Was sagt Madame N. dazu?

Gratulation an Madame Nuland (wer sich nicht mehr an sie erinnern kann: das ist die Frau, die sich am Telefon vulgär ausdrückt) – der Mann, auf den sie im Februar alle Hoffnungen setzte, hat, wenn ich die Gunst der Wähler als Maßstab nehme, nicht enttäuscht. Im Augenblick ist seine Partei sogar die stärkste Kraft im Land. Da noch nicht alle Stimmen ausgezählt sind, kann sich das noch ändern. Nichtsdestoweniger wird Jazenjuk Premierminister bleiben. Die große Frage ist, ob ihr das passt. Bestimmt hätte sie sich im Februar über das Wahlergebnis gefreut. Spätestens seit gestern muss ihr klar geworden sein, dass Amerika nun das Land ist, das die Ukraine in den kommenden Jahren über Wasser halten muss. Der Wähler hat sich von den Russen verabschiedet, worüber die sich freuen dürften, denn nun haben sie absolut keinen Grund mehr, die Ukraine im Handel zu bevorzugen. Deren Treue müssen sie nicht mehr mit niedrigen Gaspreisen teuer erkaufen. Dank des Coups auf der Krim können sich die Russen in ihren Schwarzmeerhäfen sowie an den Stränden zwischen Anapa und Sotschi sogar wieder unbeobachtet fühlen. Das kann Madame Nuland nicht gewollt haben. Und wenn die Russen trotz Strafen (sprich Sanktionen) ein höheres Wirtschaftswachstum als viele EU-Länder aufzuweisen haben (was würde Churchill, der nur Statistiken glauben schenkte, die er selbst fälschte, sagen?), muss einiges gehörig schief gelaufen sein. (Da sie Pflanzen gezüchtet haben, deren Wachstum man mit dem bloßen Auge verfolgen kann, brauchen sie kein Obst und Gemüse mehr einzuführen.) Es kommt aber noch schlimmer – statt das Land zu einigen, haben die Wahlen gezeigt, wie tief gespalten es ist. Und das in einem Krieg gegen einen Gegner, der nicht gefährlicher, brutaler und rücksichtsloser sein könne. Wenn trotz der Beteuerungen der Politiker und Medien, die Ukraine dürfe sich nicht Russland, das das Ziel verfolgen würde, die Ukraine gewaltsam in die Förderration eingliedern zu wollen, unterordnen, gerade mal die Hälfte der Bevölkerung zur Wahl geht, muss es mit der Bedrohung nicht weit her sein, zumal wenn jene, die als erste unter dem Joch der Russen zu leiden hätten, einen großen Bogen um die Wahllokale gemacht haben (in Odessa haben auch nur 40 Prozent der Berechtigten gewählt). Wer nicht wählt, der glaubt, niemand würde seine Interessen vertreten. Poroschenko hätte die Person sein können, die deren Ziele vertritt. Leider hat er sich aber von den Hardlinern, wozu auch Jazenjuk, den Spiegelonline heute zum „Pragmatiker“ verklärt hat, breitschlagen lassen, gegen Novorussia ins Feld zu ziehen. Die müssen sich nun andere Leute suchen, womit ich wieder bei Madame Nuland bin. Von der Politik ihres Land hängt es ab, wie radikal die Partei, die sich der Sache der russisch sprechenden Ukrainer annimmt, sein wird. Ich bin gespannt, ob sich die USA zu einem Marshallplan aufraffen können. Die Russen werden sich erst einmal vornehm zurückhalten. Dabei war doch geplant, dass sie für alles zahlen (frei nach Friedrich II.: „Russland (Sachsen) ist wie ein Mehlsack, egal wie oft man draufschlägt, es kommt immer noch etwas heraus“).

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