„Tennessee GOP“- die Russen sind die besseren Reps

Ich weiß nicht, welcher Anklagepunkt Ihnen besonders gut gefallen wird, nachdem Sie das Schriftstück überflogen haben – meiner ist Punkt 36 (Seite 15 oben), in dem den Russen vorgeworfen wird, sich bei Twitter als „Tennessee GOP“ ausgegeben zu haben, was völlig harmlos zu sein scheint, wenn man nicht weiß, für was „GOP“ steht, nämlich dass die Abkürzung Grand Old Party bedeutet. Richtig, das können nur die Republikaner sein. Mehr als 100.000 Followers hatten die Russen, die sich als Republikaner ausgegeben haben, ohne dass die Partei es merkte, aufzuweisen. Das ist fast so, als ob man einen Banküberfall, für den sich niemand interessiert, begeht. Alle schauen zu, wenn man schwer bepackt die Bank verlässt. Vermutlich ruft der Bankdirektor dem Bankräuber aus Sorge, dass dessen Gier, so viel Scheine wie möglich wegzuschleppen, ihn ernsthaft Schädigen schädigen könnte, ich denke da an einen Schwächeanfall oder gar an einen Infarkt, sogar noch ein Taxi. So wie eben die Republikaner das getan haben, die von den Texten der Russen so begeistert waren, dass sie sich überhaupt nicht darum gekümmert haben, wer aus ihrer Partei da twitterte. Manchmal ist das Imitat eben besser als das Original. Für das Hochstaplerlexikon, von dem ich den Eindruck habe, die Macher versuchen selbst, den Anschein zu erwecken, nicht ganz koscher zu sein, kommen die Russen wohl wegen des letzten Aktualisierungsdatums (2011) nicht mehr in Frage (da wird sogar die Treuhand aufgeführt). Auch wird ihnen die Sympathie und die Anerkennung, die der Hauptmann von Köpenick erfahren hat, nicht zuteil werden. Selbst dem Kaiser gefiel Voigts Coup, so dass er ihn nach rund zwei Jahre begnadete. Mit einem derartigen Wohlwollen können die 13 Russen, sollten sie den in den Staaten vor Gericht erscheinen, nach ihrer Aburteilung (außer der Todesstrafe scheint alles möglich zu sein) nicht rechnen. (Auch wenn sich dieser Blog alle Mühe gibt, die Russen als Helden darzustellen.) Wie Voigt müssen sich die Russen geschickt der Mentalität und geistigen Haltung weiter Teile der Bevölkerung bedient haben – der eine hat auf den Gehorsam der Deutschen vor der Obrigkeit gesetzt, während die anderen darauf hofften, ihre Antiestablishment-Kampagne (mit Clinton als deren Hauptvertreter) würde getreu dem Motto, dass Leuten, die andere partout nicht leiden können, empfänglich für alles sind, was diese in Misskredit bringt, zum Erfolg führen. (Mit Sanders als Präsidentschaftskandidaten wäre diese Kampagne nicht möglich gewesen.) Fakten spielen das keine Rolle. Inwieweit die Aktivitäten der Russen die Wahlen beeinflusst haben, werden wir wohl nie erfahren. Wichtig scheint des Amerikanern nur zu sein, dafür zu sorgen, dass niemand sich das noch einmal wagt. Ob das mit dem Statuieren eines Exempels funktioniert wage ich zu bezweifeln. Humor ist wohl die bessere Waffe. Vielleicht sollten die Amerikaner mal über sich lachen. Stoff dafür gibt es genug.

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