Kolonisatoren?

Kein Land ist groß genug, um den Deutschen die Stelle vorzuenthalten, von der sie glauben, sie sei ideal, dort die meiste Zeit einer Kampagne zu verbringen, in der es diesmal nicht nur darum geht, zu den vier Teams zu gehören, die am längsten durchgehalten haben (dreimal hintereinander hat man das geschafft), sondern an deren Ende unbedingt der Gewinn des Weltmeistertitels stehen soll.. Während sich die anderen vorschnell mit bestehenden Einrichtungen an der Copacabana (zu laut), in São Paulo (zu viel Smog) oder gar Curitiba (es ist höchst verdächtig, dass ausgerechnet die Hitze erprobten Spanier ihr Quartier in der viel zu kalten Stadt – Frostgefahr – aufgeschlagen haben) abfanden, haben die Deutsche eine Halbinsel gewählt, an deren Spitze, die an der Mündung eines Flusses liegt, man mit Sicherheit ein Strafgefangenenlager errichtet hätte, wenn es in Brasilien Salzwasserkrokodile – größer und stärker geht es wirklich nicht – gäbe. Dank der Evolution blieb der Insel dieses Schicksal erspart. Aber auch ohne den Krokodilen hatte Brasilien keinen Mangel an Strafinseln – es gab derer zwei. Die „Nehrung“ blieb auch davon verschont, ein Strafbataillon aufnehmen zu müssen. Ich hätte mir gewünscht, Künstler und Begüterte hätten auf der Landzunge ihren Urlaub verbracht.

Nun müssen die Einwohner mit Menschen Vorlieb nehmen, die nicht wissen, wie die Manns ihren Urlaub in Nidden verbracht haben. Bedauerlicherweise hat kein Journalist den DFB darauf hingewiesen. (Vielleicht sollten sich Literaturwissenschaftler mal als Sportjournalisten versuchen.) Wenigstens glaubt FAZ, dort einen Hauch Fitzcarraldos, der im gleichnamigen Film davon träumt, im Urwald in Opernhaus zu erreichten, gespürt zu haben. Aber selbst Kinsky wäre nicht auf die Idee gekommen, auf Santo André eine abgeschirmte Wohnanlage zu errichten. Gentrifizierung pur nennt man das. Ressorts, in denen die Gäste ihren Urlaub völlig abgeschirmt von der Außenwelt verbringen können, gehören einfach nicht auf derart schmale Landstreifen. Das ist ein Platz für pure Individualisten, die gewillt sind, sich an die Gegebenheiten der Insel anzupassen. Denen reicht ein kleines Haus, das nicht von einem zwei Meter hohen Zaun umgeben ist. Wer sich verbarrikadieren will, sollte woanders sein Glück versuchen.

Erstaunlicherweise sind viele Journalisten den Deutschen in diese entlegene Gegend gefolgt. Der Raum, wo die Pressekonferenzen stattfinden, muss bis auf den letzten Platz besetzt gewesen sein. Für einen deutschen Journalisten mag es eine Auszeichnung sein, täglich die Statements des DFB vor Ort verfolgen zu dürfen. Für mich wäre das ein Albtraum. (Wie schlimm muss es erst für einen Ausländer sein?). Ich bräuchte eine Zeit, um mich dort einzuleben. Vermutlich wäre es mir dort so langweilig, dass ich mich auf die Pressekonferenz freuen, ja gar noch Fan der Nationalmannschaft werden würde. Das letzte Mal habe ich mich 1977 zur Nationalmannschaft bekannt. Angesicht der Wahl des Quartiers glaube ich nicht, wieder Fan zu werden. 2018 sehe ich gute Chance. Ich glaube, dass sich dann die Deutschen immer auf die Krim zurückziehen werden. Da Russland noch größer als Brasilien ist, stehen die Aussichten nicht schlecht, dass der DFB einen noch ausgefalleneren Ort findet. Eine Klosterinsel würde sich gut machen. Diesmal natürlich ohne Fährverbindung. Dann geht es mit dem Hubschrauber zum Training.

Ist Gauck ein Monarch? Wenn ja, hat er viel Ähnlichkeit mit Philip. Nur dessen Witz hat er nicht. Was hat ihn eigentlich daran gehindert, den „Spinner“ zurückzunehmen, um dann in anderen Worten uns zu sagen, was er von der NDP hält? Und sind wirklich alle Leute, die gegen das Asylantenheim in Hellersdorf sind, Neonazis? Gauck wollte unbedingt recht haben. Darum hat er es darauf ankommen lassen. Alte Männer eben. Die streiten schon beim kleinsten Anlass.

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1 Antwort zu Kolonisatoren?

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