pegida-Anhänger glauben, es würde ein in einem Gesetz verankertes Recht existieren, das den Medien untersagt, Aufnahmen von ihnen zu machen oder sie gar zu befragen. Dankenswerter Weise hat die SZ noch einmal dargelegt, dass dem nicht nicht so ist – da die Kundgebungen, die Pegida durchführt, als Zeitgeschichte gilt, dürften die Kameramänner jeden, der daran teilnimmt, ohne deren Einverständnis filmen. Habe ich mich in früheren Kolumnen noch daran gestört, wie die Medien mit den Pegida-Sachsen umgehen, bin ich jetzt der Meinung, diese schon um der Gerechtigkeit willen stellen zu müssen, denn während selbst Krawall-Linke, die jedes Fehlverhalten der Polizei zum Anlass nehmen, Randale zu starten, nichts dagegen haben, wenn man ihr Tun live im Fernsehen oder Internet verfolgen kann (hätten die RT-Leute, die vom G7-Gipfel aus Hamburg berichteten, sich zwischen die Fronten positioniert, wären Steine und Flaschen über ihre Köpfe geflogen), will der Rechte und besonders der Sachse möglichst unbehelligt sein, so als ob er sich für das, was er und seine Mitstreiter von sich geben werden, von vornherein schämen würde. Fast wäre ich geneigt, zu behaupten, Pegida sei wegen der hohen Aufmerksamkeit, die die „Lügenpresse“ der Bewegung widmet, gescheitert bzw. wegen dieser würde heute weit weniger Leute als früher kommen. Das wäre sozusagen der erste „Aufstand“, den die Kameras niedergeschlagen hätten (Stalin hat doch richtig mit seiner Einschätzung, die Deutschen könnten keine Revolution machen, gelegen). Eigentlich bleibt ihnen nur, es den Linken gleichzutun, die mit ihren legendären Trillerpfeif-Konzerten selbst Strauß zur Verzweiflung gebracht haben. Ab das würde nicht dem Naturell des Sachsen entsprechen – der Sachse liebt es, seinen Unmut zu artikulieren, und das aber recht laut, womit ich wieder bei Fröbe bzw. der Suche nach dem Mann, der diesen großen Sachsen folgen könnte, wäre.

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Kalaschnikow kann auch anders

Kalaschnikow gegen Zero DSR Black Forest – sollten sich beide je im Schwarzwald begegnen, wird dies recht friedvoll ausfallen, es sei denn, einer der Personen, die sie nutzen, ist derart enttäuscht über deren Performance, dass dieser im Schwarzwald Amok läuft, was nach dem derzeitigen Ausrüstungsstand (man weiß ja nie, vielleicht peppen die Russen das Gerät nach Q-Manier noch auf) bedeutet, dass die Kalaschnikow einen Hang hinunterstürzen wird. Willkommen im neuen Kalten Krieg, der im Gegensatz zum alten mehr Spannung verspricht, da diesmal die Russen auf Gebieten, in denen sie vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion hoffnungslos unterlegen waren, mithalten können, wie eben die Kalaschnikow UM-1 zeigt – ein E-Motorrad, das wohl eher dazu taugt, im Asphaltdschungel Moskaus die großen Limousinen hinter sich zu lassen, als in den badischen Bergen zu cruisen. Zwar kommt die Maschine hinsichtlich der Geschwindigkeit und Reichweite nicht an die Amerikaner ran, jedoch schafft sie es, mit ihren 100 km/h und ihren 150 km Fahrleistung die lautlosen Räder, die der ADAC vorstellt, abzuhängen (mir gefällt der viersitzige E-Buggy Kalaschnikows – wenn Franz von Assisi heute lebte, würde er nur in dieses, natürlich mit ihm dann vollbesetzte Fahrzeug steigen – wesentlich besser). Wenn also das die Auswirkungen der Auseinandersetzung zwischen dem Westen und den Russen sind, dann kann man sich eine Aufhebung der Sanktionen nicht wünschen. Vermutlich ist es die Angst vor der Rückkehr der deutschen Diesel, die das Fahren so bequem machen, dass niemand mehr aussteigen möchte, das die Russen antreibt, zur E-Fahrzeug Revolution zu blasen – Anfang September soll in Moskau Russlands erster E-Buslinie starten. Ich bin gespannt, wie sich die Busse im russischen Winter schlagen werden. Leider wetteifert Kalaschnikow immer noch in dem Metier, das sie weltberühmt gemacht hat, mit den Amerikanern. Nur die Waffen haben sich geändert – statt Maschinenpistolen geht es heute um Roboter, speziell einen, der menschenähnlich ist, wobei jener, den die Firma zeigt, kaum einen Menschen ähnelt. Aber vielleicht reicht es schon, Füße zu haben, um als „anthropomorphic“ eingestuft zu werden. Sei es wie es sei – das Modell, das Kalaschnikow entwickelt hat, will so gar nicht jenen Typen, die wir aus den amerikanischen Filmen kennen, ähneln. Wenigstens ist er mir nicht unsympathisch, was wohl nur an dessen Aussehen – klobiger geht es wirklich nicht – liegen kann. Was die Russen mit ihm vorhaben, kann wohl niemand sagen. Jedenfalls verspricht das Wettrennen auf diesem Gebiet nichts Gutes – niemand weiß, ob sie sich irgendwann einmal verselbständigen. Von allen Schreckensszenarien ist das, in dem Roboter Menschen töten, um so die Klimaerwärmung, die ihnen auch zu schaffen macht, zu überstehen, mein Favorit.

