Warum will sich keiner mit M streiten?

Bedauernswerte SPD – wenn die Partei ein Fußballklub wäre, könnte ich ihr wenigstens raten, sich einen Spitzenmann auszuleihen. Da diese Praxis in der Politik unüblich ist, martert mich angesichts deren Spitzenpersonals, das entweder unter einem „Mutti-Komplex“ oder dem „Stockholm-Syndrom“ leidet (während bei den Sozialdemokraten es vermutlich eine Kombination aus beiden ist, hat SD weite Teile der Bevölkerung erfasst), mein Verantwortungsgefühl derart, dass ich nicht weiter kann, als die Parteioberen aufzufordern, die Aktion „Deutschland sucht den Merkel-Herausforderer – wer hat Lust, sich mit der Kanzlerin richtig zu fetzen?“ zu starten. Wenn die Person, die gegen Merkel antritt, schon ihre vierte Amtszeit nicht verhindern kann, soll diese wenigstens den Leuten, die sich für Politik interessieren, das Gefühl vermitteln, alles getan bzw. ihr richtig zugesetzt zu haben. Dass darauf niemand in der SPD Lust hat (leider ist Ottmar Schreiner schon tot), erweckt den Verdacht, der Parteivorstand müsse davon ausgehen, nach 2017 wieder mit Merkel in der Regierung zu sitzen. Warum sich mit jemanden streiten, wenn man mit dem wieder regieren wird. Um nach der Wahl auf Prima-Klima machen zu können, bietet es sich an, jemanden als Spitzenkandidat zu holen, an den sich schon beim Vorlesen der Prognose, ein Ritual, das immer zur gleichen Zeit, nämlich eine Sekunde nach Schließung der Wahllokale um 18:00 Uhr, zelebriert wird, kaum noch jemand erinnern wird. Diese Person ist so schnell vergessen, dass er nicht einmal mehr an Elefantenrunde, die zwei Stunden später ausgestrahlt wird, teilnehmen muss. Alleine schon diese Aussicht würde mich stärke motivieren, gegen Merkel kräftig mobil zu machen. Sollte es Leser geben, die sich darüber freuen, dass ich antrete, muss ich diese enttäuschen – die Lust, an einem Auswahlverfahren teilzunehmen, tendiert gegen Null. Die SPD wird auf meine Dienste wohl oder übel verzichten müssen.

Mein Gott, was hat die Zschäpe für ein Glück, dass nicht die Inquisition über sie richtet. Deren Vertreter wären längst zum Schluss gekommen, sie müsse einen Pakt mit dem Teufel geschlossen haben. Der einzige Grund, warum sie noch leben würde, wäre, dass die Geistlichen sich nicht darauf einigen können, welche Todesstrafe die Dämonen, die sich ihrer Seele bemächtigt haben, restlos auslöscht. Vermutlich hätten sie Mundlos und Bönhardt mit der Begründung, sie habe beide verhext, freigesprochen, und das sicherlich nicht ganz zu unrecht, lässt doch die Art und Weise, wie sie mit ihren Verteidigern umgeht, daraus schließen, dass sie sich zumindest gegen die beiden zu behaupten wusste. Den Eindruck, sie sei völlig unbedarft, hat sie zwar nicht zu erwecken versucht, jedoch hat sie darauf wert gelegt, klar zu machen, sie habe nur Anweisungen ausgeführt, sie aber nichts zu sagen gehabt hat. Der Hickhack mit den drei Strafverteidigern lässt sie in einem anderen Licht erscheinen – als Person, die mittels Streit ihre Umgebung kujoniert.

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