„Widows“ – eine Lehrerin kann auch anders

Lehrerin und Einbrecher – geht das? In „Widows“ klappt das ganz hervorragend, wobei die Frau des Räubers, der mit diesem Gewerbe seinen Lebensunterhalt betreibt, nicht selbst unterrichtet, sondern einer Lehrergewerkschaft Chikagos vorsteht, was die Staaten sehr sympathisch macht, denn hier wäre eine Ehe zwischen der Kreisvorsitzenden der GEW und eines Täters, der in der Art, wie der der NSU es zu tun pflegte, Banken überfällt, unmöglich. Es muss an meinen Lehrern liegen, dass ich mir das nicht vorstellen kann. (Ehrlich gesagt bin ich mir nicht sicher, ob das für oder gegen sie spricht. Nicht einmal ein Zusammenleben mit Kleinkriminellen würde ich ihnen zutrauen.) Aber wozu gibt es Amerika? Das Land, das der Liebe Gott geschaffen hat, um uns mit Storys, wie „Widows“ sie zu bieten hat, zu unterhalten. In Europa würde jedenfalls niemand auf solch eine bizarre Geschichte kommen. (Dass Regisseur McQueen ein Engländer mit einem Faible für Außergewöhnliches ist spricht nur für diese These.) In „Widows“ geht es um drei Frauen, die nach dem Tod ihrer Männer (Arbeitsunfälle, wie sie für diese Branche üblich sind), die Karrieren ihrer Verflossenen nicht ganz freiwillig fortsetzen. Sozusagen als Berufsneulinge, die überhaupt keine Ahnung haben, was sie erwarten könnte, geschweige denn sich vorstellen können, mit welch harten Bandagen in diesen Kreisen gekämpft wird, denn schließlich sind sie ja nicht die einzigen Ganoven in Chikago. (Die Zeiten, in denen still und heimlich ein Bank ausrauben konnte, scheinen vorbei zu sein. Heute muss es einen richtigen Wettbewerb um die Beute geben.) Es hilft ihnen, das Glück der Tüchtigen ihrer Seite zu haben. Obwohl dieses es manchmal zu gut mit ihnen meint, wirkte dies in den Szenen dank hervorragender Schauspieler nie gestelzt oder an den Haaren herbeigezogen. Es ist, wie es ist, dank eben der Akteure. Viola Davis spielt die Lehrerin, die, wie kann es auch anders sein, die Dinge vorantreibt. Dass sie die einzige ist, die noch an ihren Mann denkt bzw. diesen vermisst, hat wohl nicht nur dramaturgische Gründe – ihre Ehre war nahezu vorbildlich. Sie ist der Kopf der „Widows“. Und natürlich ist sie Oscar verdächtig.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.