May – mal eben zu einer Doña Quijote mutiert

So schnell kann es gehen – vor wenigen Minuten noch Premierministerin, ist May wegen ihres Starrsinns, unbedingt ihren Deal durchsetzen zu wollen, zur Doña Quijote mutiert, denn sie hat die Abstimmung heute nicht knapp verloren, sondern ein Ergebnis erzielt, das sie in der Rangliste der höchsten Niederlagen im Parlament auf Platz 4 katapultiert. Und es sieht ganz danach aus, als machte es May nichts aus, wenn sie die Marke, mit der sie Januar des ersten Platz erobert hat, noch einmal überbieten würde. Wie Don Quijote eben, der entgegen jedweder Einsicht sich nicht davon hat abhalten lassen, die Dinge nicht so, wie sie sind, wahrzunehmen. Aber im Gegensatz zum Original, der seine Verschrobenheiten ausleben konnte, ist May ab heute eine Gefangene des Parlaments – statt die Members über ihre Vorstellungen von einem Brexit abstimmen zu lassen, muss sie nun das tun, was die von ihr wollen. Morgen geht es damit schon los. Dann wird nämlich darüber abgestimmt, ob das Königreich ohne ein Abkommen ausscheiden kann. Ein Nein ist wahrscheinlich, so dass am Donnerstag entschieden werden muss, ob das Land länger in der EU bleiben soll. May hat das bisher abgelehnt. Nun ist sie gezwungen, den Antrag zu stellen (was dieser Blog natürlich schon ihr im Januar, als sie die erste Abstimmung verlor, prophezeit hat). Corbyn liegt mit seiner Behauptung, sie würde die Uhr ticken lassen, ganz richtig – nur hat Doña Quijote nicht bemerkt, dass diese gegen sie arbeitet. Es war ein Trugschluss, zu glauben, jeder Tag, an dem sie keinen Kompromiss eingehen muss, würde hier helfen, das Parlament davon zu überzeugen, für ihren Deal zu stimmen. May hat sich damit gründlich verzockt. Es war die falsche Strategie. Und da weder Neuwahlen kommen, noch das Volk darüber abstimmen darf, ob es den Vertrag annehmen möchte, müssen die Parlamentarier nun das Kommando übernehmen. Und wenn selbst Labour-Abtrünnige wie Umunna erklären, nicht mehr unbedingt auf einer Volksabstimmung zu bestehen, sondern auch am norwegischen Modell Gefallen zu finden, stehen die Aussichten gar nicht mal so schlecht, dass der EU das Vereinigte Königreich in irgendeiner Form erhalten bleibt. Im Augenblick zieren sich die EU-Granden noch. Aber keine Bange. Die Milliarden Pfund, die UK zahlen muss, um die Vorteile in der Gemeinschaft genießen zu können, lassen bald selbst die winzigsten Zweifel verblassen, zumal die Briten nichts zu entscheiden haben.

Großer Erfolg für Corbyn – gerade einmal 3 Labour-Abgeordnete waren für den Deal. Besser kann es für ihn gar nicht laufen.

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Passend zum Frauentag – „Captain Marvel“

