Im Sommer wird kräftig rebelliert

Die Tour de France müsste ein knappes Jahrhundert pausieren, um ARTE die Möglichkeit zu geben, mit seinen Sommerprogramm gleichzuziehen, aber wenigstens hat der Sender es geschafft, dem „Summer of Girls“ (der Block berichtete) nun einen „Summer of Rebels“ folgen zu lassen (es ist durchaus möglich, dass es vorher schon andere „Summers“ gegeben hat, jedoch hatte ich da noch keinen Blog, darum kann ich mich an diese auch nicht erinnern). Das lässt hoffen, dass sich die Verantwortlichen weitere Themen-Sommer einfallen lassen, wobei ich nichts dagegen hätte, wenn es in sechs oder sieben Jahren wieder einen Sommer, der ganz den Mädchen gewidmet ist, geben würde. Vermutlich würde es niemanden auffielen, wenn ARTE dann das alte Programm noch einmal abspielte. Gut ist, dass der Gemeinschaftssender sich an die alte Fußballregel, ein erfolgreiches Team nicht umzustellen, gehalten hat – es bleibt beim Mix aus Spielfilmen, Konzertmitschnitten und Dokumentationen, nur der Sendetag hat sich geändert – die „Rebels“ sollen immer am Sonntagabend für Unruhe in den Wohnzimmern sorgen (die „Girls“ kamen Dienstag). Richtig vorstellen kann ich mir das aber nicht, denn zum einen sind einige der gezeigten Filme („Jenseits von Eden“, „Die Reifeprüfung“) wahre „Dauerbrenner“ im Fernsehen, zum anderen spielt Tom Cruise einen Charakter, der überhaupt nicht seinem heutigen Image entspricht, ich, der nur die beiden erwähnten Klassiker kennt, darum gespannt ist, zu sehen, wie klein mal jener Mann, den ich bisher nur als Retter der Welt erleben durfte, angefangen hat. Daran, dass jene, die die das Böse besiegen, amerikanische Schauspieler sind, habe ich mich gewöhnt, neu für mich aber ist, nun feststellen zu müssen, dass diese auch die „Rebels“ stellen – nur Paul Kalkbrenner („Berlin Calling“) hat es geschafft, in die Phalanx einzudringen. Auf diesen Film wäre ich nie im Leben gekommen. Überhaupt würde es mir große Mühe machen, Deutsche vorzuschlagen. Auf Anhieb fallen mir gerade mal Horst Buchholz („Die Halbstarken“ und “Eins, Zwei, Drei“) sowie Marius Müller-Westernhagen („Theo gegen den Rest der Welt“) ein. Armes, alte Europa – das Klischee, dass auf dem alten Kontinent nicht viel los sei, findet in der Auswahl der Filme neue Nahrung. Dabei ging es hier in den letzten 60 Jahren wesentlich turbulenter als in den USA zu. Dafür werden viele Konzerte europäischer Musiker gezeigt. Udo Lindenberg ist auch dabei, aber nicht, wie eigentlich zu erwarten wäre, mit einem Konzert, das schon längere Zeit zurückliegt, sondern mit einem Mitschnitt aus seiner jüngsten Tour „Ich mach mein Ding“, seiner wohl kommerziellsten.
Es lohnt sich, zu gucken, jedoch könnte das Programm für meinen Geschmack noch rebellischer sein (bsp. mit „The Clash“).

PS: Für alle, die nicht ARTE angeklickt haben – Frauen sind natürlich auch dabei.

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