Oben ist man doch nicht einsam,

jedenfalls nicht in Finnland, deren Premierministerin diese Woche wegen eines Clips, von dem man vermute könnte, sie wolle das ganze Land verführen, wenn sie nicht hätte verlautbaren lassen, es handele sich um ein privates Video, Schlagzeilen gemacht hat, leider jedoch die falschen – da es immer heißt, oben sei man einsam, ist das einzig Bemerkenswerte am Video, dass sich überhaupt jemand findet, der mit ihr Party macht, was natürlich für sie spricht. Vielleicht ist es auch so, dass eine Partytigerin eine Partytigerin bleibt, was den großen Vorteil hat, dass gar nicht erst der Gedanke aufkommt, sich der Staatsräson wegen zu isolieren. Das machen Politiker nur, um sich nicht den Vorwurf gefallen lassen zu müssen, man sei nicht dienstbeflissen. Dass ausgerechnet in einer Zeit, in der es wieder en vogue zu sein scheint, im Büro einsam nachts darüber nachzudenken, wie man dem Land helfen könnte (Selenskyj, Putin und unser Bundeskanzler, von dem man gar nicht weiß mehr weiß, ob er überhaupt einer Partei angehört, sind beste Beispiele), ein Party Animal ein Land führt, ist nicht die Ausnahme von der Regel, sondern eher ein Ausdruck dafür, dass man unzufrieden ist mit jenen, die Entscheidung treffen, ohne vorher jemanden zu konsultieren, geschweige denn den Parteien die Möglichkeit zu geben, darüber diskutieren zu dürfen. Natürlich dürfen die Erwartungen nicht zu hochgeschraubt werden – auch ein Partylöwe macht Fehler, wie die Entscheidung Marins, in die NATO einzutreten, zeigt. Gegenüber Russland vertritt sie sogar noch einen härteren Kurs als Scholz (die Finnen wollen, wenn der Blog richtig informiert ist, gar keine Russen mehr ins Land lassen). Trotz dieser Entscheidung hat sie immer noch die Chance, eine würdige Nachfolgerin des erfolgreichsten Party Gastgebers, der je regiert hat, zu werden – wer Ludwig XIV nacheifert, braucht keine Schlösser mehr zu bauen. Heutzutage reicht es schon, in schweren Zeiten gesellig zu bleiben. Das muss man vor allem den Menschen draußen im Lande auch zu zeigen. Da Partygänger den Ruf haben, tolerant zu sein, kann der Blog kann nur hoffen, dass sie mit ihrer Freude am Feiern dazu beiträgt, die Meinungsvielfalt in ihrem Land bewahren zu helfen. Um die ist es hier ziemlich schlecht bestellt, wie Kubicki, der gemeint hat, es gebe „keinen vernünftigen Grund, Nord Stream 2 nicht zu öffnen“, gerade erfahren muss. Zeit für die Babyboomer, die feiern können, wie der Blog feststellen durften, etwas Neues zu wagen – das Land braucht Party Animals in den höchsten Ämtern. Die Zeit der Männer, die einsam an der Spitze einsame Entscheidungen treffen, ist vorbei.

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