Das hat Hollywood wieder glänzend hinbekommen – pünktlich zum Frauentag darf eine Vertreterin des weiblichen Geschlechts eine Männerbastion erobern, und das auch noch mit Bravour, so dass ich das Kino mit dem Gefühl verließ, einen „Gründonnerstag“ erlebt zu haben – mir ist es wie den Jüngern, die mit Jesus das Abendmahl feierten, ergangen, ich wurde glänzend unterhalten. Das war fast schon wie zu DDR-Zeiten, als der Frauentag noch nicht dieses Karfreitags-Image hatte – statt auf die Straße zu gehen, um für die Gleichberechtigung zu demonstrieren, feierten damals die Frauen, wobei jene Männer, die an den üppigen Betriebsfeiern teilnehmen durften, die eigentlichen Nutznießer der Veranstaltungen waren. Mit „Captain Marvel“ ist die gewohnte Leichtigkeit, mit dem der Frauentag begangen wurde, wieder zurückgekehrt, was natürlich nicht den Blick auf die Ungerechtigkeiten, die es zwischen den Geschlechtern immer noch gibt, verstellen sollte. So würde es mich nicht wundern, wenn Brie Larson, die als „Captain“ es mit jedem Leinwand-Superhelden aufnehmen kann, sich für ihre Rolle mit einer weit geringeren Gage als ihre Star-Kollegen, die bei dem Betrag nur müde abwinken würden, hat zufrieden geben müssen. Aber da sind die Hollywood-Frauen, die als besonders tough gelten, dran, das zu ändern. Bei aller Euphorie – ein großer Teil des Erfolgs „Captain Marvels“ liegt auch darin, dass sie sie sehr männlich daherkommt. Wer fährt als Mädchen schon Co-Kart? Schon als Kind haben Blessuren wie eine blutige Lippe sie nicht davon abhalten können, mit dem Sport fortzufahren (ich glaub, es war Baseball). Daher ist der Film auch ein Statement, sich der Diktatur des Rosas, das ganze Mädchen-Generationen regelrecht verdorben hat, zu entziehen. (Mein Eindruck ist, dass die Jüngerinnen Heidi Klums besonders unter dem Terror, den diese Farbe ausstrahlt, zu leiden haben). Als „Captain“ muss sie dann noch viel mehr einstecken (bevor sie richtig austeilen kann). Insofern ist es ein Film, von dem am Frauentag die ganze Familie etwas hat. Und die nächste Folge steht schon parat. Ich bin gespannt, was Hollywood sich noch alles für weibliche Superhelden einfallen lassen wird. Was wird aber der nächste „Gründonnerstag“ vor einem Frauentag bringen? Eine Päpstin im Vatikan? Ich weiß nicht, ob ich mich darüber freuen würde. Bei Päpstinnen fallen mir immer die Frauen ein, die im Radio Fußballspiele schildern – immer wenn ich die Konferenz höre, was in letzter Zeit sehr selten der Fall war, wünsche ich mir, dass sie kein Tor verkünden müssen. Das ist nur etwas für ganz nervenstarke Leute. (Bei einem Tor für Schalke, denen es im Augenblick ziemlich dreckig geht, würde ich eine Ausnahme machen.)

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Macron – ein Bismarck unserer Zeit?

