PIL – die Anhänger des Punks tragen jetzt meist Bauch,

und das voller Stolz, was sie am Sonntagabend für 3 Stunden auch dürfen, spielt bei PIL doch Lydon, der seit dem Beginn seiner Karriere, die bei den Sex Pistoles begonnen hat, schlechthin als der Rebell gegen das Konventionelle und Althergebrachte gilt. Während die Stones hart dafür arbeiten, ihr Publikum davon zu überzeugen, dass sie bis zu ihrem Lebensende Mitte zwanzig sein werden, hat der Vorzeigepunk das Dickwerden als eine Form der Rebellion für sich ausgemacht – recht beleibt, mit rotem Schlips und in schwarzer Robe stand er hinter einem Rednerpult, das man auf der Bühne einem Baptistenprediger, die einen Chor hinter sich leitet und daneben noch zu den Gläubigen spricht bzw. singt, zugesteht. Dass kein „Blues Brothers“ Feeling aufkam, lag am Konzertsaal des Metropols – der war rappelvoll, so dass Salti es nicht möglich war, sich vorzustellen, jemand könne sich auf diese Art und Weise aus dem Saal entfernen. Wegen der Enge der Bühne war es dennoch eine gute Wahl – Lydon genoss es sichtlich, singender Prediger sein zu dürfen, was ihm bei seiner Stimmengewalt nicht besonders schwer fiel. PIL brauchte nur einige Töne, um das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Anderthalb Stunden Predigt ohne Unterbrechung – erst danach gönnte PIL sich und seinem Publikum eine Pause. Angesichts vieler, die mit Bauch im Saal waren, war die Stimmung natürlich nicht ausgelassen und wild wie in den Zeiten der Sex Pistoles, in denen alle noch schlank und rank waren. Ob sie auch in Westberlin auftraten, kann der Blog nicht sagen. Da sie aber an der Mauer bzw. dem Brandenburger Tor ein Video drehten, war das Grund genug, nach dem Konzert zu schauen, wie es heute dort aussieht (der Blog war kurz nach der Wende zum letzten Mal dort). Die Eindrücke waren ernüchternd – im Nachhinein war das Hässliche an der Mauer, dass man auf sie nicht von beiden Seiten gucken durfte. Vielleicht war es zu kalt und zu windig. Vielleicht war der Blog zu müde, um die Schönheit der Gebäude, die um den Platz nach der Wiedervereinigung gebaut wurden, zu erkennen. Schön ist der Platz wirklich nicht. Sollten die Sex Pistoles in Berlin auftreten, wäre das eine gute Gelegenheit, zu versuchen, dem Komplex noch etwas Gutes abzugewinnen.

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