Nur ein Vorsatz für das neue Jahr

Was kann ein neues Jahr schon bringen, wenn man in dessen erster Nacht aus Angst, während des Schlafs taub zu werden, um dann wenig später in einer Feinstaubwolke an eben dieser zu ersticken, nicht bei offenen Fenster schlafen kann? Natürlich nicht viel. Vermutlich befände ich mich jetzt auf der Suche nach einem Antidepressiva, das mir hilft, mein Silvestertrauma zu überwinden, wenn ich nicht erfahren hätte, dass es auch anders geht – nicht nur Amerika hat es besser, sondern zu meiner großen Überraschung auch Moskau, denn statt Raketen in die Luft zu schießen, laufen dort die Leute nach Mitternacht Schlittschuh, und das ganz böllerfrei. Gesegnet die Nation, die so unaufgeregt den Jahreswechsel begehen kann. Nicht dass die Russen keine Laster hätten, aber wenn ich mich für eines entscheiden müsste, würde ich deren Lichtverschmutzung, die vor nichts halt macht, wählen. Sogar E-Busse, von denen viele dachten, sie seien wegen der arktischen Temperaturen im Winter völlig ungeeignet für die Stadt, scheinen hellerleuchtet umherzufahren (dieser hier ist gerade beim „Auftanken“). (Noch ist es für die hiesigen Verkehrsbetriebe nicht zu spät, zu verkünden, noch in diesem Jahr Straßenbahnen und Busse zur Weihnachtszeit ausschmücken zu wollen.) Da von der Politik nicht zu erwarten ist, dass sie der Knallerei ein Ende setzt, habe ich mir für das neue Jahr vorgenommen, Silvester einen Tag früher zu feiern. (Viel war in den letzten Tagen davon die Rede, sich nicht zu viel aufzuladen. Niemand aber sprach davon, sich seinen Vorsatz auf den vorletzten Tag des Jahres aufzuheben.) Das wird so ruhig wie in Moskau. Bezüglich des Sports habe ich jedoch so meine Bedenken, denn selbst im Falle eines Sponsorings, das mir ermöglichen würde, am Ende des Jahre bremsen und Pirouetten drehen zu können, wäre ich angesichts der Öffnungszeiten unsere Eissporthalle nicht in der Lage, es den Russen gleichzutun. (Auf der Webseite steht etwas von einer „Lauflernschule“. Ich hoffe, die ist nur Kindern vorbehalten, so dass mir ein schlechtes Gewissen, in knapp einen Jahr ins neue Jahr hineinzuwandern, praktischerweise gerne aus dem Kino oder der Kneipe, erspart bleiben würde.)

PS: Ich denke, die Psychologen werden zufrieden sein. Ein Vorsatz ist immerhin besser als gar keiner. Und ich setze mich erst am Ende des Jahres unter Druck. Besser geht es wirklich nicht.

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