Macron will mehr Europa wagen und die FAZ heult (die meisten zwar auch, aber die ist am lautesten) – es ist fast so wie zu Brandts Zeit, als dieser bei seinem Amtsantritt versprach, mehr Demokratie zu wagen, was bei Studenten und jungen Leuten gut ankam, er damit jedoch in der konservativen Presse kaum auf Widerhall stieß. Wenn Macron vor einer Woche seinen Job als Präsident angetreten hätte, wäre ich voller Optimismus. Aber da er sich nach seinem Amtsantritt vor knapp zwei Jahren als Napoleon III., der im Gegensatz zum Original nicht kriegerisch veranlagt ist, gebarte, ist Skepsis angebracht, zumal er in schöner Regelmäßigkeit für Fauxpas, aus denen das gemeine Volk schlussfolgern muss, sie würden von einem König regiert (mindestens) sorgt.
Gäbe es die „Gilets jaunes“ nicht, würde Macron weiterhin Hof halten. Aber wenigstens haben ihn deren Proteste veranlasst, große Teile seiner Reformen zurücknehmen. Wegen seines Festhaltens an seinem Entschluss, die Vermögenssteuer abzuschaffen, was die meisten Franzosen befürworten würden, hat sein Nachgeben sich nicht noch in den Umfragen bemerkbar gemacht – Macron dümpelt weit unten herum. Selbst Hollande stand besser als er da. Wenn er nun eine europäische Arbeitslosenversicherung sowie einen europäischen Mindestlohn fordert, klingt das auf das Erste höchst spektakulär. Das war aber auch schon zu Bismarcks Zeiten, als dieser eine Komponente der Sozialversicherung, nämlich die Krankenversicherung, einführte, der Fall. Und man kann keineswegs sagen, dass die Menschen nach deren Einführung in Saus und Braus lebten.
Wenn man über Macron sagt, er würde in Puncto Machterhalt wie der Mann aus der Altmark ticken, dann muss er entweder psychisch krank oder ein Superpolitiker sein. Ich tippe auf letzteres. Sein Gespür für die Macht sagt ihm, dass er etwas tun muss, um die Europäer für Europa zu begeistern. Das geht nur über das Geld bzw. soziale Standards, die überall gelten. Die Erfahrungen aus den Ereignissen mit den „Gilets jaunes“ haben ihn hellhörig werden lassen. Die Deutschen sehen das natürlich anders – sie glauben, er wolle ihnen, die gemäß einer höchst umstrittenen Studie neben den Holländern die einzigen sein würden, die aus dem Euro nutzen ziehen, nur das Geld aus der Tasche ziehen. Vermutlich haben sie recht. Aber des Überlebens wegen wird ihnen wohl gar nichts anderes übrigbleiben, als dessen Programme umzusetzen. Vielleicht würde man mit seinen Forderungen nicht so harsch ins Gericht gehen, wenn er sich für die zweite Pipeline in der Ostsee hätte eingesetzt. Stattdessen hat er sie mit der Begründung, die Deutschen würden sich von den Russen abhängig machen, zu torpedieren versucht. Dass sein Energieunternehmen Total mit 10 Prozent bei einer russischen Firma, die das Gas mit Schiffen transportiert, einsteigt, steigert nicht gerade dessen Glaubwürdigkeit. Wie gesagt – wäre Macron Brandt, könnten wir alle optimistisch sein.

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Bringt Tesla eine Instition zu Fall?

Mercedes, BMW, Porsche,…. – Tesla hat sie alle geschafft, doch nun hat die Firma eine Gruppe, die wundersamer Weise ihrer Prophezeiung, sie würde das Internetzeitalter nicht überleben, Lügen gestraft hat (vor 10 Jahren kam sie so überzeugend rüber, dass man annehme konnte, die Seher müssen das Orakel von Delphi angezapft haben), ins Visier genommen – das deutsche Autohaus, auf dessen Dienste Tesla in Zukunft verzichten will, was einer Revolution gleichkommt, denn die Deutschen lieben ihrer Autohäuser mehr als ihre beiden Großkirchen. Während Letztgenannte von der Substanz leben (zum Glück haben ihre Brüder in den vergangenen Jahrhunderten recht solide gebaut), ist die Autobranche nicht davor zurückgeschreckt, bei den Kirchen zu wildern und ihre eigenen Kathedralen, deren Eintritt nicht ganz billig ist, zu bauen. Da ich mich nicht erinnern kann, dass eine dieser heiligen Hallen Verlust gemacht hat, muss das Geschäft ganz gut laufen. Darauf kann sich Tesla aus Kostengründen natürlich nicht einlassen. Den einzigen Luxus, der bei einem Direktvertrieb möglich sein würde, wäre, den Kunden zu ermöglichen, von New York aus gemeinsam mit ihrem neuen Auto die Fahrt über den Atlantik anzutreten. Wer im Herbst, wenn es besonders rau im Norden wird, bucht, hat vielleicht dann sogar das Glück, wegen der geringeren Auslastung das Auto schon an Deck testen zu dürfen. Will die Tesla-Klientel das überhaupt? Eher wohl nicht. Ich glaube, Tesla-Fahrer sehen sich als Pioniere. Die wollen natürlich etwas besonderes sein. Und da sie nicht nur ein spezielles Fahrzeug fahren, sondern bald auch nicht mehr in die Werkstatt müssen, dürfte Musks Ankündigung, Zwischenhändler wegzulassen, sie noch stolzer werden lassen, zumal bei Problemen eine mobile Pannenhilfe helfen soll. Das verspricht Aufregung für die gesamte Straße. Mich würde nicht wundern, wenn Teslas mobiles Einsatzfahrzeug der Knüller im Programm der Firma wird – sobald das Fahrzeug kommt, geraten die Gardinen in Bewegung, weil jeder sehen will, was da unten beim Auto des Nachbarn vor sich geht. Die Erwartungen sind natürlich auch hoch. Eigentlich kann Tesla sie gar nicht erfüllen. Wie bspw. den halbjährlichen Reifenwechsel, von dem ich denke, dass er vor Haustür gemacht wird. Natürlich stelle ich mir nicht vor, dass dieser so abläuft, wie man ihn auf der Autobahn zu sehen bekommt. Tesla macht daraus ein Ereignis – zuerst bugsiert der Automechaniker die mobile Hebebühne, so groß wie ein Anhänger, den die Leuten nutzen, um ihre Gartenabfälle wegzubringen (natürlich flacher), unter das Auto. Ist das Auto hochgefahren, drückt er auf einen Knopf, worauf vier Roboter, die alle um einen Meter hoch sind, aussteigen. Die brauchen eine kurze Zeit, um mir ihren Kameras erfassen, mit welchen Reifentyp sie es zu tun haben. Haben sie das gecheckt, geht es so schnell wie bei der Formel 1 – im Nu ist er abmontiert, ins Einsatzfahrzeug gerollt (natürlich lagert Tesla die Reifen bei sich) und der neue dran. Das ist nur eine Frage von wenigen Minuten. Wenn das kein Marketinggag ist? Teslas Pannendienst hat das Zeug, den weihnachtlichen Coca-Cola Lastern den Rang abzulaufen. Wer will da noch in Autohaus.

