Überheblichkeit und Unterschätzung

Ja zur Arroganz, solange man weiß, wann man zurückstecken muss – dass ausgerechnet Benedikt Cumberbatch, der den arrogantesten, selbstherrlichsten und von sich überzeugtesten Holmes, den je es gegeben hat, weiß, wann er sich und in der Welt einen Fauxpas – wenn ich nicht im Netz nach einem Thema, über das ich schreibe könnte, gesucht hätte, wäre mir der Aufruhr um ein Interview, in dem er schwarze Schauspieler als farbige bezeichnet hat, völlig entgangen – eingestehen muss, überrascht mich. Und dann doch wieder nicht – wer außer ihm kann sich eines Fehlers sowie dessen Folgen schneller bewusst sein? Wohl keiner. Wer Holmes bleiben will, muss sich entschuldigen. Ohne ein Eingeständnis hätten jene, die davon wissen, nur noch schwerlich Gefallen an dessen Rolle finden können. Ohne meine Recherchen hätte ich der Gruppe der Seligen, denen es dank ihrer Ahnungslosigkeit vergönnt ist, auch in den neuen Folgen die Kombinationsfähigkeiten des Meisters unbeschwert bewundern zu dürfen, angehört. Dank dessen Entschuldigung kann ich das weiter tun. Holmes ist gerettet. (Mit dem Kino-Cumberbatch tue ich mich viel schwerer. In den Film „The Limitation Game“ habe ich es aus unerfindlichen Gründen bis jetzt nicht geschafft.)

Entschuldigen müsste sich auch „Spiegelonline“. Und zwar bei mir. Ich hatte mich so darauf gefreut, darüber zu schreiben, dass ein Beitrag, den ich ins Forum bringen wollte, trotz mehrfacher Versuche und diverser Abwandlungen nicht durchgekommen ist. Ausgerechnet beim letzten Versuch haben sie ihn durchgelassen. Als hätten sie etwas geahnt. Zu allem Überfluss ist der Thread anschließend gleich geschlossen worden. Vermutlich hat es zu viele Proteste gegeben. Und ich hatte mir ausgemalt, angesichts dieses Gebarens über die Zeitung herziehen zu können. Medien-Bashing ist ja im Augenblick en vogue. (Übrigens ist es um Putin gegangen.)

Haben unsere Medien wieder einmal unzureichend über eine Entwicklung berichtet? Bis Sonntag hatte ich den Eindruck, Syriza würde nur aus Tsirpas bestehen. Binnen zweier Tage hat sich das Bild völlig gewandelt. Die Gruppierung hat tolle Leute aufzuweisen. Allen voran Varoufakis, Griechenlands neuer Finanzminister, der den Eindruck macht, zu wissen, wie er Brüssel und Berlin anzupacken hat. Leider geht es in der hiesigen Berichterstattung nur ums Geld. Von einer Nazi-Rechnung ist die Rede. Dann geht es um starke Sprüche gegen Deutschland. Wenigstens hat der Guardian versucht, Varoufakis vorzustellen. Die hiesigen Medien scheinen sich nicht für die Personen, die Griechenland wieder auf die Beine bringen wollen, zu interessieren. Ich glaube, die Leute, die für Syriza arbeiten, sind klüger, als die Journalisten uns glauben machen wollen. Die wissen, was sie wollen und wie sie vorgehen müssen. Sicherlich haben sie schon diverse Pläne ausgearbeitet, während Brüssel und Berlin vollkommen im Dunkeln tappen. „Feldwebel Schulz“ (Berlusconi, Grillo) muss nun erst einmal sondieren, was sie vorhaben. Da ich gestern bei Plasberg erlebt habe, wie Sahra Wagenknecht, die Syriza mag, die Runde überragt hat, fällt es mir schwer, daran zu glauben, dass die Politiker ihr Versprechen, den unvermeidlichen Schuldenschnitt um jeden Preis ablehnen zu wollen, einhalten können.

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