Kommt nun der Partisanenkrieg?

Und den könnte ausgerechnet der „Aggressor“ führen, was einen Regelverstoß, der bisher höchst selten vorgekommen sein muss (dem Blog fällt keiner ein), darstellen würde, denn bisher hat es immer geheißen, dass nur ein Land, das angegriffen wurde, einen Partisanenkrieg führen darf. Da aber nach dem Einmarsch der Russen in die Ukraine eh alles nicht mehr so ist, wie es einmal war, wäre es nicht verwunderlich, wenn auch dieses Gesetz gebrochen würde. Vermutlich hat es auch damit zu tun, dass sich die Ukraine nicht ans übliche Szenerio gehalten hat. Das besagt, dass der Überfallende die Städte aufgibt, um vom Lande aus zu versuchen, dem Einfallenden das Leben so schwer wie möglich zu machen. In Afghanistan hat das gut funktioniert. Die Ukrainer verteidigen stattdessen mit aller Macht Städte und Siedlungen. Sollten den Russen, nachdem sie einen Abschnitte der einzigen Verkehrsader, über die noch Nachschub in die beiden östlichsten Großstädte gelangt, erobert haben, auf den Gedanken kommen, ins angrenzende Gebiet Spezialkräfte zu senden, deren Aufgabe darin besteht, die dort entlanglaufenden Landstraßen unsicher zu machen, wäre dies ein Partisanenkrieg, jedoch ohne echte Partisanen, da es sich um reguläre Einheiten handeln würde. Diese Art des Kriegs, von dem die hiesigen Medien dachten, die Ukrainer würden ihn führen, käme den Russen sehr gelegen. Verkehrte Welt. SpiegelOnline hat sich gestern darüber amüsiert, dass die Russen Brücken, die auf ihrem Vormarschgebiet lägen, sprengen würden. Die bestreiten das natürlich. Eher haben wohl die Ukrainer die letzte passierbare Brücke in der Sjewjerodonezk zerstört, so dass den Soldaten, die es nicht geschafft haben, sich abzusetzen, nichts anderes übrig bleibt, als bis zum bitteren Ende weiterzukämpfen. Den Russen, die im Begriff sind, einige Kilometer weiter im Westen die Zufahrt zu den beiden Städten abzuschneiden, können sich darüber nur freuen – je geballter ihnen die Ukrainer gegenüberstehen, desto größer sind ihre Chancen, sie zu besiegen. Und da es deren Devise ist, keine Stadt aufzugeben, können sich die Russen ziemlich sicher sein, dass nur wenige sich aufs Land, wo sie eine weitaus größer Gefahr für sie darstellen würden, verirren werden.

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