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Kinder an die Macht – das war mal

Was ist schiefgelaufen seit Grönemeyers „Kinder an die Macht“? Vor 32 Jahren hätte niemand etwas dagegen gehabt, wenn dessen Vision, den Kindern die Macht zu übergeben, Wirklichkeit geworden wäre, im nächsten Sommer aber laufen sie Gefahr, im Urlaub mal hungrig ins Bett gehen zu müssen, denn es scheint so gut wie sicher zu sein, dass viele dem Rügener Restaurantbetreiber, der Kindern untersagt, nach 17:00 Uhr sein Etablissement zu betreten, folgen werden. Und das alles nur wegen jener Eltern, die nicht in der Lage sind, ihre Kinder zu bändigen, wobei es, wie wir seit Loriots „Das Bild hängt schief“ wissen, nicht eigentlich um den Schaden, denn sie anrichten, geht, sondern das ständige „Bitte“, mit der sie ihre Sprösslinge davon abzuhalten versuchen, von einer Sache zu lassen, der de jure Eltern Personal und Gäste nervt. Und wenn sie aufhören, dann nicht, weil sie mit ihren zig Bitten Erfolg hatten, sondern die Kinder ihr Zerstörungswerk erfolgreich abgeschlossen haben, so dass sie sich nun ein neues Ziel vornehmen können. Dem Mann blieb gar nichts anderes übrig, als ein Exempel zu statuieren, auch wenn er gegen ein Marketingprinzip, das besagt, man müsse Kinder hofieren, weil diese als Erwachsener mal Stammkunden werden könnten, verstoßen hat. Wenigstens gehen sie der Gastronomie nicht verloren – statt gutbürgerlicher gibt es amerikanische Kost, denn bei McDonalds können sie wegen deren Philosophie, Tische und Bänke wie in einer Psychiatrie fest im Boden zu verankern, tun und lassen, was sie wollen. Deswegen und damit Mutti und Vati nicht der Versuchung erliegen, ihren Kindern vorzugaukeln, wie schlecht sie sich fühlen, ohne sie essen müssen, sollten jene, die damit liebäugeln, dem Beispiel aus Rügen zu folgen, noch einmal überlegen, ob es nicht bessere Methoden gibt, wieder Ruhe in den Betriebsablauf ihrer Gaststätten zu bringen. Wie wäre es mit einem „Kinder-Stammtisch“? Statt Aschen- und Knobelbecher sowie Skatkarten liegen Malbücher für die kleinen und Tabletts für die großen Kinder aus. Ein Schachbrett macht sich auch gut, verleiht es doch dem Restaurant eine gewisse intellektuelle Note. Ihrer heimlichen Unterstützer beraubt, könnten sie dort ihre wahre Natur ausleben. Das wichtigste am Kinder-Stammtisch ist aber dessen Name – der ist so unverfänglich, dass niemanden auf die Idee kommen würde, damit die Kleinen bestrafen zu wollen. Ich kann mich zwar nicht erinnern, ob es in meiner Schulzeit noch üblich war, in die Ecke gestellt zu werden, aber alleine schon der sich aufdrängende Gedanke, davon ein spitzes Gesicht zu bekommen, hätte mich davor abgeschreckt, es so weit kommen zu lassen. Da der Kinder-Stammtisch suggeriert, zu den Erwachsenen zu gehören, können angsteinflößende Gedanke, die einen womöglich das ganzen Leben verfolgen, erst gar nicht bei den Kleinen aufkommen.

