Die Frauenquote und der Song Contest

Während es vor dreißig Jahren noch hieß, dass Land würde neue Männer brauchen (es mag wie ein Märchen aus „Tausendundeine Nacht“ klingen, aber Frauen waren damals sogar bereit, mit dem richtigen nach Athen zu schwimmen), sind wir nun an einen Wendepunkt, was jedenfalls die Politik betrifft, angelegt – statt neue Politiker zu fordern, versuchen Frauen, die es weit in diesem Metier gebracht haben, sich selbst an die Spitze ihrer Partei zu setzen. Wenn ich nicht wüsste, dass äußere Einflüsse (Meteoriteneinschläge, Supervulkan-Ausbrüche, Tsunamis) und mangelnde Anpassungsfähigkeit das Aussterben der Dinosaurier verursachten, wäre ich angesichts der Härte, mit der sich Lafontaine und Bartsch – beide wollten an die Spitze der „Die Linke“ – bekämpften, nicht abgeneigt, anzunehmen, die Alphatiere unter den schrecklichen Eidechsen müssen sich im Kampf um die Vorherrschaft selbst so geschwächt haben, dass sie am Ende gezwungen waren, die Führung an Dinos, die in der Rangordnung unter ihnen waren, abzugeben. Ob bei den Sauriern derartiges wirklich vorkam, weiß ich nicht. In der Politik könnten wir das aber am übernächsten Wochenende – da wählt „Die Linke“ zwei neue Vorsitzende – erleben. Einer (Lafontaine) hat seine Bewerbung schon zurückgezogen, vom anderen erwarten die Anhänger des Aussteigers, er solle der Fairness halber auch nicht kandidieren. Sonderlich rational klingt das nicht, was Bartsch aber nicht weiterhilft, da bei einer solchen Argumentation jedweder Versuch, die Gegner umzustimmen, von vorneherein zum Scheitern verurteilt ist. Um aber unangefochten die Partei führen zu können, braucht er deren Stimmen. Da verwundert es nicht, dass in dieser vertrackten Situation zwei Frauen, Kipping und Schwabedissen, die sich beide als Retter sehen, ihre Hütte in den Ring zu werfen.
Werden sie gewählt, wäre dies eine neue Etappe der Evolution in der Politik, denn meines Wissens hat es so etwas noch nie gegeben. Ihnen kommt die Regelung, dass einer der beiden Chefposten von einer Frau besetzt werden muss, zugute. Jetzt kann ich mir auch denken, warum sich deutsche Firmen weigern, eine „Frauenquote“ für deren Vorstände festzulegen. Sollten die beiden mit Erfolg die Partei führen, könnte sich die Frage stellen, wie wohl die Geschichte verlaufen wäre, wenn Frauen schon eher in Machtkämpfen gesiegt hätten? Wie würde Russland heute aussehen, wenn eine Frau Stalin und Trotzki ausgeschaltet hätte? Interessanterweise könnte der SPD das gleiche widerfahren – statt zwei auf einen Streich hätte Kraft dann gleich drei ausgeschaltet. Niemand sollte sich wundern, wenn die drei, die als Kanzlerkandidat ins Rennen gehen wollen, sich gegenseitig zu Boden werfen und dort dann ein Knäuel, das nicht mehr zu trennen ist, bilden. Da bliebe ihr gar nichts anderes übrig, als anzutreten. Den Karikaturisten wäre es recht (es hätte schlimmer für sie kommen können). Noch besser gelaunt wären sie, würde Kraft ihre Stellvertreterin davon überzeugen können, doch in die SPD einzutreten. Die beiden würden sich auf den Karikaturen gut ergänzen, während das Führungsduo der Linken ein Alptraum für Zeichner ist – beiden fehlen markante Gesichtszüge. Wer hübsch ist, ist meist auch fotogen, jedoch bedeutet das in den meisten Fällen, dass der Maler bei wohlproportionierten Gesichtern und Körpern das Problem hat, ein Merkmal, das er übertrieben darstellen kann, zu finden. Mit Wagenknecht haben sie es, alleine schon ihrer Frisur wegen, da schon einfacher. Allergrößter Beliebtheit bei den Cartoonisten erfreut sich wieder unsere Bundeskanzlerin. Es gibt viele tolle Cartoons zu bestaunen, und eigentlich ist es unfair, eine hervorzuheben (das Blättern lohnt auch beim Independent). Jenes, auf dem sie nicht mitbekommt (nicht spüren will?), dass die Wikinger sie über Bord werfen wollen, mag ich ganz besonders (darauf muss man erst einmal kommen). Das ist typisch deutsch. Das Klischee vom Deutschen, der nicht merkt, dass ihn niemand mag, lebt. Toll! Nicht ganz so toll finde ich, was die Europäer den Aserbaidschanern antun – weil erstere unbedingt um 21:00 Uhr den „Song Contest“ sehen wollen, müssen letztere bis 4:00 Uhr wach bleiben, um zu wissen, wer gewonnen hat. Und das an einem Werktag. Ich hoffe, die Regierung hat am Sonntag allen freigegeben (die Engländer haben wegen des Thronjubiläums der Queen ja auch einen Tag frei bekommen). Nichtsdestoweniger weist das Gebaren des Veranstalters, am Wochenende den Wettbewerb stattfinden zu lassen, auf postkoloniales Denken hin. Wieso hat man nicht den Donnerstag gewählt, wenn am Freitag dort Sonntag ist? Da die russischen Folklore-Rentnerinnen haushoch gewinnen werden (die 21 ist in Stein gemeißelt), schlage ich vor, im nächsten Jahr Wladiwostok als Veranstaltungsort zu wählen. 8:00 Uhr Ortszeit würde es losgehen. Das ist allemal besser, als mitten in der Nacht zu beginnen.

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