Erst Muslime, dann Latinos, nun Lehrer

Wie umgehen mit Trump, der in Höchstform, so wie gestern, sich selbst am besten persifliert? Amerikas Lehrer, die nach dessen Rede fürchten müssen, ihre Sommerferien in Camps, wo ihnen das Schießen beigebracht wird, zu verbringen, sehen das sicherlich völlig anders – die kochen vor Wut über Trumps Plan, sie dafür verantwortlich zu machen, wenn an ihrer Schule jemand Amok läuft. Wer kneift, den stellt Trump persönlich an den Pranger, wie er es gestern mit jenem unglückseligen Polizisten, der nicht in die Schule ging, als in ihr geschossen wurde, getan hat. Stattdessen wartete er vor dem Gebäude (vermutlich war das auch die richtige Entscheidung). Laut Trump habe der Mann bereits gekündigt. Von Lehrern, die einer Schießausbildung hinter sich gebracht – Marines, die nichts lieber tun, als Leute zu drillen, sollen sie nach den Regeln des Ausbilder-Metiers schleifen –, erwartet er ein schnelles Eingreifen und einen sicheren Umgang mit der Waffe, sonst hätten sie an Schulen nichts mehr verloren. Selbst Eddie, dessen Umgang mit Heranwachsenden ihn zu einem Zyniker par excellence werden ließ, der ein Arroganz-Level erreicht hat, das ihn in die Lage versetzt, niemanden mehr in der Welt fürchten zu müssen, aus „Die Ehe ist“ („Til Death“) ginge der Arsch auf Grundeis, wenn die Serie noch liefe. Ich weiß nicht, was passiert wäre, hätte es während meiner Schulzeit schon die Waffenpflicht für Lehrer gegeben. Hätten wir der Herausforderung, die Fertigkeiten der Pädagogen zu testen, widerstanden? So schön es war, von älteren Semestern, die die Welt nicht mehr verändern wollten, unterrichtet worden zu sein – die Beweglichkeit von Leuten, die die fünfzig überschritten hatten, zu testen, hätte uns sicherlich keinen Spaß bereitet. Bei Absolventen, also Lehrern frisch von der Uni, hätte die Sache vermutlich ganz anders ausgesehen. Bei denen wäre die Versuchung, laut im Ranzen zu kramen, um dann schnell etwas herauszuziehen, groß gewesen. Oder den Unterricht in einer Jacke, die, wenn man Rechtshänder ist, auf der linken Seite mächtig ausgebeult ist, zu verfolgen. (Für die Serie kommt Trump leider zu spät – gern hätte ich die Szene, in der Eddie als einziger Lehrer von seinem jungen Direktor, der auch sein Nachbar ist, vor den Schülern beim Appell auf dem Schulhof feierlich eine Waffe gereicht bekommt, gesehen.) Wie irre muss man also sein, um auf die Idee zu kommen, Lehrer zu bewaffnen, damit diese sich wehren können? Bei jedem außer Trump heißt die Antwort ziemlich. Bei Trump ist das Methode – den interessieren keine Studien, aus denen die beste Lösung entnommen werden kann, sondern nur der Personenkreis, der ihn wählt. Zu allem Unglück sind das in erster Linie die Waffennarren, die gegen jedwede Einschränkungen sind. Zu deren Belustigung werden nun die Lehrer durchs Dorf getrieben. Nach den Muslimen und Mexikanern sind sie nun an der Reihe – wer den Unsinn nicht mitmacht, wird als Feigling und Vaterlandsverräter verunglimpft. Angesichts der Nonchalance der Medien, die lieber über dessen Twitter-Meldungen und Russland-Verstrickungen berichten, ist es nur eine Frage der Zeit, bis er sich die nächste Gruppe vorknöpft.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.