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Wissenschaftler machen Hoffnung

Wenigstens ist auf die Wissenschaftler noch Verlass, denn während in der Politik die Leugner und Versteher der globalen Erwärmung aus Furcht, sie könnten die Wähler langweilen, das Thema meiden, haben sie allen, bei denen sich in den letzten Tagen die frustrierende Vorstellung breit gemacht hat, jeder kommende Sommer würde so wie dieser ausfallen, Hoffnung gemacht – schon in vier Jahren plus einiger Wochen könnte alles wieder so wie früher sein. Frühestens dann würden die natürlichen Effekte, die den Wandel noch weiter anheizen, abklingen, meinen die Wissenschaftler. Im nächsten Jahr könnte, global gesehen, es aber noch schlimmer kommen. Eine Herausforderung für alle, besonders jedoch für die Gartenfreunde, die jahrelang gewohnt waren, ihren Nachbarn Erträge vorzugaukeln, die selbst für Bauern, die Monsantos vollständige Produktpalette auf ihre Äcker kippten, unerreichbar waren. Damit ist nun erst einmal Schluss. Aber die Gartenfreunde wären nicht Gartenfreunde, wenn sie sich nicht neue Ziele setzen würden. Eines könnte sein, miteinander zu wetteifern, wer den dürrefestesten Garten der Anlage hat. Da ich überhaupt nicht weiß, was ich tun muss, um zu erreichen, dass trotz extremer Trockenheit überhaupt etwas wächst, sehe ich mich im nächsten Jahr in mindestens einem Seminar, in dem mir ein Wissenschaftler erklärt, auf was ich zu achten haben, sitzen. Ich vermute, dieses wird genauso lustig wie das über den Baumschnitt, bei dem ein älterer Teilnehmer überhaupt nicht begreifen konnte, warum jene Äste, die steil noch oben gehen, weggeschnitten werden sollten. Ein Wissenschaftler wird mir dann sagen, wie man mit 20 Tropfen Wasser eine Zucchini heranziehen kann (im Gegensatz zum letzten Jahr sind die Blätter diesmal recht winzig ausgefallen, so dass es unmöglich ist, eine zu übersehen, geschweige denn eine Riesenzucchini, die vom Durchmesser her es mit einer Anakonda aufnehmen könnte, zu züchten). Die Israelis haben so viel Erfahrung auf diesem Gebiet, dass deren Spezialisten spätestens nach dem zweiten Dürre-Sommer ihre Seminare in große Hallen abhalten könnten. Ehrlich gesagt graut es mir, den gesamten Garten verkabeln zu müssen. Zig Pumpen und Verteiler müssten laufen. An jeder Tomatenpflanze sollte ein Tröpfchen-Geber stehen. Aus Angst, in diesem Wirrwarr etwas kaputtzumachen, betrete ich die Beete nur noch, um zu ernten. Mich würde nicht wundern, wenn man für die Gärten in der Zukunft genauso viel wie für ein Auto ausgeben müsste.

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