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Milliardär mit Zeitungstick gesucht

Milliardäre gibt es zwar viele, jedoch kenne ich nur einen, der sich als Hobby eine Zeitung hält, so dass dieser Kolumne nun gar nichts anderes übrig bleibt, als Reklame für die hiesige Regionalzeitung, über die heute zu lesen ist, sie solle verkauft werden, in der Hoffnung zu machen, einen hyperaktiven Milliardär, der nicht nur als Technikpionier in die Geschichte eingehen will, davon zu überzeugen, es mal mit Zeitungen zu versuchen. Im Gegensatz zu den sogenannten überregionalen Qualitätsmedien, bei denen es für den neuen Verleger nur darum geht, das Niveau zu halten, bietet unsere hiesige Zeitung einem Milliardär die Chance, seinen Nachruf mit ein oder zwei Absätzen die ausschließlich dessen Medienaktivitäten zum Inhalt haben, aufzuhübschen. Eine Zeitung für Milliardäre mit dem Ehrgeiz, auf allen Gebieten, die sie interessieren, herausragend vollbringen zu müssen. Ich denke da an Chinesen, die nicht nur in ihrer Heimat berühmt sein möchten. Halle bietet ihnen die Möglichkeit, auch in Deutschland bekannt zu werden (eine englischsprachige Ausgabe wäre natürlich noch besser). Eine Zeitung zu besitzen hat zudem den Vorteil, Herr der Dinge zu bleiben, was heute nicht ganz selbstverständlich ist, wie die Aktion Kepas, der sich weigerte, sich vor dem Elfmeterschießen im Cupfinale gegen ManCity austauschen zu lassen, zeigte. Er darf bei Chelsea natürlich weitermachen. In Rom war das noch ganz anders – da wurden Gladiatoren, die sich weigerten, gegen Löwen zu kämpfen (bspw. indem sich sich tot stellten), gnadenlos ausgepfiffen. (Damals wollten Leute noch etwas sehen für ihr Geld.) Dagegen leben die heutigen Kämpfer im Schlaraffenland – keiner seiner Mitspieler hat ihn aufgefordert, den Anweisungen des Trainers zu folgen, geschweige denn haben sich die Fans über dessen Gebaren erbost. Während Rom mehrere Jahrhunderte Gladiatorenspiele gesehen hat, ist es äußerst fraglich, ob es den Fußball in seiner heutigen Form noch in zehn oder zwanzig Jahren geben wird – eine Geldvernichtungsmaschine, in der locker Millionen zu Asche gemacht werden. Eine Verkäuferin, die Angst haben muss, wegen eines trockenen Brötchens ihren Job zu verlieren, kann von diesen paradiesischen Zuständen nur träumen. Welcher Milliardär will noch Geld in eine Branche, dessen Mitarbeiter nicht davor zurückschrecken, den großzügigen Geldspender zu brüskieren, investieren? Und die womöglich gar noch weniger Betuchte animieren, es genauso zu machen? Da ist es doch besser, sich eine Zeitung anzuschaffen. Die hat den Vorteil, dass man unliebsame Journalisten wesentlich unspektakulärer als Topfußballer los wird.

