(Zu)Billig soll er werden, der neue Krieg

Es gibt bald wieder Krieg, und trotz der Einschätzung der Militärstrategen (seitdem Krieg gegen Vietnam haben sie sich nicht mehr geirrt), er könne, da ein begrenzter Schlag ausreiche, die Syrische Luftwaffe völlig auszuschalten, kostengünstig (neudeutsch: ohne Schulden zu machen) geführt werden, bin ich gegen ihn. Die meisten wollen nicht, dass die neuen alten „Alliierten“ Ziele, von denen sie glauben, sie seien für das Überleben Assads wichtig, bombardieren. Selbst in Amerika will die Mehrheit keinen Krieg. Darauf können die Politiker aber keine Rücksicht nehmen. Sie starten in kürze den 5. Kreuzzug im Nahen Osten. Im Mittelalter gab es derer sieben. Während die Ritter drei Jahrhundert brauchten, um auf diese beeindruckende Zahl zu kommen, haben die Regierungen unserer Verbündeten es geschafft, in 22 Jahren vier Mal im Nahen Osten Krieg zu führen. (Da Afghanistan und Libyen an Staaten, die zu dieser Region gehören, grenzen, zähle ich sie hinzu). Obwohl die Kreuzfahrer der Neuzeit ihre Kriege ausnahmslos gewinnen, wäre mir lieber, würden anstelle Obamas und Camerons Barbarossa und Richard Löwenherz die Truppen führen. (Ein Saladin stände den Muslimen auch gut zu Gesicht.) Wenn schon Krieg, dann mit richtigen Helden. Mit Herrschern, die wissen, wie man Frieden schließt bzw. wann es Zeit ist, sich zurückzuziehen. Den Frieden verlieren unsere Politiker regelmäßig, denn dem gewonnen Krieg folgt das Chaos.

Dann fängt der Terror meist erst richtig an. In Syrien wird es nicht anders sein. Die rückständigen Scheichs am Persischen Golf wird dies freuen – niemand wird es mehr wagen, Alleinherrscher zu stürzen. Das bringt nur Not und Leid. Wer hätte 2001 gedacht, dass 9/11 dem Saudischen Königshaus zu mehr Macht verhilft? Wohl niemand. Ausgerechnet jene Länder, die als einigermaßen fortschrittlich gegolten haben (Stichwort Gleichberechtigung), sind nun unregierbar (da archaisch). Der Archaismus siegt in jedem Konflikt immer mit. Wenn sich später herausstellt, dass der Angriff unter einem hanebüchenen Vorwand erfolgte, ist es meist zu spät, denn dann ist alles schon aus dem Ruder gelaufen. Ob die Politiker in der Lage sein werden, Beweise, die ein militärisches Eingreifen rechtfertigen, zu liefern, scheint mir höchst fragwürdig. Bis jetzt sprechen nur Indizien dafür, dass Assads Leute Gas eingesetzt haben. Aber selbst wenn dem so wäre, würde dies ein Eingreifen nicht rechtfertigen. Vielmehr sollten die Politiker aufgefordert werden, zu erklären, dass die Luftschläge die Situation nicht verschlimmern werden. Das werden sie mit Sicherheit nicht tun. Vermutlich wird sich auch niemand dazu bitten.

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