Hofft Putin auf ein Szenario wie in den Sudeten?

Wenn alle vom Krieg reden, kann der Blog nicht zurückstehen – wenn es einen Grund gibt, die Ukraine anzugreifen, dann wohl den, dass Putin fürchtet, nicht in allzu ferner Zeit an ein Land zu grenzen, dessen Bevölkerung genauso russophob wie jene Polens sein könnte (der Blog geht davon aus, dass das Klischee, jeder Pole würde die Russen hassen, stimmt). Das wäre immerhin 40 Millionen Leute. Die möchte man nicht vor der eigenen Haustür haben, zumal wenn man glaubt, ein großer Teil der Bevölkerung des Landes würde immer noch unterstützen. Glaubt Putin an ein Szenario wie jenes in den Sudeten? Im Gegensatz zu Hitler, der die Großmächte bemühen musste, um in die Sudeten, dessen Bevölkerung unbedingt ins Reich wollte, einmarschieren zu können, hat der Kreml ohne fremde Hilfe und fast ohne Opfer (3 Leute starben) die Krim erobert. Viele der ukrainischen Soldaten wechselten die Seiten (fast die Hälfte, wenn man von der höchsten Truppenstärke, die 2014 zur Verfügung gestanden haben soll, ausgeht). Im Gegensatz zu den Sudetendeutschen, die dem Führer nur als Kanonenfutter gedient haben, machen die übergelaufenen Offiziere Karriere in den russischen Flotten. (Getreu dem Motto Trotzkis, der für seine Rote Armee sich beim Offizierskorps des Zaren bediente. Die Deutschen haben sich, als sie noch Kriege führten, auf diesem Gebiet wesentlich schwerer getan.) Und da der Kreml die Regierung in Kiew glaubhaft für den einzigen Misserfolg, den er aufzuweisen hat, verantwortlich machen kann (die Ukraine hat die Wasserzufuhr abgeschnitten), wäre es nicht verwunderlich, wenn die Planer glauben, sie könnten noch einmal von einem „Fall Sudeten“ profitieren. Es müssen ja nicht unbedingt die Menschen auf den Straßen stehen, um den Soldaten zuzujubeln, wie es im Oktober 1938 der Fall war. In Moskau würde man sich schon darüber freuen, wenn die ukrainische Armee Hals über Kopf die Flucht ergriffe und es in den gewonnen Gebieten ruhig bleiben würde. Und das man sich in Russland alle Mühe gibt, den Eindruck zu vermitteln, man könne es sich leisten, offiziell in den Konflikt in der Ukraine einzugreifen (man könne nicht aus dem Swift ausgeschlossen werden), ist durchaus der Eindruck berechtigt, die Regierung würde die Bevölkerung auf eine Auseinandersetzung einstimmen. Die NATO dient dabei nur als Vorwand. Vielmehr ist man im Kreml zur Einschätzung gekommen, dass in absehbarer Zeit kein Politiker, der ankündigt, sich mit Russland versöhnen zu wollen, es an die Spitze des Landes schaffen wird. Wegen der katastrophalen Niederlagen ist Russophobie angesagt. Dabei wurde die Krim für die Ukraine erst interessant, als man sie verloren hatte.

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