PS: Angebote für unsere Regionalzeitung nimmt diese Kolumne gerne entgegen. Natürlich können auch Leute kaufen, die die Absicht haben, die Zeitung als Genossenschaft weiterführen zu wollen.

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Werden die „S!sters“ zu Messiasinnen?

„S!sters“, die das Potential haben, zu „Messiasinnen“ zu werden, denn dank der deutschen Fernsehzuschauer, die gestern die „S!sters“ auserkoren, sie beim „Grand Prix“ zu vertreten, ist ihr Einzug ins „Heilige Land“ (Grundvoraussetzung für alle, die sich vorgenommen haben, „Messias/innen“ zu werden) sicher – bis heute früh wäre mir nie eingefallen, dass so etwas möglich sein könnte. Da die „S!sters“ es schafften, schon nach den ersten Zeilen meine überheblich-zweifelnde Neugier wegzusingen, die sich immer einstellt, wenn ich mich daranmache, die Musik derer zu hören, die uns vertreten (eine Barriere, so mächtig wie die Chinesische Mauer), bin ich mir ziemlich sicher, dass die „S!sters“ vorne landen werden, ja sie mit ihren Lied „Sister“ (die Namen sind schon etwas irritierend, aber im Vergleich zur Geschichte Jesu hält sich das Wirrwarr noch in Grenzen) die Chance habe, eine Region zu versöhnen. Die „S!sters“, die nur Schwestern auf der Bühne sind, singen nämlich darüber, wie Mädchen, die dazu verdonnert sind, zusammen groß zu werden, miteinander umgehen – ziemlich haarig geht es da zu, was für jemanden, der ohne Geschwister aufwuchs, nur schwer verständlich ist. Bei aller Offenheit der „S!sters“ – an einem Klischee, das hierzulande Pluspunkte zu bringen scheint, im „Heiligen Land“ aber unbedingt vermieden werden sollte, kamen die beiden nicht vorbei; die jüngere Schwester ist blond. (Dagegen ließe sich natürlich einwenden, dass es für die Emanzipation unter den Frauen ganz gut wäre, wenn auch eine Blonde Messiasinne werden könnte.) Aber natürlich geht es im Lied nicht um Streit, sondern um Versöhnung, womit ich bei Israelis und Palästinensern wäre, die im Gegensatz zu den „S!stern“ sich noch nicht gegenseitig eingestanden haben, was der einer dem anderen angetan hat. Ohne die wird es kaum gelingen, beide dazu zu bringen, sich gegenseitig wertzuschätzen. Aber nun kommen die „S!sters“, die zeigen, wie es geht. Wenn der Verstand nicht mitmacht, müssen Gefühle ran. Das war bei Jesus nicht anders. Beide werden sich im „Heiligen Land“ gehörig ins Zeug legen. Da bin ich mir ganz sicher.

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Linke – lernen sie denn wirklich nie dazu?

