Hochzeitseindrücke

Stellen Sie sich vor, es ist das Jahr 2030 und Jauch stellt in seiner Ratesendung gerade die Frage – deren Schwierigkeitsgrad wird von den Machern der Sendung als sehr hoch eingestuft, darum gibt es für die richtige Antwort auch 500.000 € –, wie viele Fernsehsender live über die Hochzeit Kates und Williams berichtet haben.  Was, das können Sie sich nicht vorstellen? Ich ehrlich gesagt auch nicht, denn das hohe Preisgeld lässt vermuten, dass, Jauch natürlich ausgenommen, kaum jemand mehr so recht zu wissen scheint, wie die Hochzeit eines Thronfolgers abläuft – ein Indiz, das darauf hindeutet, dass  Megahochzeiten und damit Könige und Königinnen Mega-out sein müssen, was angesichts des Jubels, der heute in London herrschte, als die beiden heirateten, nur schwer vorstellbar ist, jedoch sollte nicht übersehen werden, dass es auch Menschen gibt, denen der Trubel nicht gefallen haben dürfte – für Hochzeitsmuffel, die die hohe Kunst, sich vor der Ehe zu drücken, perfekt beherrschen, mir fällt da in erster Linie Charlie Harper ein, fangen nun schwere Zeiten an, da, so vermute ich, viele junge Frauen es nun ganz sexy finden könnten, zu heiraten. Was schöne Bilder alles anrichten können. Die bekam der Hochzeitsinteressierte ausnahmslos schon ab 9:00 Uhr in die Wohnung geliefert, nur CNN und TV5Monde fingen eine halbe Stunde später an. Dabei sollte die eigentliche Feier erst um 12:00 Uhr losgehen. Und ab heute weiß ich, dass das eigentlich Schöne an solch einer Feier die Berichte und Bilder, die vor der Zeremonie gezeigt werden, sind. Ja es gab Momente, da wünschte ich, ich wäre jetzt Werner Höfer, was mich in die Lage versetzt hätte, auf sechs Apparaten gleichzeitig die Übertragungen zu sehen. Sicherlich hätte ich dann Barbara Schöneberger, die vor Witz nur so sprühte und es sichtlich genoss, sich selbst und ihre Gesprächspartner nicht allzu ernst zu nehmen (am Queenwinken muss sie aber noch üben) öfter als zwei Mal erleben dürfen. Aber da gab es noch die Franzosen, deren Stärke das royalistische Design – von Zeit zu Zeit steckten sie die Kommentatoren in altehrwürdige Bilderrahmen – war, zudem hatten sie die einzige Moderatorin, die es wagte, ihre Arme zu zeigen, vorzuweisen, sie nichtsdestoweniger  mit dem weißen ärmellosen Sommerkleid, das sie trug, stilvoll angezogen war, ja ich sogar sagen würde, dass eine Frau bei solch einem Fest auch mit einer bohèmisch angehauchten Garderobe eine gute Figur machen kann. Victoria Beckham war anzumerken, dass sie wusste, sie würde mit ihrem Outfit keine gute Figur machen – ziemlich ernst und verbiestert guckte sie drein. Wie gut, dass es zwei Beckhams gibt. Da kann einer schon einmal ausfallen. David rettete mit seinem Binder die Ehre der Familie. Dass er, als er zum ersten  Mal zu sehen war, seinen Kopf und seine Brust ausstreckte, lässt vermuten, er könnte sich nicht ganz sicher gewesen sein, ob alle auch seinen grauen Superbinder zu würdigen wissen. Die Beckhams sollten aber dankbar sein, dass man sie recht spät in die Kirche ließ – die ersten Gäste mussten schon um halbzehn antreten. Mich würde interessieren, wie viele die Einladung mit der Begründung, sie hätten eine zu schwache Blase, um an der Veranstaltung teilzunehmen, ablehnten. Seelmann-Eggebert war natürlich auch dabei, hatte es aber am Anfang recht schwer, sich gegen die vielen Kommentatorinnen durchzusetzen. Später lief er dann zur gewohnten Form auf, was sich unter anderem an dem Satz, dass alle sich freuen würden, der Braut zu helfen, in die Kutsche zu kommen, zeigte. Da hatten Kate und William schon alles hinter sich gebracht und die Hoffnung der Königsgegner, Mr.Atkinson, der im Film schon einmal eine Krönung spektakulär vereitelt hat, würde die Vermählung verhindern, endgültig zerstoben. Die Chance dafür hatte er, nämlich als ein Kirchemann kurz vor der Trauung alle, die Einwände gegen die Hochzeit hätten, aufforderte, dies nun zu tun.

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