Wenigstens ist auf Herrn P. Verlass

Hätte er nicht wenigstens sich von George Clooney abgucken können, wie ein erfolgreicher Feldherr nach einer gewonnen Schlacht sich zu gebärden hat? Vermutlich ist „Hail, Cesar!“ noch gar nicht in Russland angelaufen, so dass Putin gar nicht wissen kann, wir man sich nach einem solchen Triumph zu geben hat. Sicherlich wäre es ganz gut gewesen, sich diesbezüglich bei George Bush, der den Krieg mit dem Irak auf einem Flugzeugträger für beendet erklärt hat, Rat zu holen. Der russische Träger ist zwar höchstens halb so groß wie der amerikanische, jedoch macht er dieses Manko durch seine schnittige Silhouette mehr als weg. Abenteuer pur, auf einem solchen Schiff durch die See zu pflügen. Da dem Einsatz der Russen in Syrien etwas Abenteuerliches anhaftete, hätte nichts dagegen gesprochen, auf dem Schiff schneidig zu erklären, seine Ziel erreicht zu haben. Stattdessen verkündet Putin den Teilabzug im Kreml bei einem Arbeitsgespräch mit seinem Verteidigungs- und Außenminister – die Ziele seien erreicht worden. (Mir ist rätselhaft, was die Russen daran finden, wenn Minister ihrem Chef im Fernsehen Rede und Antwort stehen. Putin scheint ein Faible für solche Gespräche zu haben.) Ruhig und sachlich. Ohne Pathos, ja sogar ein wenig lustlos. Wenigstens ist hat er sich an eine Konstante gehalten – niemand weiß, warum und weshalb er jetzt viele seiner Soldaten zurückholt. Typisch Kreml. Die Welt darf rätseln, was die Russen zu diesem Schritt veranlasst haben könnte, denn schließlich ist ISIS ja noch da. Glaubt er wirklich, Assad kommt ohne seine Unterstützung aus? Ist das gar ein Schritt, ihn zum Einlenken zu bewegen? Die russischen Medien (in erster Linie RT) deuten so etwas jedenfalls an. Das ist genau die richtige Meldung, um sich der Hysterie, die hierzulande wegen des Erfolgs der AFD herrscht, zu entziehen. Selbst Profis haben sich anstecken lassen. Weil jene, die den Kurs der Kanzlerin unterstützen, die Wahlen gewonnen haben, ohne in der CDU zu sein (ist es da nicht naheliegend, nun Haselhoff zu ihrem Nachfolger zu machen?), wählt Augstein für seine Kolumne den Titel „Merkels Sieg“. Die Kanzlerin sei seit gestern unumstrittene Herrscherin der CDU. Auch wenn sie nun in der Lage sein sollte, sich in der Uckermark ihr Neuschwanstein errichten lassen, ohne das Volk in Wallung zu bringen, rechtfertigt das nicht diese alberne Überschrift. Als Linker hätte er lieber darauf hinweisen sollen, dass die linken Kräfte, wozu ich komischerweise auch die SPD zähle, eine verheerende Niederlage, von der ich nicht weiß, ob sie sich davon wieder erholen können, eingefahren haben. Merkels Politik zu unterstützen heißt nicht, es aufzugeben, potentielle AFD-Wähler auf seine Seite zu ziehen. Schafft es das linke Lager, die Kanzlerin in der Flüchtlingsdebatte zu überrumpeln? Die Linke muss eigene Akzente setzen, um sich von ihr absetzen zu können.

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