Typische Linke – während die Rechten das Chaos, das sie angerichtet haben, vereint, nehmen sie das Tohuwabohu zum Anlass, sich gründlich untereinander zu zerstreiten, wie der Ausstieg von 7 Labour- Abgeordneten ausgerechnet in einer Zeit, in der die Partei jeden Mann braucht, zeigt, Es scheint so, als ob Linke Geschichte nicht nur wiederholen, sondern sie gar immer wieder in eine Schleife, aus der man nur mit einem Reset herauskommt, geraten. Das wäre wohl die einfachste Theorie, deren Missgriffe zu erklären. Linke lernen eben nie – wenn es darauf ankommt, versagen sie meistens. Bei den 7 liegt der Fall aber anders – im Gegensatz zu ihren Beteuerungen, auszutreten, weil die Corbyn nicht genug gegen den Brexit tun würde (Stichwort People‘s Vote), zielt wohl deren Weggang eher darauf ab, in der Nach-EU-Ära mit einer neuen Partei jene zu umwerben, die mit den beiden etablierten Parteien wegen deren Unfähigkeit, die befriedigende Ausstiegslösung zu präsentieren, höchst unzufrieden sind. Sprich das ist eine Partei, die vom Scheitern ihrer Parlamentskollegen lebt. Sie würden dann zu den wenigen unbelasteten Abgeordneten gehören, was sie automatisch für frustrierte Wähler, deren Anzahl rapide nach oben schnellen würde, sollte nicht doch noch ein Wunder bis zum 29.03. geschehen, interessant macht, so deren Kalkül. Je größer das Desaster, desto größer deren Chancen, bei den nächsten Wählen zur drittstärksten Partei zu werden. Aber sind das überhaupt noch Linke? Da Corbyn im Augenblick alles richtig macht, kommen schon Zweifel auf, ob sie sich nicht die falsche Partei ausgesucht haben. Er hat sich an die Gepflogenheiten gehalten, indem er immer über Abstimmungen im Parlament versucht hat, Labours Vorstellungen durchzusetzen. Zu Eigentümlichkeiten des Brexits gehört es, dass weder er noch May Abstimmungen gewinnen können. (Um Situationen wie jene im Königreich zu vermeiden wäre es vielleicht ganz ratsam, nach einer bestimmten Anzahl von Remis in Westminster einen Tie-Break, also eine Schnellabstimmung, zu vereinbaren.) Eine Volksabstimmung wäre auch ein gutes Mittel, den Gleichstand aufzuheben. Sollte es dazu kommen, dürfen sich die 7 diesen nicht auf ihre Fahnen schreiben. Das wäre dann ein Erfolg der Linken.

Haben Sie geglaubt, dass Karl Lagerfeld könnte mal sterben? Ich jedenfalls nicht. Den Mann, der sich immer kleidete, als sei er Mitte 30, hat es nun doch erwischt. Er hat immer so getan, als hätte er die ewige Jugend. Über Leute, die Jogginghosen tragen, hat er gesagt, sie hätten die Kontrolle über ihr Leben verloren. Grundlegend anders hat er sich jedoch auch nicht gekleidet – immer Stiefel, immer enganliegende Hosen, immer in Schwarz. Sonderlich einfallsreich war das nicht. Über ihn kann man sagen, dass Auftreten einfach alles ist. Während sein Outfit recht langweilig war, hat es immer Spaß gemacht, ihm zuzuhören. Höchst unterhaltend, der Mann. Eben ein Original.

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Der Aufstand der Jugendlichen

