Grass – wenigstens wird es nicht langweilig

Literaturnobelpreisträger müsste man sein, hochbetagt noch dazu, denn dann könnte man bei diversen Zeitungen anfragen, ob sie nicht Lust hätten, ein Gedicht zu veröffentlichen, von dem man weiß, dass sich die Eliten darüber empören werden. Damit nicht genug. Stirbt man noch als solcher, kann man sich zudem noch sicher sein, nur von den Verwandten und engsten Freuden zu Grabe getragen zu werden – es gibt keinen Brennpunkt in der ARD, Frau Merkel wird kein Beileidstelegramm schicken und in den Zeitungen fällt die Würdigung des Lebenswerkes erheblich kürzer aus; statt drei Seiten gibt es nur noch eine.
Wenn ein Autor wie Grass etwas zu Papier bringt, aus dem viele schließen, er sei Antisemit, ist es wirklich nicht abwegig, zu vermuten, er wolle der Welt zeigen, wie sehr er sie verachte. Die 2 Strophe hat es, wenn man sie nur für sich betrachtet, auch richtig in sich – da behauptet er nämlich, ein Erstschlag (der Israelis) könnte das iranische Volk auslöschen. Der Spiegel hat sich gleich dran gemacht, dies zu prüfen, ob dies der Fall sein werde – natürlich nicht. Aber wenn Grass am Ende der 1. Strophe anklingen lässt, dass wir (sicherlich die Menschheit bzw. die Deutschen) als Überlebende allenfalls Fußnoten wären, vermute ich, dass er glaubt, bei uns würde es auch Krieg geben, der Konflikt, der aus einem Erstschlag resultiere, also nicht auf den Nahen Osten begrenzt bliebe, sondern einen Flächenbrand auslöse. Grass glaubt, dass die Iraner, da sie isoliert sind, am meisten leiden werden. Der Text der 1. Strophe lässt, wie ich finde, eine solche Interpretation durchaus zu. Die Menschen, die nicht im 2. Weltkrieg aktiv involviert waren, werden ihn wegen seines Wehklagens über die Folgen, die sein Gedicht auslösen werde, für larmoyant halten. Viele tun das ja auch als „man wird ja mal was sagen dürfen“ ab (Populismus). Ich denke, dass ist einfach sein Stil. Ein wenig Theatralik ist ja auch ganz gut. Lieber so, als wenn er auf Majakowski gemacht hätte. Das hätte ihm erst recht niemand abgenommen.

PS: Die Dokumentation über die Honeckers ist leider nicht in der ARD-Mediathek (angeblich wegen fehlender Rechte). Das ist sehr schade, denn diese ist sehenswert. Leider hat sich das bestätigt, was ich vermutet habe – auf „Margots“ Arbeit geht der Autor nicht ein. Schüler und Lehrer, die die Ehre hatten, unter ihr lernen bzw. arbeiten zu dürfen, wissen weiterhin nicht, was sie als Ministerin alles bewegt hat.

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