Meine kurze Karriere als Dichter

Der Sieg war gewiss, die Feiern waren vorbereitet, Gedichte und Lobeshymnen wie
Putin, Freund, Retter

Melodie: Matwej Issakowitsch Blanter
Text: A. Surkow / Deutsch: Alexander Ott 1949
Bearbeitung: Andree Barthel 2016

In den weiten, wunderschönen Landen,
Von der freien Arbeit froh beschwingt,
Ist der Freiheit hellstes Lied entstanden,
Das vom großen Freund der Menschen singt.

Refrain:
Putin führt uns zu Glück und Frieden,
Unbeirrbar wie der Sonne Flug,
Langes Leben sei dir noch beschieden,
Putin, Freund. Retter treu und klug.

Heimatland der Freiheit hier auf erden
Wurdest du, geliebtes Russland,
Immer reicher unsre Ernten werden,
Wohlstand spendet jede fleiß’ge Hand.

Refrain:

Schöner als der klare Lenz des Morgen
Leuchtet unsrer Jugend Maienzeit,
Putin lächelt, lebt doch ohne Sorgen,
Unsre Kinderschar in Lust und Freud.

Refrain:

Alle Dschihadisten werden wir bezwingen,
Alle Not der Welt durch eigne Kraft,
Und die allerschönsten Lieder klingen,
Wo der Mensch auf freier Erde schafft.
Refrain:,
deren Verfasser ungeduldig darauf warteten, endlich ihre Verse veröffentlichen zu können, lagerten schon seit Wochen auf den Festplatten, bis dann ausgerechnet der Guardian mit seiner Meldung, Putin habe einen Cellisten als Strohmann für seine Geldanlagen gewählt, allen, die Putins Erfolg dazu nutzen wollten, sich als proletarische Lyriker zu etablieren, klar wurde, dass sie sich den falschen Helden ausgesucht hatten. Putin mag keine Majakowskis. Die sind ihm zu radikal. Er zieht lieber die Klassik der Moderne vor. Dass ich dennoch meine Bearbeitung des Gedichts ins Netz stelle, ist meiner Eitelkeit geschuldet – die Leute sollen sehen, was ihnen verlorengeht, wenn ich nicht dichte (Innerhalb einer Minute hatte ich dem Gedicht einen neuen Sinn gegeben. Ich denke, das ist rekordverdächtig.) Warum bringen reiche Leute ihr Geld nach Panama? Bis heute gegen 21:00 Uhr habe ich gedacht, sie würden dies tun, um keine Steuern zahlen müssen. Der Guardian hat mich wieder einmal schlauer gemacht – ein großer Teil tut dies, weil er Angst davor hat, die Heimat im Falle eines Umschwungs völlig mittellos verlassen zu müssen. Potentielle Flüchtlinge, deren Offshore-Firmen dafür sorgen, dass die Immobilienpreise in London, vermutlich sogar in Europa, immer weiter steigen. Die nimmt man natürlich gerne auf. Erstaunlich, dass so viele Reiche glauben, sie würden auf einem Pulverfass sitzen.

Im Kaukasus, genauer in Nagorny Karabach, ist es das Fass schon in die Luft geflogen. Armenier und Aserbaidschaner führen dort einen Krieg, der es in puncto Grausamkeit – die Azis brüsten sich mit Aufnahmen, auf denen sie stolz abgeschlagene Köpfe armenischer Soldaten in der Hand halten (das wagt nicht einmal der ISIS) – schon jetzt mit jenem in Syrien aufnehmen kann. Denkt Russland wirklich, es kann angesichts des Hasses neutral bleiben? Das führt nur dass, dass man beide verliert. Da der Westen sich wegen Erdogan, der die Azis unterstützt, nicht traut, Partei für Armenien zu ergreifen, hängt wieder einmal alles von Putin ab.

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