Ist das der Beginn des Aufstands der Jugendlichen? Nach Maßstäben, die ein bayerischer Kabarettist gesetzt hat, der einem Nachbarsjungen androhte, ihn zu verdreschen, wenn er sich nicht endlich an seinem Fahrrad vergreife, wie bspw. die Luft herunterzulassen oder es auf einen Baum zu hängen (alles Späße, die in seiner Jugend üblich waren), ist Skepsis angebracht – freitags immer ein oder zwei Unterrichtsstunden sausen zu lassen, um auf dem Marktplatz für das Klima zu kämpfen, zeigt, wie erwachsen die heutigen Jugendlichen schon sind. Wo bleibt deren Spontanität? Und wenn ich noch lese, dass sie hauptsächlich gegen die Braunkohleverstromung sind (jedenfalls in Halle), werde ich den Verdacht nicht los, ihre ums Klima besorgten Mütter könnten sie in ihren riesigen Chelsea-Traktoren zur Demo gefahren haben. Als ich heute versucht habe, herauszufinden, wie die gestrige Aktion gelaufen ist, wurde mir klar, dass sich in den Ferien die jüngsten Umweltaktivisten auch vom vielen Demonstrieren erholt haben. Bevor sie nächste Woche wieder ans Werk gehen, sollten sie sich überlegen, ob sie schon alle Mittel ausgeschöpft haben, ihre Eltern zu besseren Menschen zu machen. Da sie schon aus dem Alter, in dem Aktionen wie die oben aufgeführten toleriert bzw. milde bestraft werden, heraus sind, stehen sie vor einer Herkulesaufgabe – ihnen bleibt nur, ihre Eltern mit Argumenten und rhetorischen Kniffen auf den Pfad der Erleuchtung zu führen. Vielleicht strafen sie mich Lügen – vielleicht sind die Jugendlichen, die die Dinge nüchtern sehen und dementsprechend ihren Protest ausrichten, die neuen 68ger, die für einen radikalen Wechsel in der Umweltpolitik sorgen. Aber zurück zu unseren bayerischen Kabarettisten, dessen Auftritt einige Zeit her ist. Vermutlich würde er von seinem Nachbarsjungen heute ganz andere Dinge fordern. Sachen, die dem Klima helfen. Aber wie sieht kindgerechter Widerstand gegen die globale Erwärmung aus? Ein Bayer würde auf eine Ludwig-Thoma-Geschichte verweisen. Viele der darin vorkommenden Streiche sind heute zwar nur noch schwer möglich, jedoch geben dessen Bücher und deren Verfilmungen den Kindern eine Vorstellung, in welchem Rahmen ihr Schabernack sich halten sollte. Die Amerikaner, denen es immer wieder gelingt, neue Facetten des Kinderprotests zu erfinden, sind auch eine gute Hilfe, zu lernen, wie man protestiert. (Auf einen Kevin, der in seiner Nachbarschaft Umweltsünder drangsaliert, müssen wir wohl noch einige Zeit warten.)

PS: Wer bewahrt die Kinder im Kusbass davor, im schwarzen Schnee spielen zu müssen? Die Bilder sind besorgniserregend. Das schreit nach Ablösung des dort zuständigen Oligarchen. Spaß beiseite – es sieht ganz danach aus, als ob Russland neben der Armut (19 Millionen) (weiterhin) auch Umweltprobleme hätte.

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Ohne Internet – Yandex macht es möglich

Das Internet wird national, und bei allen Ängsten, Putin könnte den Chinesen folgen, die mit ihrer „Great Firewall“ Medien, die sich kritisch über die Politik der herrschenden Kommunisten äußern, bequem vom Land fernhalten, muss man den Russen zugute halten, dass sie als einzige sich solch ein Experiment – die Russen planen, für kurze Zeit ein nationales Netz, das vom Internet getrennt ist, zu simulieren – überhaupt leisten können. Davon kann der Rest der Welt mit Ausnahme der Amerikaner und Chinesen nur träumen. Der Grund? Während wir hierzulande uns auf die Links, die im Browser unter den Lesezeichen geführt werden, verlassen müssten, sollte Merkel etwas Ähnliches planen, können die Russen weiterhin auf ihre Suchmaschine, die diesen Blog schon seit Jahren ignoriert, zurückgreifen – Yandex ist der Schlüssel, der die Trennung vom Internet erst möglich macht. Ohne eigene Suchmaschine funktioniert die Abkopplung nicht. Man braucht es gar nicht erst zu probieren. Und da Yandex in Russland beliebter als Google ist, sollte es den Russen nicht allzu schwerfallen, die Stunden, in denen sie unter sich sind, einigermaßen glimpflich über die Runden zu bringen. Dass bei Google, über das zu lesen war, sie würde mehr Strafe als Steuern zahlen, nicht die Alarmglocken läuten, liegt nur daran, dass der Rest der Welt, allen voran Europa, es versäumt hat, ein eigenes System aufzubauen. Wir sind abhängig von den Amerikanern. Und werden es wohl auch bis in alle Ewigkeit bleiben. Aber was bezweckt Putin? Hat er den (angeblichen) Krieg gegen Clinton und für Trump nur geführt, um Gegenattacken zu provozieren, die seinen Landsleuten klarmachen, wie notwendig es ist, sich abzuschotten? Genaues weiß man nicht. Fest steht nur, dass die Russen über einen langen Zeitraum planen. Yandex wurde vor 20 Jahren gegründet. 2010 hatte man schon 64 Prozent aller russischen Sucher im Internet für sich gewonnen (die englische Wiki-Ausgabe schreibt, die Anteil betrüge im Augenblick 52 Prozent). Ein Misserfolg im Frühjahr wird die Russen nicht davon abhalten, es noch einmal zu versuchen.

