Ein aufregender Start in das neue Jahr

Wenn das kein gutes Omen ist – angesichts der Gefahren, denen wir uns ausgesetzt sehen, hätte es dank der gewonnenen Erkenntnis, dass die Geheimdienste Europas selbst zu Silvester hart arbeiten, keinen besseren Start in das neue Jahr geben können. Ich komme sicherlich den Leuten, die irgendwann die Medien darüber in Kenntnis setzen werden, was sie veranlasst hat, kurz vor dem Jahreswechsel in München zwei Bahnhöfe räumen zu lassen, nicht zuvor, wenn ich feststelle, dass sie erst zwei oder drei Stunden zuvor informiert wurden. (Dass den Deutschen es egal ist, wann sie malochen, weiß ja jeder. Notgedrungen – wegen der Terroristen – folgen andere nun ihrem Beispiel.) So ähnlich ist es dann auch lt. den Information der Polizei geschehen. Dass von den Verdächtigen natürlich jede Spur fehlt, entmutigt mich wegen der Neujahresansprache unserer Kanzlerin nicht im geringsten. Rein zufällig bin ich gestern, als ich wegen des langen Applauses, den Simon Rattle mit seinen Philharmonikern einheimste, zur Tagesschau schaltete, auf eine Merkel gestoßen, von der ich den Eindruck hatte, sie sei etwas überdreht, was mich derart verblüffte, dass ich fast die Zugabe verpasst hätte. (Stände nächste Woche „Die Anstalt“ mit Priol an, hätte dieser sicher darüber gemutmaßt, was sie genommen haben könnte.) Wer ihre letzten beiden Reden (2014) vergleicht, wird feststellen, dass sie gestern wesentlich temperamentvoller als sonst aufgetreten ist. Und dann die aufrechte Haltung. Als ob man sie an den Stuhl angebunden hätte. Den Kopf hält sich auch anders, irgendwie entschlossener. Keine Frage – hat Merkel wieder Freude am Regieren gefunden. Die Zeiten, in denen sie nur miesepetrige Landsleute, die sie aus reiner Berechnung im Amt halten, dirigieren darf, sind vorbei. Nun wird sie endlich auch gemocht. Jedenfalls mögen die Flüchtlinge sie. Sie sind ihr dankbar, ihnen ermöglicht zu haben, hier leben zu dürfen. Von den Deutschen kann Merkel vorerst keine Dankbarkeit erwarten. Erst wenn es sich zeigt, dass sie mit ihrer Politik recht hat, könnte sich diese erfahren. Und dann Time sie ja noch zur Person des Jahres erklärt. Da die Artikel über die Deklassierten (al-Baghdadi und Trump) mir sehr gut gefallen, habe ich mich entschlossen, deren Laudatio über sie zu lesen. Vielleicht hat das Magazin an ihr etwas entdeckt, das mir bisher entgangen ist.

Was die New Yorker auch für Gründe anfügen mögen – nur einer hat dieser Auszeichnung verdient. Dieser Person heißt Putin, dessen Politik, den Status Russlands als Supermacht unter allen Umständen zu wahren, nun erste Früchte trägt. Diversität heißt das Zauberwort. Ohne die ist Menschheit verloren. Paradoxerweise profitiert der Westen am meisten von Russlands Weigerung, sich diesem unterzuordnen. Jüngstes Beispiel ist Syrien, das ohne den Russen längst in der Hand von Islamisten unterschiedlicher Couleur, die versuchen würden, ihren Einfluss in anderen Ländern geltend zu machen, wäre. Zu unserem Glück können sich die Russen die Angriffe leisten, denn im Gegensatz zu den Amerikanern, deren Bomben per Funk ins Ziel gesteuert werden (was sehr teuer ist), haben sie ein System entwickelt, das diese indirekt lenkt – mittels Satelliten und Computern, die anhand diverser Daten ausrechnen, wann sich das Flugzeug in der optimalen Abschussposition, aus der es das Objekt nicht verfehlen kann, befindet, zerstört die Waffe ohne weiteres Zutun das Material des Gegners. Selbst der Abwurf soll automatisch erfolgen. Dank dieser kostengünstigen Technologie sieht es danach aus, als ob der Kalifat-Staat, sehr zum Ärger vieler Politiker, die meinen, IS sei unbesiegbar, vernichtet werden könnte. Womit ich auch schon wieder bei Merkel und der Frage bin, ob es nicht besser wäre, das Anpassen an die hiesiger Kultur auf später zurückzustellen?

In diesem Sinne – alles Gute im neuen Jahr.

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