Obwohl sie uns nicht mögen – helft ihnen!

Nieder mit der Realität, die im Begriff ist, vielen ihre eigene Wahrheit, die sich mühsam jahrelang erarbeitet haben, zu nehmen – heute haben es die Österreicher geschafft, die weitverbreitete Tatsache, unsere Politiker würden, um an der Macht zu bleiben, die Wahlen manipulieren, ad absurdum geführt. Es wird zwar kräftig gemauschelt (in 94 von 117 Wahlbezirken soll es nicht mit rechten Dingen zugegangen sein), jedoch nicht so, wie wir uns das wünschen, sprich keiner der Wahlhelfer verlässt nach 18:35 Uhr den Raum, um kurz danach mit einer neuen Wahlurne, die natürlich rappelvoll ist, das Lokal wieder zu betreten. Vielmehr halten sich die Stimmenzähler nicht an die Arbeitszeiten – statt ausgeruht am folgenden Tag um exakt 9:00 Uhr mit dem Zählen zu beginnen, haben sie in besagtem 94 Bezirken bereits am Wahltag ausgezählt. Aber nicht nur die Welt der Wahl-Akokalypten, die, wenn sich ehrlich zu sich sind, sich eingestehen müssen, dass ihre Phantasie sie im Stich gelassen hat, ist zusammengebrochen, sondern auch die jener, die bisher geglaubt haben, der Österreicher sei völlig anders als der Deutscher. Leider ist diese Ansicht nicht mehr zu halten, denn dieser steht nun im Verdacht, übereifrig zu sein. Da der Österreicher meint, locker, zuvorkommend, nonchalant, unterhaltsam, gelassen und ironisch zu sein, besteht überhaupt kein Grund, in Panik zu geraten – ein typischer Bürger dieses Landes wird noch Jahrzehnte lang anders sein als wir. Aber eben nicht mehr völlig, was zeigt, dass die deutsche Lebensart in Europa auf dem Vormarsch ist. Obwohl nun die Versuchung groß ist, mit der Behauptung, die Engländer hätten für den Brexit gestimmt, um sich vor den Deutschen zu schützen, auf die Insel zu schwenken (deren Politiker mich diese Woche davon überzeugt haben, dass Shakespeare sein Genie nur in London und Stratford hat entfalten können), bleibe ich den Österreichern treu, die aufgrund dieses Gerichtsurteils, das, wenn man den juristischen Aspekt außer Acht lässt, weltfremd klingt, fürchten könnten, wegen des Wahlkampfes, der im Oktober beginnen soll, womöglich auf Weihnachten verzichten zu müssen. Darum sollte sich jeder Deutsche fragen, wie er die Österreicher aufheitern kann. Die Aussicht, bei einem Wahlsieg des FPÖ-Mannes womöglich noch eher als die Briten die EU zu verlassen, ist nicht sehr verlockend. Da Hofer (FPÖ) besonders gut auf dem Lande abgeschnitten hat, kann ich den Österreichern nur den Tipp geben, es so wie die DDR zu machen – die Studenten wurden auf das Land geschickt, um bei der Ernte zu helfen. Darum kann während des Wahlkampfes nur die Devise „ Wiener aufs Land“ gelten.

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