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Die ewige Frage – konnte der Führer malen?

Schadet es dem Ruf des Führers, Inbegriff des Bösen zu sein, wenn man ihm zugesteht, dass er malen konnte? Wenn sich diese Frage stellt, muss wieder ein Bild, das er gemalt haben soll, aufgetaucht sein, und ausgerechnet in Nürnberg, wo er die Deutschen verdonnerte, ihm zu huldigen (was alle auch in voller Inbrunst taten), soll es heute versteigert werden. 45.000 € erhofft sich der Auktionator – im Vergleich zum Schaden, den der Führer angerichtet hat, ein Wassertropfen, der noch vor seiner Ladung auf dem heißen Stein verdunstet ist. Einen Hitler in der Sammlung zu haben ist eben nicht jedermanns Sache, wobei natürlich auch eine Rolle spielt, dass dessen Bilder kaum jemand kennt. Während die Gäste eines Sammlers, der vor dem Abendessen seine Erwerbungen präsentiert, vor einem von Gogh sofort sagen, „Oh, das ist ein van Gogh!“, muss dessen stolzer Besitzer vor einem Führer bzw. Hitler die Leute immer auffordern, zu raten, von wem denn dieses Gemälde sein könnte, was zwar zehnmal interessanter ist, als sich eine deutsche „Fernsehraterunde“ anzuschauen, aber auf die Dauer auch langweilig wird. Dass diese Kolumne nun einen Link zu einer Webseite, auf der die Werke des Führers zu finden sind, setzt, geschieht keineswegs in der Absicht, den Sammlern das Fragen zu ersparen, sondern um herauszufinden, wie es um die Fähigkeiten des Führers bestellt war. Da trifft sich es gut, dass einer seiner großen Widersacher auch Maler war. Churchill und Hitler – wer war der Bessere von den beiden? Diese Kolumne glaubt zu wissen, dass Churchill mehr Phantasie als der Führer hatte, also Hitler mehr den Geschmack des Menschen, der meint, ein Gemälde müsse die Realität abbilden, traf, während der Brite es mit dieser nicht so genau nahm, sondern diese interpretierte. Da Churchills Werke sich fast ausschließlich Szenen von der Côte d’Azur zeigen, stellt sich die Frage, ob aus dem Hitler ein Führer geworden wäre, wenn die Kunstschule, die ihn in Wien ablehnte, ihm geraten hätte, er solle es nach einem Jahr im Süden Frankreichs noch einmal versuchen. (Um nicht den Eindruck zu erwecken, der Führer sei Opfer der Umstände geworden, muss gesagt werden, dass es auch berühmte Maler gibt, die nicht am Mittelmeer waren.) Aber was wäre das Gemälde wert, wenn niemand wüsste, wer es gemalt hat? Vermutlich müsste sich der Auktionator mit einem Preis, den ein Straßenmaler in Paris nimmt, zufrieden geben. Oder gar weniger. Da der Führer es beim Malen sehr genau nahm, lässt sich mit Sicherheit sagen, dass es schon damals, also nach der Jahrhundertwende, lange Trockenperioden gegeben haben muss – der spärliche Graswuchs am Ufer des Sees lässt das jedenfalls vermuten. Holmes – übernehmen Sie!

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