Kruzifixe und Autobahnen

Verrückte Welt – während sie in Syrien die Schwarzen Banner einholen, lässt Söder in den bayerischen Amtsstuben Kruzifixe aufhängen, und das sogar ohne den Protest der beiden Kirchen, die wegen des Grundsatzes, dass Kirche und Staat getrennt sein sollen, dagegen hätten protestieren müssen, zumal wenn sich der Eindruck auftut, er wolle mithilfe der Kruzifixe Wähler, die zur AfD übergelaufen sind, zurückholen. Die Jesuse an den Kreuzen müssen als Symbol dafür, dass seine Beamten zu den Werten des Abendlandes stehen, herhalten. Die Bischöfe sollten sich dagegen verwahren, dass Jesus dazu missbraucht wird, rechte Konservative, von denen viele mit der Kirche nichts mehr zu tun haben wollen, zu ködern. Die Kruzifixe machen aus denen keine strammen Kirchgänger, jedoch ist deren publikumswirksames Anbringen als Geste zu verstehen, den einen oder anderen Fahnenflüchtling davon zu überzeugen, wieder die CSU zu wählen. Ein Protest würde der Kirche vermutlich einen Eintrittsboom, der angesichts steigender Austrittszahlen bisher als völlig ausgeschlossen betrachte wurde, einbringen. Sie muss es nur wagen. Zu verlieren hat sie eh nichts. Für Söder könnte die Aktion aber gefährlich werden, nämlich dann, wenn sich herausstellen sollte, dass die vielen Kruzifixe in China hergestellt wurden. Dann würde es ihm so wie May, die für ihre Entscheidung, die Brexit-Pässe in Frankreich drucken zu lassen, schwer kritisiert wurde, ergehen.

Neben den Kruzifixen gibt es noch ein Symbol, mit der man Staat machen kann, wie die Euphorie, die gerade in Halle herrscht, zeigt – es geht um Autobahn, von der, wenn sie einmal die Stadt weiträumig umschlossen hat, die Leute wahre Wunderdinge, die selbst Jesus nicht imstande wäre, zu vollbringen, erwarten. Dank des Lückenschlusses würde es keine Staus mehr geben, LKW würden die Stadt umfahren und die Dieselautobesitzer bräuchten keine Fahrverbote zu fürchten. Dabei ist längst ausgemacht, dass die Pendler für den schleppenden Verkehr verantwortlich sind, darum vom Ring wegen des geringen Verkehrsaufkommens nur jene, die es genießen, ihre Autos am Limit zu bewegen, profitieren werden. Der Westteil des Rings wird ein Eldorado für Geschwindigkeitsfanatiker sein, da bin ich mir ganz sicher. Die Stadt braucht keinen Ring für den Fernverkehr, sondern einen für Pendler, die dann nicht mehr durch die Innenstadt zu fahren bräuchten, um zu ihren Arbeitsstellen zu kommen. In den 90erm hätte diese Forderung (Stichwort Nord-Ost-Tangente mit einer Brücke über die Saale) noch Sinn gemacht. Angesichts des Klimawandels sowie der Ungewissheit, wie das Auto der Zukunft angetrieben werden soll, weiß niemand so recht, ob in 10 Jahren das Autofahren ein Privileg für einige Gutbetuchte sein wird.

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