In Schönheit sterben

Heute ist ein ganz besonderer „Gadget-Tag“ – erstmals hat es eine Firma gewagt, seine neuesten Produkte am gleichen Tag wie der Primus Apple vorzustellen (ich lasse ich mich gerne eines besseren belehren, falls dies vorher schon einmal der Fall gewesen sein sollte). Ausgerechnet Nokia, dessen Management geglaubt hat, ihre Firma könne es sich für alle Ewigkeit auf dem Handy-Thron bequem machen – mit dem Resultat, dass Microsoft nun deren Mobilfunksparte übernimmt –, hat den Mumm, dem Branchenführer die Stirn zu bieten. Nokia Hasser, von denen es, nicht zuletzt wegen der Schließung des Werkes in Bochum, eine Menge gibt, würden einwerfen, dass sich deren Gebaren nicht geändert habe – die Welt könne nicht nur vornehm, sondern auch arrogant zugrunde gehen. Das mag sein, jedoch muss ich Nokia zugute halten, dass es sich mit Eleganz und Schick als eigenständiges Unternehmen verabschiedet. In der Art, wie traditionsreiche britische Automarken ihre Abschiede zelebrierten – technisch waren die Fahrzeuge zwar nicht ganz auf der Höhe der Zeit, dafür aber immer todschick. In Nokias erstes und gleichzeitig auch letztes Tablet (Lumia 2520) könnte ich mich fast verlieben. Daran sind nur die Kacheln schuld. Mit einer Benutzeroberfläche, wie Apple sie anbietet, sähe das Gerät völlig verloren aus. Beide würden nicht zusammenpassen, sich gar beißen. Nokia kann für sich in Anspruch nehmen, ein Gerät, dessen Design ganz und gar nach dem Aussehen der Fenster ausgerichtet wurde, entworfen zu haben. Zudem ist es noch unverwechselbar. Beide bilden eine Einheit. Apples Pods und Pads wirken da ein wenig altbacken. Gehäuse und Oberfläche bilden keine Einheit. Es gibt nichts Originelles zu entdecken. Die Icons stehen weiterhin alle in Reih und Glied. Was das Aussehen betrifft, vermittelt mir Apple nicht das Gefühl, etwas Außergewöhnliches zu besitzen. Das wirkt alles sehr klobig. Ich glaube, die Firma ist auf dem Weg, es den deutschen Autofirmen, allen voran Audi oder BMW, gleichzutun – deren Autos sind zwar nicht sonderlich schön, dafür aber komfortabel. Sie würden außerdem vielseitig, innovativ, sexy (? auch mein Lieblingsautotester kann sich mal irren) und praktisch sein. Was will Apple mehr?

Während Nokia (zumindest vorerst) seinen Namen behalten darf, muss Sachsen-Anhalt, sollten, zugegebenermaßen wider Erwarten, genügend Leute der Meinung sein, das Land müsse sich mit Thüringen und Sachsen zusammenschließen, um seinen fürchten. „Sachsen-Thüringen“ soll das neue Gebilde heißen. Eigentlich spräche nichts dagegen, „Anhalt“ hinten anzufügen. „Sachsen-Thüringen-Anhalt“ klingt viel vornehmer. Da bis zum Ende des 2. Weltkriegs Anhalt nicht zur Provinz Sachsen, die preußisch war, gehörte, sollte den Nicht-Anhaltinern der Wechsel leicht fallen. Die Frage ist nur, ob die anderen uns überhaupt wollen. Schließlich sind wir als „Frühaufsteher“ verschrien. Die sind nicht sonderlich beliebt. Mir fällt nur ein sympathischer ein (Mr. Turner, der mit „Brummpa“ in aller Frühe eine Vogelerkundungstour macht). Ich bin fast geneigt, zu glauben, unsere Werbung nervt die anderen derart, dass nur noch die Bewohner Sachen-Anhalts diese zu sehen bekommen. Wie ich darauf komme? Oft sehe ich auf Webseiten, die ich öfter besuche, eine junge Frau, die stolz darauf ist, früh aufzustehen. Wissen die Betreiber nicht, woher ich komme? Die Werbung muss so verhasst sein, dass jene, die sie schalten, beschlossen haben, sie gegen die Einwohner dieses Landes zu richten. Das sind wahrlich keine guten Aussichten für eine Vereinigung.

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