Das hat der Weltuntergang wirklich nicht verdient

Nun kommt er doch, der Weltuntergang, und er schafft es sogar, pünktlich zu sein, was für mich noch erstaunlicher als das Ende ist, denn noch wenige Tage zuvor hat nichts darauf hingedeutet, dass dieser eintreten würde, geschweige denn am vorhergesagten Tag einträte. Das ist fast so wie beim Zugfahren – 10 Minuten vor der Abfahrt verkündet der Ansager, der Zug würde sich um 30 Minuten verspäten. Nach 7 Minuten ist dann zu hören, man solle von der Bahnsteigkante zurücktreten, da dieser gleich einfahren würde. Leider habe ich so etwas nie erleben dürfen. Einmal verspätet – immer verspätet. Aber wie konnte ich glauben, dass eine Gesetzmäßigkeit, die für die Bahn gilt, auch für die Apokalypse zutrifft? Vorige Woche war ich noch der Überzeugung, das Armageddon würde sich um mindestens eine Millionen Jahre verspäten. Nun ist das Inferno wieder da, wenn auch nur in den Medien, die ausführlich über das Verderben in all seinen Facetten berichten. Nichts bliebt unkommentiert. Alle Untergangs-Szenarien werden tiefgründig analysiert. Ich kann diesen Analysen nichts Gutes abgewinnen. Leute, die das ganze Jahr gepredigt heute, heute würde nichts passieren, machen sich nun daran, noch einmal (zum wievielten Mal eigentlich?) zu erklären, wie die Welt untergehen könnte. Daher macht es wirklich keinen Spaß, heute darüber etwas lesen oder hören zu müssen. Schade, dass sich viele Redakteure nicht haben entschließen können, die Mayas zu ignorieren. Noch schlimmer sind jene, die den 21.12. mit dem 11.11. verwechseln – im Bemühen, witzig zu sein, haben sie einen Live-Ticker eingerichtet. Dort werden Meldungen und Eindrücke vertickt, über die an normalen Tagen niemand schmunzeln oder gar lachen würde. Spätestens beim Lesen der Meldungen im Ticker wird klar, dass es besser gewesen wäre, wenn jene, die den Text der Mayas entschlüsselten, ihn lieber für sich behalten hätten. Sie haben sicherlich nicht gewusst, dass der deutsche Humor vor nichts zurückschreckt. Heute muss nun der Weltuntergang daran glauben. Natürlich hat er keine Chance gegen den oberlehrerhaften Humor, der an diesem Freitag endlich mal wieder die Chance hat, zu zeigen, was in ihm steckt. Gut, dass morgen schon die Katastrophe Schnee von gestern ist.

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