Den Russen geht das Öl und Trump die Puste aus

Ein Wink mit dem Zaunpfahl, genau richtig nach der ohrenbetäubenden Deutschlandgeburtstagsfeier, infolgedessen unsere Politikern die (ihnen der Einfachheit halber unterstellte) Fähigkeit verloren haben könnten, leise Tönen, die oft mehr als die lauten aussagen, zu hören. Lt Gref, der Chef der größten Bank Russlands ist, müssen nämlich die Russen die Umstellung auf erneuerbare Energien bis zum Jahr 2030 geschafft haben, da dann deren Erdöl- und Erdgasvorkommen aufgebraucht sein könnten. Deutlicher geht es nimmer – die Russen winken mit gebündelten Rubelscheinen, mit denen sie Windräder und Wärmepumpen kaufen wollen. (Ich kann es mir nicht verkneifen, mir vorzustellen, wie Deutsche versuchen, die Russen davon zu überzeugen, dass diese Pumpen auch im Permafrostboden funktionieren.) Ein riesiger Markt, der, so lässt die Meldung, eine deutsche Firma habe ihnen Windräder verkauft, vermuten, nicht vom Boykott betroffen ist. Ob das so bleiben wird, hängt von den Beziehungen des Landes zu Amerika ab. Und da ist, von einem Atomkrieg mal abgesehen, alle möglich. Im Netz wird eifrig diskutiert, ob Russland eine Chance hätte, sich in einem Konflikt mit den USA, der sich auf Syrien beschränken würde, zu behaupten. Vorbei sind die Zeiten, in denen nur das Wetter als unwägbar eingestuft wurde. Das gilt auch heute noch, jedoch hat es den Anschein, dass nur noch wenige Ereignisse ausgeschlossen werden können. Jüngstes Beispiel ist der Brexit, vor dessen Eintreten die Experten voraussagten, er werde eine Wirtschaftskrise auslösen. Nun hat die Weltbank den Briten das höchste Wachstum aller G7-Staaten bescheinigt. Wie kann man sich so irren? Die Europäer sind es, die lt. FAZ den harten Ausstieg jetzt zu fürchten haben. Vermutlich kommt die große Ernüchterung erst im nächsten Jahr, wenn May Artikel 50 zieht.

Ziemlich ernüchtert hat mich, zu erfahren, dass die Leute nicht zu Trump gehen, weil er sie unterhält, sondern sie wirklich glauben, was er ihnen sagt. Ich schaue ihn mir nur an, weil mich dessen Auftritte köstlich amüsieren, so bspw. über dessen Angewohnheit, wie ein stolzer Gockel auf der Bühne herumzulaufen. Oder dessen pathetisches Getue und die Art und Weise, wie er die Zuschauer einbezieht. Der Mann ist wirklich sehenswert. Nun hat die Zeit mich durch ein Interview mit einer Wissenschaftlerin, die behauptet, die Leute fänden dessen einfache Wortwahl interessant, irritiert. Mit Sätzen wie „wir bauen eine Mauer“ erzeuge er Bilder im Kopf (um die Mexikaner vor der Einreise abzuhalten). Leider will das bei mir nicht so recht funktionieren. Dank diverse Film, in denen die Verhältnisse an der Grenzen zu sehen sind („Sicario“), hat sich bei mir die Vorstellung bereitgemacht, dass ein Zaun völlig ausreicht. Die Zahl der Amerikaner, die nicht wissen, wie es um Süden aussieht, muss immens hoch sein. Anders lässt sich das nicht erklären. Um ein Bild zu erzeugen, muss die Bemerkung einigermaßen der Realität entsprechen, was überhaupt nicht der Fall ist.

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